Politik | 22.11.2018

Rathscheck Moselschiefer-Bergwerke:

Sozialplan-Verhandlungen drohen zu scheitern

Fehlende Finanzkraft als Begründung

Mayen. Es begann mit einer kurzfristig und überraschend einberufenen Betriebsversammlung am 22. Juni dieses Jahres. In der Werhahn-Konzernleitung Neuss hatten Vorstand und Verwaltungsrat die Entscheidung getroffen, die über Jahrhunderte bestehende und seit 1904 von der familiengeführten Werhahn-Gruppe betriebene Moselschiefer-Produktion einzustellen.

Die überraschende Blitz-Nachricht wurde von den Werhahn-Beauftragten Vos und König, Vorstände bei der Werhahn-Gesellschaft Basalt-AG, überbracht. Der Betriebsrat war nicht eingebunden worden. Er zitiert Herrn Vos aus dieser Betriebsversammlung angesichts der angekündigten Massenentlassung und dem Erstaunen der Kumpels: „Die Schließung wird sozialverträglichst abgewickelt. Über die finanzielle Seite brauchen Sie sich keine Gedanken zu machen. Werhahn steht mit der vorhandenen Finanzkraft in der Verantwortung“. Die Leitung bei Rathscheck Schiefer wurde dann gemäß neuem Organigramm auch neben Frank Rummel und Andreas Jäger um die Herren Vos als Chef und König für bestimmte Abteilungsbereiche erweitert.

Als Partner für die Sozialgespräche werden aber die Prokuristen Rummel und Jäger in Begleitung einer Anwältin aus einer Frankfurter Kanzlei delegiert. Nach den Verhandlungserfahrungen des Betriebsratsteams haben diese aber keinerlei Verhandlungskompetenzen und auch kein Konzept, so dass sich ständige Wendungen auf dieser Seite ergeben.

Der Betriebsrat hat sein Verhandlungsteam zusammengesetzt mit RA Bodenbach von einer Kanzlei in Koblenz, die für Sozialpläne spezialisierte TBS eGmbH Mainz und als Beobachter der Gewerkschaft IGBCE. Seit 19. Juli, also inzwischen 4 Monaten, fanden acht Gespräche statt, die bis jetzt zu keinem Ergebnis geführt haben. Die letzte auf den 12. November vereinbarte Verhandlung wurde eine Stunde vorher von Rathscheck abgesagt.

Für den gesetzlich vorgeschriebenen Sozialplan wurden erst kürzlich Ideen vorgetragen, die wieder wechselten, die aber nach Meinung des Betriebsrates keineswegs als sozialverträglich bezeichnet werden können. Einer Vielzahl von Besonderheiten wird nicht Rechnung getragen. So z.B. der Tatsache, dass die Mehrheit keinen anderen Beruf als den des Schieferspezialisten mit einer Betriebszugehörigkeit – im Vertrauen auf Werhahn – bis zu 45 Jahren erlernt hat und in einem Alter ist, bei dem ein Stellenwechsel sehr erschwert ist.

Die Werhahn-Zentrale hatte auch in Schreiben und der Presse immer wieder versichert, sich als Familienunternehmen der besonderen Verantwortung bewusst zu sein und eine angemessene sozialverträgliche Lösung sicherzustellen. Neuerdings wird aber argumentiert, dass die finanzielle Leistungsfähigkeit für angemessene Abfindungen nicht bestehe. In einem für Ende November vorgeschlagenen Termin will man nur über die angeblich fehlende finanzielle Leistungsfähigkeit diskutieren. Dabei hat die Werhahn-Gruppe nach eigenen Presseverlautbarungen im letzten Bilanzjahr einen Gewinn von 163 Mio. Euro erwirtschaftet.

Handelt es sich um eine strategische Verzögerungstaktik, deren Hintergrund noch aufzuklären sein wird? Die Kumpels mit ihren Familien finden das beschämend und verstehen nicht, warum sie auch noch in der Advents- und Weihnachtszeit im Unklaren gelassen werden.

Pressemitteilung des

Gesamt-Betriebsrates

Rathscheck Schiefer

Gremium Stilllegung

Moselschiefer-Bergwerke

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