Stadtrat verabschiedete wichtige zukunftsweisende Beschlüsse einhellig
Sporthalle Engers, neue Wohnbebauung und Deichkrone
Neuwied. Ganz im Zeichen von Corona stand die Stadtratssitzung vergangene Woche. Neben den allgemeinen Hygienemaßnahmen verständigten sich die Fraktionen, nur in Rumpfbesetzung anzutreten und auf Redebeiträge zu den Beschlussvorlagen zu verzichten. Bürger fanden ebenfalls nur begrenzt Einlass ins Heimathaus. Die obligatorische öffentliche Einwohnerfragestunde gem. der Gemeindeordnung wurde vom Stadtvorstand gestrichen. Kein Wunder also, dass die vierzehn Tagesordnungspunkte in nicht einmal einer Stunde abgearbeitet waren. Die überwiegend einstimmig gefassten Beschlüsse lassen darauf schließen, dass es ohnehin zu kaum kontroversen Diskussionen gekommen wäre. Im Mittelpunkt der Sitzung standen drei bedeutende Beschlussvorlagen aus dem Bauamt. Darunter die räumliche Erweiterung des Bebauungsplans der ehemaligen Wandplattenfabrik in Engers. Bekanntlich hatte der ursprüngliche Investor, die Deutsche Reihenhaus AG (DRH), 2018 eine überraschende Kehrtwendung vollzogen und war von der Kaufoption zurückgetreten. Grund: Die Auskofferung des kontaminierten Bodens hatte sich deutlich aufwendiger und damit teurer herausgestellt als ursprünglich angenommen. Stattdessen verkaufte die VitrA ihr 4ha großes Betriebsgrundstück im Gewerbegebiet Schützengrund an die PK Project Neuwied GmbH (PK Project) mit Sitz in Merzig. Diese Gesellschaft wurde 2018 mit Erwerb der ehemaligen Wandplattenfabrik laut Eintragung im Handelsregister eigens zwecks Verwaltung, Planung und Projektierung der Immobilien bzw. des Bauvorhabens im Bereich des ehemaligen Fabrikgeländes in Neuwied/Engers gegründet. Während das ursprüngliche Konzept der DRH einen Wohnpark mit etwa 110 Wohneinheiten in Form von Reihenhäusern und weiteren 34 Wohneinheiten inz wei Mehrfamilienhäusern vorsah, verfolgt PK Project das Ziel, insgesamt ca. 180 Wohneinheiten, davon acht Gebäude als Geschosswohnungsbauten (max. vier Vollgeschosse plus ein Staffelgeschoss) sowie eine Mischung aus ein- bis zweigeschossigen Reihen-, Doppel- und Einzelhäusern, zu realisieren. Von den Mehrgeschosswohnungsbauten soll ein Anteil von 25 Prozent der max. zulässigen Geschossfläche mit Mitteln der sozialen Mietwohnraumförderung des Landes Rheinland–Pfalz realisiert werden.
Neubau der Sporthalle Engers?
Der Sanierungsbedarf der 1969 errichteten Engerser Sporthalle hat sich trotz der Notsanierung vor acht Jahren weiter aufgestaut. Und zwar so hoch, dass ein kompletter Neubau, inklusive dem Abriss der alten Halle, für rund 5,4 Mio. Euro, wirtschaftlicher ist. Der Stadtrat beschloss beim Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ die Förderung in Höhe von 90 Prozent zu beantragen. „Eine Summe, bei der wir darauf setzen müssen, dass der Fördergeber in diesem Umfang zustimmt, da das Programm eigentlich nur Maßnahmen im Bereich bis zu drei Millionen vorsieht“, erklärte Ralf Seemann. Der Baudezernent wies ebenfalls darauf hin, dass die neue Halle mit zwei Feldern kleiner wird, weil eine Dreifeldhalle nicht mehr genehmigungsfähig ist. Sollte der Förderantrag bewilligt werden, müsste die Stadt Neuwied lediglich den Eigenanteil in Höhe von rund 500.000 Euro stemmen. Neuwieds Sportler, allen voran die erfolgreichen Handballerinnen des TV Engers, müssten während der Bauphase nicht pausieren. Der Neubau ist neben der vorhandenen Sporthalle vorgesehen. Der Abriss der alten Halle erfolgt dann erst nach Fertigstellung der neuen. Der Neubau in Engers hängt nun also vom Bewilligungsbescheid ab. „Falls es nicht klappt, sind wir auf das nächste Förderprogramm vorbereitet. Die nächsten sanierungsbedürftigen Hallen in Heimbach-Weis und Oberbieber stehen jedenfalls schon in der Warteschlange“, blickte Ralf Seemann in die Zukunft.
Perspektive für die Deichkrone
Ebenfalls grünes Licht gab der Stadtrat für die Bewerbung der Stadt Neuwied für das Bundesförderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus 2021“. Ziel ist die Revitalisierung der Deichkrone als „Zentrum zur Auseinandersetzung mit dem Klimawandel und seinen Auswirkungen auf die Urbanität in Mitteleuropa“. Auch hier liegt die Förderquote des Bundes bei 90 Prozent. Rund 4,6 Mio. Euro sind für das Projekt veranschlagt. Die Stadt ist also willens, einen Schlussstrich unter den jahrelangen Verfall zu ziehen. „Die Deichkrone hat einen festen Platz in den Herzen der Neuwieder Bevölkerung erobert“, warb der Beigeordnete Ralf Seemann für die Beschlussvorlage. Er erinnerte an die Geschichte des Gebäudes seit 1931, an die erfolgreichen Zeiten mit gehobener Gastronomie und an den Leerstand seit 2010. Seitdem schlugen alle Versuche einer Revitalisierung fehl. Für den neuen Anlauf einer musealen Nutzung dankte der Baudezernent dem Netzwerk Innenstadt, dem Arbeitskreis aus mehreren Fachämtern sowie Pfarrer Werner Zupp und Architekt Ralph Schulte für ihre Bemühungen der letzten Monate. Sollte die Bewerbung erfolglos bleiben, werden die intensiven Vorarbeiten nicht vergebens gewesen sein. In der Beschlussvorlage heißt es: „Sofern der beantragte Förderweg nicht erfolgreich sein sollte, sind mit der vorgeschlagenen Konzeption alternative Realisierungsmöglichkeiten zu erkunden“.
Hilfe für Obdachlose
Auf Grundlage des Polizei- und Ordnungsbehördengesetztes ist die Stadt Neuwied verpflichtet, obdachlose Menschen oder Personen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind, in geeigneten Unterkünfte unterzubringen. Das ist, abgesehen vom Mangel an Wohnraum, nicht immer ganz einfach. Viele der derzeit knapp 50 Obdachlosen wohnen „Im Schützengrund“ (Engers), wo es immer wieder zu Konflikten kommt. Das zuständige Amt für Jugend und Soziales begründet die teils prekäre Situation mit individuellen Problemlagen wie z.B. Verwahrlosung, Krankheit, schlechtem Gesundheitszustand, Gewaltbereitschaft auch die unzureichenden räumlichen Bedingungen in der Unterkunft, d.h. Leben in Wohngemeinschaften, mangelnde Sanitäranlagen, Wohnungsmängel infolge eines Brandes und eines Wasserrohrbruchs. Hilfe beschloss der Stadtrat mit der Konzeption „Wohnbegleitende Hilfen für Menschen in Notunterkünften“. Fachkräfte der Caritas kümmern sich zukünftig um die Abwehr von Wohnungslosigkeit und die Betreuung von Obdachlosen. Viele der Betroffenen können der Situation allein nicht entkommen. Die Fachkräfte sollen die Menschen in kleinen Schritten zu einer dauerhaften und eigenverantwortlichen Lebensführung in den eigenen „vier Wänden“ hinführen und eine professionelle sozialarbeiterische Unterstützung leisten. Die Experten der Verwaltung sind überzeugt, dass für das Gelingen der Maßnahme eine kontinuierliche Präsenz und gute Erreichbarkeit der Fachkraft unabdingbar ist. Daher wird „Im Schützengrund“ zweimal pro Woche eine Fachkraft mit eigenen Büro anwesend sein, um sich direkt vor Ort der Belange der Bewohner anzunehmen.
Integration von Flüchtlingen
Bekanntlich wird das Flüchtlingscamp in Block zum Ende des Jahres geschlossen. Während sich die GSG um die räumliche Unterbringung der größtenteils alleinstehenden, männlichen Bewohner kümmert, übernimmt die Stadt den sozialen Part. Die Experten aus dem Sozialamt gehen nämlich davon aus, dass die Flüchtlinge vor neuen Herausforderungen stehen. In der Beschlussvorlage heißt es, dass grundlegende Werte, wie gegenseitiger Respekt und Rücksichtnahme sowie die Gepflogenheiten für ein Leben in der Gemeinschaft, d.h. für ein Leben in Wohn- und Hausgemeinschaften, erst vermittelt werden müssen. Es sei wichtig, sich anbahnende Konflikte in den Wohngemeinschaften oder Probleme mit Nachbarn frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Helfen sollen Fachkräfte und semi-professionelle Integrationslotsen des Diakonischen Werks. Die Vereinbarung mit der Caritas sieht ebenfalls die Begleitung und Unterstützung von schon langjährig in Neuwied lebenden Familien vor, langfristig in ihre Integrationsbemühungen zu begleiten und zu unterstützen. Von schnellen Erfolgen gehen weder die Stadt noch die Diakonie aus. Zunächst müsse vielfach Vertrauen geschaffen werden. Daher setzt man bei den Integrationslotsen auf Menschen mit Migrationshintergrund, die mit den Bewohnern in Muttersprache kommunizieren können. FF
Der Sanierungsstau städtischer Liegenschaften ist immens. Auch die Sporthallen in Oberbieber und Heimbach-Weis (Foto) bedürfen umfangreicher Renovierungen und Modernisierungen.
Weil der Neubau inklusive dem Abriss der alten Sporthalle Engers wirtschaftlicher ist, hat sich die Stadt Neuwied um eine 90-prozentige Förderung beworben.
