Politik | 27.03.2019

Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept Swisttal

Startschuss für den Schritt in eine erfolgreiche Zukunft für die Gemeinde

In den drei zentralen Ortschaften Heimerzheim, Buschhoven und Odendorf sollen konkrete Projekte entwickelt werden – Bürgerschaft wird mit einbezogen

Swisttal. Die Gemeinde Swisttal will sich für die Zukunft besser aufstellen und insbesondere die drei zentralen Orte Heimerzheim, Buschhoven und Odendorf stärken. Dafür soll ein „Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept Swisttal“ (ISEK) sorgen, das Diplom-Ingenieur Rainer Kalscheuer von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft GmbH & Co. KG (DSK) aus Bonn in der jüngsten Sitzung des Planungs- und Verkehrsausschusses vorstellte. Damit fiel zugleich der Startschuss für das Projekt, das auf dem Gemeindeentwicklungskonzept aus dem Jahre 2010 basiert und einige parallel laufende Untersuchungen wie das „DORV-Projekt“ rund um dem Toniusplatz in Buschhoven berücksichtigt.

Dabei gehe es darum, das Gemeindeentwicklungskonzept zeitgemäß weiterzuentwickeln, zumal sich einige der damals zugrunde liegenden Prognosen nicht bewahrheitet hatten. So war man 2010 etwa noch von einer rückläufigen Bevölkerungszahl ausgegangen und hatte bewusst auf den Bau weiterer Wohngebiete für junge Familien verzichten wollen. Doch genau das Gegenteil sei eingetroffen, und heute komme man mit dem Bau von neuen Kindergärten und mit der Erweiterung von Grundschulen angesichts des Bevölkerungszuwachses fast nicht mehr nach, so Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner (CDU).

Jede Menge Fördertöpfe können angezapft werden

Zugleich wolle man mit dem neuen Konzept eine Reihe von konkreten Projekten in Heimerzheim, Buschhoven und Odendorf anstoßen. Eines könne beispielsweise die Zukunft des Dorfsaals in Odendorf sein. Schließlich gebe es jede Menge Fördertöpfe von Bund und Land, die eine Gemeinde wie Swisttal für ihre Stärkung anzapfen könne, doch die setzten allesamt ein durchdachtes Konzept voraus, ergänzte Kalscheuer. Daher müsse man die Entwicklung des ISEK und seine Umsetzung als einen langfristigen Prozess ansehen, der durchaus sieben bis neun Jahre dauern könne. „Es geht darum, das große Ganze zu sehen anstatt immer nur klein-klein“, machte Kalscheuer klar. Wichtig sei dabei auch der unvoreingenommene Blick von außen auf die gegebene Situation vor Ort und ein Aufzeigen der möglichen Perspektiven ohne Scheuklappen.

Projekte, die aus einem solchen ISES entstehen, könnten mit hohen Zuschüssen rechnen, berichtete Kalscheuer aus der Erfahrung aus anderen Kommunen. Die Förderung schwanke dabei zwischen 50 und 70 Prozent, mitunter gebe es sogar 80 Prozent Zuschuss. Und das Beste: „Es werden nicht nur Projekte der öffentlichen Hand gefördert, sondern auch private Maßnahmen, wenn sie in das Konzept passen.“ Ohnehin sei die Bevölkerung dazu aufgerufen, ihre Sicht der Dinge darzulegen und ihre Vorschläge einzubringen. Man verfolge einen partizipativen Ansatz, der die Mitgestaltung der Swisttaler und deren bürgerschaftliches Engagement besonders unterstütze. Erst wenn man alle Informationen und Anregungen zusammengetragen habe, könne man eine konkrete Handlungsempfehlung für einen überschaubaren Zeitraum formulieren, die wiederum die Grundlage für eine Förderung von Maßnahmen der Stadtentwicklung und Stadterneuerung im Rahmen der Städtebauförderung schaffe.

Sicherung der Grundfunktionen im Vordergrund

Beim ISEK seien auch allgemeine und überregionale Entwicklungen zu beachten, wie gesellschaftliche Veränderungen. Die Sicherung der Grundfunktionen müsse ebenfalls im Fokus stehen, denn sowohl die Nahversorgung wie auch Sozialdienstleistungen, Bildung und Gastronomie seien unabdingbar für das Funktionieren einer Gemeinde. Natürlich dürfe auch die demographische Entwicklung nicht außer Acht gelassen werden – soweit man das vorher sehen könne. Weiter wolle man sich mit dem Zustand und der Funktion der öffentlichen Räume beschäftigen und dabei Themen wie Baukultur und Werterhaltung ansprechen. Immer wichtiger werde auch der Aspekt des Klimaschutzes und der Klimafolgeanpassung, wofür Projekte zur Energieeinsparung und zur Verringerung von CO2 auf kommunaler Ebene beitragen könnten. Schließlich gehe es auch darum, strukturelle Anpassungsbedarfe zu ermitteln, denn auch die Bereiche Wohnen, Gewerbe, Handel, Gemeinbedarf und Bildung unterlägen einem ständigen Wandel.

Zwar gehe man mit der Idee an das ISEK heran, die drei zentralen Orte Heimerzheim, Buschhoven und Odendorf zu stärken, doch das sei nicht in Stein gemeißelt. Denn auch die anderen Ortschaften könnten bei Bedarf mit berücksichtigt werden. „Es handelt sich um einen wachsenden Prozess, und alle dürfen mitreden“, versprach Kalscheuer. Schließlich gehe es nicht nur um bauliche Veränderung, sondern auch um das Anstoßen von Denkprozessen und von sozialen und bürgerschaftlichen Initiativen. Doch eines könne man schon von vornherein ausschließen: „Traumschlösser werden keine gebaut.“

Öffentliche Bürgerveranstaltungen und Akteurswerkstätten

Für die Einbindung der Bürgerschaft hat Kalscheuer auch schon einige Vorschläge parat. Neben mehreren öffentlichen Bürgerveranstaltungen soll es auch themen- und zielgruppenorientierte Akteurswerkstätten geben. So könnten beispielsweise die Gewerbetreibenden, Einzelhändler und Gastronomen die Wirtschaft im Blick behalten, oder Vereine und Organisationen das dörfliche Zusammenleben diskutieren. Auch Streifzüge und Stadtspaziergänge seien geplant, die man mit verschiedenen Zielgruppen und Altersstufen durchführen könne. Gegebenenfalls werde man weitere Information- und Beteiligungsformate aus der Taufe heben, etwa Internet-Blogs oder Fragebögen. Zunächst ist aber ein Strategieworkshop mit der Politik geplant, um gemeinsam die grobe Marschrichtung festzulegen.

Noch vor der Sommerpause soll es eine erste Bürgerveranstaltung für die Gesamtgemeinde geben, bei der das Projekt den Bürgern noch einmal näher erläutert wird. Die Bürgerschaft soll rund um den Planungsprozess eingebunden und die ersten Ergebnisse der städtebaulichen Bestandsanalyse vorgestellt werden. Gemeinsam wolle man darüber diskutiert, wo es noch konkreten Handlungsbedarf gibt und welche Perspektiven sich die Bürger für die ihre Ortschaft vorstellen können.

Im September 2020 soll Grundförderantrag eingereicht werden

Mitte des kommenden Jahres soll das Konzept fertiggestellt und im Gemeinderat beraten und beschlossen werden, bevor dann im September 2020 der Grundförderantrag für die darin enthaltenen Einzelmaßnahmen bei der Kölner Bezirksregierung eingereicht werden. Dieser Grundförderantrag beinhaltet auch einen Zeitplan mit Kosten- und Finanzierungsübersicht, denn natürlich könnten nicht alle Maßnahmen in einem einzigen Jahr umgesetzt werden. Hier müsse sich voraussichtlich die Politik noch einmal über eine Prioritätenliste Gedanken machen.

JOST

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