Politik | 01.06.2016, 12:30 Uhr

NGG Köln warnt

Steigende Altersarmut

93 Prozent mehr Bezieher von Grundsicherung als noch vor zehn Jahren

Flaute im Portemonnaie: Immer mehr Menschen im Rentenalter sind von Armut betroffen – und auf Grundsicherung vom Staat („Alters-Hartz-IV“) angewiesen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert eine Stärkung der gesetzlichen Rente. Auch die betriebliche Vorsorge soll ausgebaut werden.NGG
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Rhein-Sieg-Kreis. Immer mehr Rentner im Rhein-Sieg-Kreis sind auf staatliche Unterstützung angewiesen: 5.326 Menschen erhielten im vergangenen Jahr Grundsicherung(„Alters-Hartz-IV“) im Alter oder bei Erwerbsminderung – fast doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Das geht aus neuen Zahlen des Statistischen Landesamtes (IT.NRW) hervor, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt. Die NGG Köln warnt vor einer weiteren Zunahme der Altersarmut und fordert eine Stärkung des gesetzlichen Rentenniveaus. Zudem dürften tarifliche und betriebliche Zusatzrenten nicht länger auf die Grundsicherung angerechnet werden. Es sei ein „sozialpolitisches Armutszeugnis“, wenn selbst immer mehr Menschen, die ein Leben lang gearbeitet hätten, der Gang zum Sozialamt nicht erspart bleibe. „Wir brauchen daher dringend Korrekturen bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Ohne ein höheres Rentenniveau werden gerade die jungen Beschäftigten später in Altersarmut geschickt“, warnt Boudih. Für sie laufe die Rente derzeit auf 43 Prozente ihres Einkommens hinaus, aber alles unter 50 Prozent sei „extrem ungerecht“, so der Gewerkschafter. Gleichzeitig müsse auch die betriebliche Vorsorge ausgebaut werden. Das sei gemeinsame Aufgabe von Gewerkschaften und Arbeitgebern. „So hat die NGG in Nordrhein-Westfalen für alle Branchen Zusatzrenten vereinbart“, sagt Boudih. Zum Beispiel in der Ernährungsindustrie. Dort zahle der Arbeitgeber im Schnitt 500 bis 600 Euro pro Jahr in die tarifliche Altersvorsorge ein. Bislang werde Beschäftigten, die eine Tarifrente und Anspruch auf Grundsicherung haben, ein Großteil der Zusatzrente wieder abgezogen. Das sei ein Missstand, den der Gesetzgeber unbedingt beheben müsse. Hinzu komme: „Zu den wichtigsten Mitteln gegen Altersarmut gehören vor allem faire Löhne. Hier sind die Arbeitgeber im Rhein-Sieg-Kreis gefordert. Sie sollen sich an Tarifverträge halten, statt Löhne durch prekäre Jobs zu drücken“, so Boudih. Zudem müsse der gesetzliche Mindestlohn kräftig angehoben werden. Erst dann könne man Altersarmut auch im Niedriglohnbereich verhindern.

Flaute im Portemonnaie: Immer mehr Menschen im Rentenalter sind von Armut betroffen – und auf Grundsicherung vom Staat („Alters-Hartz-IV“) angewiesen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert eine Stärkung der gesetzlichen Rente. Auch die betriebliche Vorsorge soll ausgebaut werden.Foto: NGG

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