Abbrucharbeiten auf dem Areal der ehemaligen Schultheis-Brauerei haben begonnen
Sudhaus der Schultheis-Brauerei verschwindet aus dem Stadtbild
Investor und Bevölkerung bedauern, dass Erhalt des Sudhauses nicht wirtschaftlich war
Weißenthurm. Die Stadt Weißenthurm ist zwar – im Vergleich zu den übrigen Orten der Verbandsgemeinde – eine verhältnismäßig junge Kommune (sie wurde erst vor 150 Jahren selbstständige Gemeinde), trotzdem besitzt sie eine interessante und vielfältige Geschichte. Hierzu gehört u.a. die Biertradition, die sich auch in der Bezeichnung „3-B-Stadt“ (Bims, Blech und Bier) wiederspiegelt. Eine besondere Stellung bei den „Thurer Brauereien“ nahm – nicht zuletzt aufgrund ihrer Größe – die Schultheis-Brauerei ein.
Im Jahre 1857 gründete der 24-jährige Johann Hermann Josef Schultheis in Linz am Rhein eine Brauerei und nutzte die dortigen Basaltkeller zur Lagerung und Kühlung. Schon drei Jahre nach der Gründung fasste er den Entschluss, eine neue Brauerei an einem neueren Standort zu realisieren. Im Bereich der heutigen Stadt Weißenthurm fand er ideale Voraussetzungen. Im Rahmen einer Versteigerung erwarb er 1860 ein Anwesen an der Hauptstraße 50. In Niedermendig errichtete er ebenfalls eine Brauerei mit Mälzerei, wobei er die dortigen Basaltkeller zur Lagerung nutzte. Diese Brauerei wurde bis 1888 betrieben. Im Jahre 1865 wurde Weißenthurm selbstständige Gemeinde (bis dato gehörte die Gemarkung der heutigen Stadt zu Kärlich, Kettig und Andernach). Ab 1869 erwarb Schultheis, der sich übrigens auch kommunalpolitisch betätigte und 1. Beigeordneter der Bürgermeisterei Bassenheim (Vorgängerin der heutigen VG) war, Grundstücke am bekannten Firmensitz am Ortseingang. Dort wurde 1878 auch eine Kühlmaschine aufgestellt, wodurch er von den Niedermendigern Basaltkellern unabhängig wurde. Er verlegte seinen Wohnsitz nach Koblenz, da dort auch ein Großteil der Kundschaft lebte. Der Firmengründer verstarb im Jahre 1897, doch das Unternehmen blieb im Privatbesitz (er hatte drei Söhne).
Positive Entwicklung im 20. Jahrhundert
Die Brauerei entwickelte sich weiterhin positiv. Im Jahre 1930 zählte man 123 Mitarbeiter. Den Zweiten Weltkrieg überstanden die Gebäude weitgehend unzerstört. Im Jahre 1948 wurde die Produktion wieder aufgenommen. Zum 100-jährigen Jubiläum der Schultheis-Brauerei im Jahre 1957 zählte man 201 Mitarbeiter. Ende der 1980er Jahre übernahm die Bitburger-Brauerei die Schultheiss-Brauerei, nachdem diese vier Generationen im Familienbesitz geblieben war. Die Produktion lief zunächst weiter, insbesondere die Sorte „Kandi-Malz“ war sehr gefragt. Im Jahr 1994 wurde eine Dosenfüllanlage aufgebaut, ein Markt, der damals sehr florierte. Von 40.000 Hektolitern im Jahr 1994 stieg die Menge bis 2002 auf 636.000 Hektoliter. Mit der Einführung des Dosenpfandes brach der Markt ein.
2004 endete eine Ära
Als zum „Tag des Bieres“ im April 2004 das endgültige Aus der Brauerei zum 31.12.2004 verkündet wurde, endete eine Ära. Das Gelände wurde seitdem u.a. durch eine Spedition genutzt. Zusätzlich hat auch das Jobcenter Mayen-Koblenz vor Ort in der ehemaligen Villa eine Bleibe gefunden. Nach Auskunft des Investors, der derzeit das Gelände neu gestaltet, war ursprünglich vorgesehen, das Jobcenter in das Sudhaus umzusiedeln. Das mächtige Produktionsgebäude sollte saniert werden. Statische Gründe sorgten jedoch dafür, dass dieser Umbau wirtschaftlich nicht machbar war, was nicht nur vom Investor selbst, sondern auch von der Weißenthurmer Stadtspitze und sicherlich von einem großen Teil der Bevölkerung bedauert wird. Vergangene Woche begannen daher die Abriss-Arbeiten an dem Gebäude, für die eine halbseitige Sperrung der Hauptstraße erforderlich ist. Immer wieder sah man vor Ort Schaulustige, die die Arbeiten mit Wehmut verfolgten. Auch wenn das mächtige Sudhaus bald vollständig verschwunden ist – und damit ein wichtiger Bestandteil der Weißenthurmer Biertradition –, so bleibt immerhin der Name erhalten: Der Investor kündigte an, dass das Areal zukünftig den Namen „Schultheis-Park“ tragen soll. Derzeit wird im östlichen Teil des Grundstücks der Neubau des Norma-Marktes realisiert. Die Fläche des ehemaligen Sudhauses soll zunächst einmal als Parkplatz für die Mitarbeiter der Spedition und des Jobcenters dienen. Letzteres ist derzeit in der ehemaligen Villa bzw. dem Verwaltungsgebäude der Schultheis-Produktion untergebracht. Doch auch dort werden in absehbarer Zeit die Abrissbagger anrollen.
GH
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