Politik | 08.06.2017

Terrorwarnung bei Rock am Ring: Wie gehen wir mit der Angst um?

Terror: Angst in Deutschland

Nach Terroranschlägen bei Großveranstaltungen: Wie reagieren die Menschen? Was tun wir dagegen?

Terror: Angst in Deutschland

Der Berliner Weihnachtsmarkt, das Konzert in Manchester, die Attentate in Paris. Angriffe auf Orte, an denen viele Menschen zusammenkamen und gemeinsam feierten. Dann die Nachricht: Terrorverdacht bei Rock am Ring, hier bei uns in der Eifel. Viele fragen sich: Sind wir noch sicher?

Rock am Ring 2017 konnte nach einer Unterbrechung fortgeführt werden, es mussten lediglich einige Konzerte ausfallen. Als das Festival wieder freigegeben wurde, feierten die Besucher weiter. Doch der 62-jährige Peter, die 15-jährige Charlotte und der 29-jährige Quentin werden nie wieder lachen, singen oder tanzen. Sie sind tot. Sie sind Opfer der Attentate in Berlin, Manchester und Paris.

Deutsche haben Angst

Zahlreiche Jugendliche wurden nach der Terrorwarnung bei Rock am Ring von ihren besorgten Eltern abgeholt, andere durften gar nicht erst hinfahren. Zu groß ist die Angst der Eltern, die Großveranstaltung könnte zum Tatort eines Terroranschlags werden. „Ich lasse meinen 17-jährigen Sohn nicht auf Konzerte, seit man überall von Terror hört“, äußert eine Mutter auf Facebook. Eine andere fragt: „Kann man überhaupt noch irgendwo hingehen ohne Angst?“

Dieser Angst will sich nicht jeder beugen. „Deswegen nicht hingehen? Dann hat der Terror doch gewonnen!“, antwortet eine Rock-am-Ring-Besucherin auf die besorgten Kommentare derer, die Großveranstaltungen aus Angst vor Anschlägen meiden. So sahen das wohl auch die vielen Festivalbesucher, die gemeinsam ein Zeichen setzten und sich nicht einschüchtern ließen. Der Aufforderung, das Festivalgelände zu verlassen, kamen sie nach. Doch nicht panisch und fliehend – nein, singend. Auf den Lippen hatten sie Lieder wie „You‘ll never walk alone“, eine Hymne für Zusammenhalt oder „Eins kann mir keiner, eins kann mir keiner nehmen und das ist die pure Lust am Leben!“

Nach dem Fall Amri: Behörden sind wachsam

Weniger gelassen war in der Nacht der Terrorwarnung Veranstalter Marek Lieberberg, der sich und das Festival als „Prügelknaben für die Situation“ bezeichnete. Er meinte: „Wir zahlen den Preis für den Skandal um Amri“. Der Terrorist, der mit einem Lkw in den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz raste, war schon vor dem Attentat im Visier der Behörden gewesen und viele sind im Nachhinein sicher, dass das dramatische Ereignis hätte verhindert werden können, wenn die zuständigen Behörden besser gearbeitet hätten.

Schon kurz nach der Terrorwarnung am Nürburgring nutzten Rechtspopulisten den Vorfall, um für ihre Sache zu werben. Dagegen wehrt sich der Veranstalter Lieberberg, doch sagt zugleich deutlich: „Die Zeiten erfordern es, dass wir allerdings – und zwar wir alle – uns deutlich positionieren und wehrhaft zeigen gegen jegliche Art von Gewalt und Fanatismus.“

Gemeinsam gegen Terror

Das taten auch die Festivalbesucher. Mit Schildern wie „Kein Platz für Terror“, „Make love not war“, „Tanzen gegen Terrorismus“, „Ich bin glücklich“, aber auch „Mama uns geht es gut“ zeigten sie sich vor den Bühnen. Diese fast schon trotzig-positive Einstellung können nicht alle Bürger teilen; Viele sind in Sorge. Sie sehen die Politik, die Sicherheitsbehörden in der Verantwortung. „Meine Toleranz ist am Ende, wir haben genug Terroranschläge erlebt. Es wird Zeit, dass die Politik jetzt endlich mal konsequent gegen den Terror und die Islamisten vorgeht. Schnauze voll vom Terror“, äußert ein Facebook-Nutzer seine Frustration.

Viele fordern auch die Muslime auf, aktiv zu werden und sich öffentlich gegen die im Namen ihrer Religion verübten Verbrechen zu stellen. Eine Muslima antwortet darauf: „Das ist nicht meine Religion, diese Verbrecher sind keine Muslime. Das sind Verrückte, die den Namen meiner Religion beschmutzen.“ Tatsächlich haben sich schon unzählige Muslime von jeglichem Terror, der im Namen des Islam begangen wird, distanziert. Bekannt wurde zum Beispiel die Kampagne „Not in my name“, bei der Muslime sich zu einem friedlichen Islam bekennen und sich dagegen wehren, dass ihre Religion von Terroristen missbraucht wird.

Was können wir tun?

Doch es kommt immer wieder vor, seit Jahren erschüttern islamistische Anschläge Europa. Woran liegt das und was können wir dagegen tun? War es verkehrt, so viele Flüchtlinge aufzunehmen, oder ist es unsere Aufgabe, diese Menschen vor den Gefahren in ihrer Heimat zu schützen – selbst, wenn sich auf diesem Weg auch Terroristen bei uns einschleichen? Wie können wir den Terror verhindern? Was sollten die Behörden zum Beispiel tun, wenn ein Geflüchteter straffällig wird – sofortige Abschiebung ohne wenn und aber, oder ihn lediglich überwachen und bei langwierigen Prozessen das Risiko eingehen, dass er ein noch größeres Verbrechen begeht? Was ist hier wichtiger: Die Sicherheit der Deutschen oder die Wahrung der Menschenrechte für jeden Einzelnen, egal woher er kommt? Und was ist mit den Verdächtigen oder Terroristen, die einen deutschen Pass haben, sollten sie des Landes verwiesen werden? Sollten die Deutschen sich gegen eine muslimische Kultur in Deutschland wehren, oder gehört der Islam schon lange zu Deutschland?

Viele Fragen, auf die wir keine Antworten haben. Dabei sind sie so wichtig, denn es sind Menschen gestorben und es gibt keine Anzeichen dafür, dass es aufhört. Die Furcht ist groß, dass es weiterhin Terror in Deutschland und Europa geben wird. Was ist die richtige Reaktion auf solche Verbrechen – oder gibt es hier ohnehin schon lange kein „richtig“ und „falsch“ mehr?

-MX-

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Ralf Schweiss
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