Politik | 20.07.2016

Veranstaltung der Ortsverbände Rheinbach und Meckenheim von Bündnis 90/Die Grünen

Tihange ganz nah – Risiko ohne Ende?

Oliver Krischer und Hans-Christian Markert informierten zu Gefahren der belgischen Atomkraftwerke

Landtagsabgeordneter Hans-Christian Markert (l.) und Bundestagsmitglied Oliver Krischer informierten über die aktuelle Situation im Hinblick auf die störanfälligen belgischen AKW. privat

Rheinbach/Meckenheim. Nur 120 Kilometer entfernt von Meckenheim bzw. Rheinbach liegt das belgische Atomkraftwerk Tihange. Die Ortsverbände Rheinbach und Meckenheim von Bündnis 90/Die Grünen hatten jüngst zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung über mögliche Auswirkungen eines atomaren Unfalls dort eingeladen und konnten über 30 interessierte BürgerInnen im Himmeroder Hof begrüßen. Als Experten erläuterten der Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer und der Landtagsabgeordnete Hans-Christian Markert die aktuelle Situation und die Konsequenzen von Störfällen.

„Atomausstieg ist die beste Prävention“

Gleich zu Anfang wies Markert darauf hin, dass die zurzeit verteilten bzw. bevorrateten Jodtabletten nur bedingt hilfreich sind – die Abschirmung gegen den sogenannten radioaktiven Fallout ist daher das beste Gegenmittel. An erster Stelle sollte aber die Prävention stehen. „Wie können wir den Atomausstieg, den wir in Deutschland in die Wege geleitet haben, auch in der EU real werden lassen?“, ist für Markert die Kernfrage. Da in Belgien neben den Bestrebungen, AKW weiter am Netz zu lassen, auch neue Formen atomarer Kraftwerke installiert werden sollen – zum Beispiel Blockheizkraftwerke auf Atombasis – plädiert er dafür, von Deutschland über Netzwerke meinungsbildend auf die Entscheider einzuwirken. Belgien hatte 2003 entschieden, bis spätestens 2025 Atomkraftwerke, die über 40 Jahre alt sind, vom Netz zu nehmen. Die neue Regierung hat diesen Beschluss jedoch aufgeweicht: Trotz vielfältiger Risse, vermehrt auftretender Störfälle, häufiger Unfälle und sogar Brände wurde eine Verlängerung der Laufzeit beschlossen. Dem widersetzt sich vor allem die Städteregion Aachen mit ihrer Klage. Mittlerweile sind es 80 Kommunen und Landkreise, die entweder der Klage beigetreten sind oder sich zumindest solidarisiert haben – unter anderem auch Rheinbach. Und auch die Landesregierung von NRW hat sich kürzlich angeschlossen. Ansatzpunkt ist eine fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung, die grenzüberschreitende Relevanz hat. Da erfahrungsgemäß solche juristischen Verfahren Jahre dauern können, soll parallel auch auf der politischen Ebene Druck ausgeübt werden, um ein Umdenken hinsichtlich der Atompolitik zu bewirken.

Probleme mit der Sicherheit thematisiert

Oliver Krischer ging anschließend auf die Sicherheitsaspekte ein: Neben dem fehlenden Schutz vor Hochwasser und Flugzeugabstürzen ist die belgische Sicherheitskultur ein Problem: Mitarbeiter halten sich nicht an Sicherheitsbestimmungen, mussten zusätzlich geschult werden, ein Sympathisant des IS war lange Zeit angestellt, und es gab sogar einen Sabotageakt, dessen Verursacher nie ermittelt wurde. Die im Wochenrhythmus anfallenden automatischen Notabschaltungen verdeutlichen den technisch schlechten Zustand: „Wenn die Abschaltung einmal nicht funktioniert, kommt es zur Katastrophe“, betonte Krischer. Besonders problematisch sind die Reaktoren Tihange 2 und Doel 3, in denen schon seit Fertigstellung tausende Risse existieren. Selbst ein atomkraftfreundlicher Wissenschaftler der RWTH Aachen hält den Weiterbetrieb dieser „Rissreaktoren“ für unverantwortlich. Die sieben AKW in Tihange und Doel liefern zusammen rund 50 Prozent des belgischen Strombedarfs. Hauptargument der belgischen Regierung für den Weiterbetrieb ist deshalb, dass ein Abschalten die Versorgungssicherheit im Land gefährdet. Dem setzt Krischer entgegen, dass im deutschen Grenzgebiet zu Belgien zahlreiche Kraftwerke existieren, die teilweise nicht in Betrieb sind, aber den notwendigen Strom liefern könnten – eine wissenschaftliche Untersuchung wird da konkrete Fakten liefern. Mittlerweile ist auch die Presse in Belgien umgeschwenkt: Vor allem die Verbindung des Kraftwerkbetreibers Electrabel zur belgischen Atomaufsicht wird kritisch gesehen. Wenn nun auch die Bundesregierung die anhängige Klage der Städteregion unterstützen würde, wäre die Wirkung in Belgien noch stärker. Deshalb wünscht sich Krischer hier mehr Engagement und Einsatz politischer Mittel, um eine stärkere Dynamik zu erzeugen.

Pressemitteilung

Bündnis 90/Die Grünen

Ortsverein Rheinbach

Landtagsabgeordneter Hans-Christian Markert (l.) und Bundestagsmitglied Oliver Krischer informierten über die aktuelle Situation im Hinblick auf die störanfälligen belgischen AKW. Foto: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 1

  • Rüdiger Knieps: Kesseling im Kreis Ahrweiler
  • Michael Kroeger: Bestätigung Wahlergebnis am 13.4.2026. Mark Geimer wird Stadtbürgermeister. Unterschrift Nutzungsvertrag Windkraft am 17.4.2026 durch den 1. Beigeordneten Werner Lahme. Die Vereidigung Mark Geimer als...
Dauerauftrag 2026
Kirmes Polch 2026
neue Heizung?
Genusstage 17./18.04.
Dachdecker (m/w/d)
Handwerkerhaus
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Ausverkauf
Empfohlene Artikel
Der marode Zustand der L 83 ist in Kempenich Dauerthema.  Foto: Jochen Seifert
310

Der Artikel zeigt deutlich das Dilemma mit der Sanierung von Landes- und Kreisstraßen im Kreis Ahrweiler. Dem LBM ist der Zustand der L 83 von der K 18 bis nach Kempenich bekannt – das freut mich. Offensichtlich nicht bekannt ist der miserable und verkehrsgefährdende tatsächliche Zustand, denn dann hätte man die Straßen längst saniert. Der benannte Abschnitt der L 83 stand schon im Investitionsplan Landesstraßen der Landesregierung von 2019 – 2023 mit insgesamt 1,934 Millionen Euro.

Weiterlesen

Die CDU Rheinbreitbach freut sich auf viele Gäste beim Burgfest am 26. April.  Foto: Heinz-Werner Lamberz
20

Rheinbreitbach. Der CDU-Ortsverband Rheinbreitbach lädt ein zum Burgfest am Sonntag, 26.04.2026 ab 15:00 Uhr in und um die Obere Burg, Schulstraße 7a in Rheinbreitbach. Angeboten werden leckere, von Mitgliedern gebackene Kuchen, selbstverständlich auch Kaffee, Tee sowie andere alkoholische und alkoholfreie Getränke. Natürlich besteht Gelegenheit zu Gesprächen untereinander sowie mit Abgeordneten und Kommunalpolitikern.

Weiterlesen

Flutschäden im Juli 2021.  Foto: ROB
932

Als Bürger dieses Landkreises fühle ich mich nicht gut beraten und auch nicht sonderlich beschützt, wenn man beim lesen des Artikels, in dem der Leiter der Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz im Kreis Ahrweiler Stellung bezieht. Man könnte den Eindruck erhalten, dass die PR-Maßnahme der Verwaltung auf jeden Fall eines bewirken soll – und zwar zu Beschwichtigen. In dem Artikel war besonders und in erstaunlicher Weise zu erfahren, was alles nicht geht oder länger dauern wird.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Daniel Robbel hatten einige lustige Geschichten dabei. Fotos: privat
11

Die Römer-Thermen glänzen mit neuem Kulturangebot:

Lesung mit Daniel Robbel war ein voller Erfolg

Bad Breisig. Eine Lesung in einer Therme: was zunächst ungewöhnlich klingt, entpuppte sich als echter Volltreffer. Die Veranstaltung „Best of Ahrtal“ in den Römer-Thermen bot den gut gelaunten Gästen einen ebenso unterhaltsamen wie genussvollen Abend und könnte durchaus den Auftakt für eine neue Kultur-Reihe mit besonderem Thermen-Flair bilden.

Weiterlesen

Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Dauerauftrag 2025
Holz Loth-Entsorgung
Anzeige "Rund ums Haus"
Anlagenmechaniker
Kirmes Polch 2026
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Suchen Auslieferungsfahrer
Floristik Meyer
Kirmes Löhndorf
Anzeige Reinigungskraft
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Titelanzeige
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Maibaumstellen Heimersheim