Lerserbrief zum Thema Brexbachtalbahn
Total abgefahren… Bahnhaltepunkte in Bendorf
Umweltministerin Katrin Eder zeigte sich begeistert, als sie im letzten Jahr von Siershahn bis nach Bendorf mit dem Zug gefahren ist.
Der Zustand der Strecke sei hervorragend und ihre Schönheit atemberaubend. Leider haben nur Minister auf Besuch die Chance, vom Westerwald an den Rhein mit der Bahn zu reisen. Jetzt war Frau Eder wieder auf (Sommer)Tour und machte Station in Koblenz, die Grünen Mayen-Koblenz in Bendorf. Thema jeweils: verbesserte Mobilität im Landkreis und der nach wie vor ausstehende Bahnhaltepunkt für Bendorf. Wie also konnte Ministerin Eder nach Bendorf reisen, einer der größeren Städte im Landkreis, die wie behauptet, nicht an das Schienennetz angebunden ist? Es ist schlicht unwahr, denn Bendorf verfügt seit geraumer Zeit über gleich drei Bahnhaltepunkte: in der Innstadt am Kaufland, an der Abtei/Kletterwald, also mitten im Touristenhotspot Sayn und am Pfadfinderlager. Dumm also, dass jetzt die beantragten Fördergelder für einen neuen Bahnhaltepunkt weit weg von der Innenstadt nicht genehmigt wurden. Es wird also absehbar kein Zug in Bendorf halten. Auch da nicht, wo es schnell möglich wäre und wo Frau Eder auch ausgestiegen ist. Aber hier blockieren seit Jahren genau die, die jetzt einen neuen Bahnhaltepunkt fordern, den Bahnverkehr: die Grünen gemeinsam mit der CDU, der SPD und den Freien Wählern. Das wirft für alle die, die sich seit Jahren ernsthaft mit der Wirklichkeit auseinandersetzen und sich für den Klimaschutz, die Verkehrswende und die Touristikförderung in der Praxis engagieren, Fragen auf:
Warum dieser Widerspruch zwischen einem teuren Neubauprojekt einerseits und der Ablehnung praktischer Nutzung einer vorhandenen Bahninfrastruktur andererseits? Welche Kosten-Nutzen-Rechnung liegt dieser unterschiedlichen Bewertung zugrunde? Welchen zusätzlichen Vorteil erwartet man sich von einem weiteren, weit abgelegenen Bahnhaltepunkt an der Hauptstrecke, wenn bereits vorhandene, zentral oder im touristischen Hotspot Sayn gelegene Haltepunkte nicht genutzt werden? Wie ist das auch unter dem Gesichtspunkt der Barrierefreiheit zu bewerten, dass die bestehenden Haltepunkte mitten im Bendorfer Zentrum für viele Bürger und in Sayn für alle Touristen - immerhin etwa 250.000 im Jahr - fußläufig bestens erreichbarer wären als ein Neuer an der Hauptstrecke? Warum wollen die Grünen bzw. die Stadt kommunale Mittel und Förderprogramme für Neubauten einsetzen, statt die deutlich günstigere Reaktivierung bestehender Bahnhaltepunkte zu nutzen an einer Strecke, die den höchsten Nutzen-Kosten-Quotient aller untersuchten Strecken im Land aufweist?
Man fragt sich, welche verkehrspolitische Logik dahintersteckt, neue kostspielige Infrastruktur zu schaffen, während wirtschaftlich sinnvolle, bereits vorhandene ungenutzt bleibt? Das Ergebnis: Bendorf bleibt weiter politisch gewollt auf dem Abstellgleis, es herrscht Stillstand auf der Schiene statt Zug um Zug Aufbruch in eine nachhaltige mobile Zukunft. Die Folgen tragen wir alle täglich auf den Straßen in und um Bendorf. Gernot Kallweit, Urbar