Arbeitskreis für entwicklungspolitische Bildung e.V. Remagen
„Unser Partnerland Ruanda - eine Erfolgsgeschichte“
Remagen. Bereits seit 1982 besteht eine enge Partnerschaft zwischen Rheinland Pfalz und Ruanda. Initiator dieser einzigartigen Zusammenarbeit eines deutschen Bundeslandes mit dem zentralafrikanischen Staat war der damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Bernhard Vogel. Rheinland-Pfalz wollte seine beschränkten Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit auf ein einziges Entwicklungsland konzentrieren. Das kleine Land im Herzen Afrikas ist gerade einmal so groß wie Rheinland-Pfalz und das Saarland zusammen, hat aber elf Millionen Einwohner. Auf Einladung des AeB kam Gerhard Fuckner, verantwortlich für die Zusammenarbeit mit Ruanda im Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur, nach Remagen. Er berichtete in der Kulturwerkstatt Remagen über diese langjährige Erfolgsgeschichte. Eine bedeutende Säule der Partnerschaftsbeziehungen sind die inzwischen 220 Schulpartnerschaften zwischen rheinland-pfälzischen und ruandischen Schulen. Heute unterhalten ca. 50 Kommunen, 50 Vereine und Stiftungen, 15 - 20 Pfarreien, viele Hochschulen und Schulen Beziehungen zu ruandischen Partnern. Auch die vielen persönlichen Kontakte und Freundschaften, die im Laufe der Zeit bei zahlreichen Besuchen entstanden, machen den Erfolg der Partnerschaft aus. Aber es gibt auch eine Schattenseite. Bei dem Völkermord im April 1994 an der Tutsi-Minderheit durch die Hutus verloren Schätzungen zufolge innerhalb von 100 Tagen fast eine Millionen Tutsis und Tutsi-freundliche Hutus ihr Leben.
Millionen flohen in die Nachbarländer Kongo, Uganda und Tansania. Ein schwieriger Wiederaufbau- und Aussöhnungsprozess ist immer noch im Gange. Der zweite Gastredner des Abends kommt aus der Demokratischen Republik Kongo und kennt die Grenzregion zu Ruanda: Michel Mutambala schilderte die schwierige Beziehung zwischen den beiden Staaten.
Mehrfach hat Ruanda militärisch im Kongo interveniert, um dort die Organisatoren des Völkermords zu jagen und sich eine Pufferzone zu errichten, deren Rohstoffe für den eigenen Wiederaufbau geplündert wurden. Die Beziehung zwischen den beiden Ländern ist durch eine neue Gewaltwelle im Ostkongo seit Mai 2012 erneut belastet worden.
Der Kongo wirft Ruanda vor, die Rebellen bei ihren militärischen Operationen zu unterstützen. Es geht um Rohstoffe und um Machteinfluss in der Region. Bei seinen Besuchen in Ruanda sieht Herr Mutambala aber auch die Erfolge. Im Gegensatz zu den chaotischen Verhältnissen im Kongo weist Ruanda seit Jahren ein hohes Wirtschaftswachstum auf, es setzt auf Investitionen im Transport- und Energiesektor, fördert den Tourismus und die Industrie. Auch hinsichtlich der Verbreitung von Korruption steht Ruanda im afrikanischen, aber auch weltweiten Vergleich gut da. Allerdings leiden Pressefreiheit und Menschenrechte unter der Regierungspolitik. Ruanda hat weiterhin große Herausforderungen zu meistern. Es gehörte auch 2012 zu den ärmsten Ländern weltweit, Einkommen und Besitz sind ungleich verteilt, nahezu die Hälfte der Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt, und es fehlt an ausgebildeten Fachkräften.
Herr Fuckner weist auf beachtliche Erfolge der Partnerschaft hin: Es wurden viele Schulen, gerade im ländlichen Raum, gebaut. Der Aufbau eines dualen Ausbildungsprogramms ist in Vorbereitung. Wenn die Menschen eine Zukunft in ihrer Heimat haben, brauchen sie nicht zu fliehen. Die Teilnehmer der Veranstaltung diskutierten mit den Referenten, wie man sich bei der Partnerschaft mit Ruanda engagieren kann, und erörterten die Möglichkeit einer aktiven Beteiligung der Kommune Remagen an der Partnerschaft ihres Bundeslandes. Es ist eine einmalige Chance, andere Menschen und Kulturen kennenzulernen.
Pressemitteilung
Arbeitskreis für entwicklungspolitische Bildung e.V., Remagen
