Politik | 12.09.2020, 10:00 Uhr

Aus der BI Adenauer Land wird Bürgerinitiative Gesundheitsversorgung Adenauer Land e.V.

Verein plant Einreichung einer Klage

Kampf um eine adäquate Grund- und Regelversorgung in Adenau geht in die zweite Runde

Die Gründungsmitglieder der Bürgerinitiative (v.l.): Gundi Schirmer, Carmen Jüngling-Nitschke, Monika Hübgen, Daniela und Willy Thiesen, Karl-Heinz und Waltraud Tibo. Foto: Myriam Thiesen/Florian Hideg

Adenau. Die Bürgerinitiative Gesundheitsversorgung Adenauer Land gab kürzlich in einer Pressemitteilung gleich zwei neue Informationen bekannt. Die Bürgerinitiative hat sich kürzlich zu einem eingetragenen Verein zusammengeschlossen.

„Durch die Vereinseintragung der „Bürgerinitiative Gesundheitsversorgung Adenauer Land e.V.“ unter Vorsitz von Daniela Thiesen, Stellvertreterin Monika Hübgen und Schatzmeister Karl-Heinz Tibo sowie die Anerkennung der Gemeinnützigkeit, haben wir unsere weiteren Vorhaben auch rechtlich auf ein solides Fundament gestellt“, heißt es hierzu schriftlich in einer Mitteilung.

Bürgerinitiative spricht von unzumutbaren Zuständen

Seit längerer Zeit hat sich die Bürgerinitiative zum Ziel gesetzt für eine adäquate Grund- und Regelversorgung im Gesundheitswesen in der Verbandsgemeinde Adenau zu kämpfen. Den Corona-Lockdown habe man genutzt, um in Briefen an die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Landrat Dr. Jürgen Pföhler nochmals eindringlich auf die aus ihrer Sicht unzumutbare Krankenhaussituation in Adenau hinzuweisen und eine Lösung zu fordern. Weiterhin wurde auf Initiative des VG-Bürgermeisters Guido Nisius, in Kooperation mit der Stadt Adenau, dem Förderverein „Krankenhaus und Notarztstandort Adenau e.V.“ sowie der Bürgerinitiative ein Brief an Gesundheitsminister Jens Spahn geschickt. Die Antwort hierzu stehe jedoch noch aus.

Die Bürgerinitiative kämpft für eine bessere Gesundheitsversorgung im St. Josef-Krankenhaus in Adenau. Foto: CF

Die Bürgerinitiative kämpft für eine bessere Gesundheitsversorgung im St. Josef-Krankenhaus in Adenau. Foto: CF

Gespräch mit Vertretern der Marienhaus GmbH ohne Ergebnis

„Ein weiteres Gespräch mit Christoph Wagner und Thorsten Kopp der Marienhaus GmbH im Juni 2020 verlief, wie erwartet, ohne Resultat. Selbst die Frage, welche Versorgung im Adenauer Krankenhaus aktuell noch vorgehalten werde, wurde nur ausweichend und unkonkret beantwortet. Die vermeintliche Suche nach einem Chirurgen für eine Praxis im Adenauer Krankenhaus warf weiterhin einige Fragen auf. Fakt ist, aktuell wird kein Chirurg gesucht und unsere Gespräche mit Chirurgen, welche sich Anfang des Jahres auf diese Stelle beworben hatten, widerlegen auch die Behauptung der Geschäftsleitung, dass intensiv gesucht werde“, teilte die Bürgerinitiative Gesundheitsversorgung Adenauer Land mit.

Verein plant Klage

Die Vertreter der Bürgerinitiative fühlen sich spürbar von der örtlichen Politik im Stich gelassen und möchten nun auf anderem Weg eine bessere Gesundheitsversorgung erwirken: „Wir sind nach all diesen Erfahrungen zu dem Entschluss gelangt, dass die unzähligen Gespräche und der gesamte Schriftverkehr zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt haben, auch nicht führen werden und wir uns leider nicht auf die Politik von Land und/oder Kreis verlassen können. (...) Nun geht unser Kampf in die nächste Runde. Unsere Hoffnung, im Dialog mit allen Beteiligten eine akzeptable Lösung zu finden, wurde systematisch zerstört. Aus den genannten Gründen werden wir nun schnellstmöglich einer renommierten Anwaltskanzlei für Medizin- und Gesundheitsrecht in Köln den Auftrag zur Rechtsmittelprüfung mit dem Ziel der anschließenden Klage erteilen“.

  • Sicherstellung, dass 24 Stunden an 7 Tagen die Woche ein Facharzt für Chirurgie in Adenau zur Verfügung steht
  • Konservative und operative Frakturbehandlung kleinerer Frakturen, sowie die chirurgische Notfallbehandlung (kleine und große (inklusive operative) Wundversorgung) soll möglich sein
  • Vorhalten eines Konzepts für die Versorgung mit Notfalloperationen (z.B. Appendix, Milzruptur, etc.)
  • Behandlung von Arbeitsunfällen und Schulunfällen in Adenau durch einen D-Arzt tagsüber (inklusive § 6)
  • Konservative chirurgische Behandlung auch über Nacht soll in Adenau möglich sein
  • Vorhaltung chirurgischer Betten
  • Vorhaltung anästhesiologische Kapazitäten (Facharzt für Anästhesie und Pflege für Anästhesie) und entsprechende Geräte wie Narkosegeräte, Autoklave, chirurgische Geräte und Instrumente, sowie Bedienpersonal und Fachpflege
  • Sicherstellung der Versorgung in der Ambulanz im Rahmen von Großveranstaltungen am Nürburgring durch Intensivierung

Jeder, der den frisch gegründeten Verein „Bürgerinitiative Gesundheitsversorgung Adenauer Land e.V.“ unterstützen möchte, kann diesem beitreten. Infos und Kontakt unter Tel. (0 26 91) 17 72 oder per Mail: bi-adenauerland@web.de. Auch mit Spenden können Interessierte der Bürgerinitiative bei ihrem Vorhaben helfen.

Persönliche Erfahrungen gesucht

Wer persönliche Erfahrungen in Bezug auf das Adenauer Krankenhaus seit dem 01.01.2020 gemacht hat, kann diese der Bürgerinitiative mitteilen. „Wir möchten mit der Klage deutlich machen, dass wir uns die gesetzlich zustehende Grund- und Regelversorgung und ebenfalls durch die Politik zu gewährleistende Daseinsvorsorge nicht nehmen lassen. Dafür sind auch Ihre Erfahrungen sehr hilfreich und wichtig. Unsere Klage kann unter Umständen auch anderen betroffenen Regionen zugutekommen. Darum helfen Sie uns, damit wieder eine flächendeckende, patienten- und mitarbeiterorientierte Gesundheitsversorgung möglich wird“, lautet der Aufruf des neuen Vereins. CF

Die Gründungsmitglieder der Bürgerinitiative (v.l.): Gundi Schirmer, Carmen Jüngling-Nitschke, Monika Hübgen, Daniela und Willy Thiesen, Karl-Heinz und Waltraud Tibo. Foto: Myriam Thiesen/Florian Hideg

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