Neuwied hatte zur Einwohnerversammlung eingeladen
Verwaltung stand Bürgern Rede und Antwort
Neuwied. Die alljährliche Einwohnerversammlung ist immer eine gute Gelegenheit, mit der Verwaltung ins Gespräch zu kommen. Bereitwillig erklären die Amtsleiter und ihre Mitarbeiter schwer verständliche Zusammenhänge, Abhängigkeiten zwischen Bund, Land und Kommune, Vorgaben und Gesetze. Darüber hinaus informieren sie über aktuelle Entwicklungen und Zukunftspläne. Dennoch war das Interesse der Bürgerinnen und Bürger auf dem Luisenplatz nur mäßig. Obwohl Oberbürgermeister Jan Einig immerhin mehr Besucher als im früheren Format ausmachte. Anstelle einer Saalveranstaltung fand die Einwohnerversammlung in Form einer open-Air Messe statt. „Aussteller“ waren neben den Ämtern der Verwaltung die städtischen Betriebe VHS, SWN, SBN und GSG sowie die Polizei. Die Feuerwehr musste ihre Teilnahme spontan absagen, weil ein Unwetter mit Hagel, Sturm und Starkregen, in einigen Stadtteilen wütete. Zu Beginn der Einwohnerversammlung ermunterte der Oberbürgermeister die Besucher, sich zu informieren und ihre Fragen zu stellen. Etwa beim Bauamt, das die Pläne für die Neugestaltung des Luisenplatz vorstellte. Bei Dr. Zuhal Gültkin waren die Bürger eingeladen, Anregungen zum Energiesparen auf eine Pinnwand zu heften. Seit rund einem Jahr ist die Klimaschutzmanagerin im Amt. Ihr Ziel: Die Stadt soll bis 2045 klimaneutral werden. Der Weg dahin führt über geringere Verbräuche durch Einsparungen und technologischen Fortschritt. Fraglich hingegen ist, woher ausreichend grüner Strom kommen soll? „Die städtische Bezuschussung privater PV-Anlagen scheidet leider aus“, kommentierte Dr. Zuhal Gültkin eine entsprechende Anregung. Sie hofft, dass Bund und Länder entsprechende Förderprogramme auflegen. Die Stadt jedenfalls werde alle Möglichkeiten ausschöpfen, die Dächer öffentlicher Gebäude zu nutzen. „Der Denkmalschutz ist häufig hinderlich für den Klimaschutz“, ließ ein anderer Bürger als Notiz zurück.
GSG leistet Klimaschutz
Die Gemeindliche Siedlungsgesellschaft (GSG) trägt mit ihren Modernisierungen zum Klimaschutz bei. Die städtische Gesellschaft informierte über die laufende energetische Erneuerung der Mehrfamilienhäuser in der Langendorfer Straße 45-54. Über 4 Mio. Euro steckt die GSG in die 44 Wohnungen. Wenn die Mieter aus ihren Ersatzquartieren wiederkommen, finden sie hochmoderne Wohnungen mit schicken Bädern vor, nach dem neuesten Stand der Technik gedämmt und mit Balkonen und elektrischen Rollläden ausgestattet. Vor dem Haus entstehen Ladesäulen für E-Bikes und Roller. Mit rund 2.500 Wohnungen hat die GSG ein immenses CO2 Einsparpotenzial. Der Seniorenbeirat hatte ebenfalls auf dem Luisenplatz Stellung bezogen. „Mit rund 20.000 Menschen vertreten wir ein Drittel aller Neuwieder“, unterstrich der Vorsitzende Werner Hammes. Aktuell setzt sich der Beirat für die Anschaffung von Sportgeräten am Germania Sportplatz ein. Die dienen nicht nur zur Gesunderhaltung, sondern auch der Begegnung. Der Seniorenbeirat hat alle Hände voll zu tun. Im generellen Bestreben um Barrierefreiheit sei es gelungen, auf dem Deichvorgelände einen glatten Asphaltstreifen durchzusetzen. Was von den Senioren gut gemeint war, wurde von der Stadt nicht gut umgesetzt. Fahrende und stehende Fahrräder stellen sich Rollstühle und Rollatoren in den Weg. „Da bleiben wir dran“, verspricht Brigitte Neumann.
Seniorenbeirat will „nette Toilette“
Waltraud Becker verriet, dass man die Verwaltung von der „netten Toilette“ überzeugen möchte. Bei dem Projekt geht es darum, dass Gastronomen ihre Toiletten zur Verfügung stellen. Dafür bekommen sie von der Stadt eine monatliche Entschädigung. „Das ist günstiger, als die Unterhaltung und ständige Reparatur der öffentlichen Toiletten“, ist der Seniorenbeirat sicher. Gleich neben den Senioren hatte die Jugend Stellung bezogen. Das Kinder- und Jugendbüro und ein Vertreter des Jugendbeirats warben für das neue Projekt „up2date.neuwied“. Auf dieser Seite findet der Nachwuchs alle Kurse, Trainings, Gruppenstunden, Treffs, Hilfen und vieles mehr. Äußerst zufrieden ist Projektleiter Stefan Caratiola mit der Rückmeldung von Angeboten etwa aus den Sportvereinen. Diese können sich auf der Plattform, die speziell auf soziale Medien zugeschnitten ist, präsentieren und ihren Auftritt laufend aktualisieren. Das sei einfacher, als aufwendig eine eigene Internet-Seite zu betreiben. „up2date.neuwied“ wird ein lebendiges Portal“, verspricht Stefan Caratiola. Die enge Zusammenarbeit mit den Vereinen hatte sich Bürgermeister Peter Jung bei Amtsantritt auf die Fahnen geschrieben. Allein könne die Verwaltung die gesellschaftlich-sozialen Herausforderungen nicht meistern. Aktuell arbeitet sein Büro an einem „online Sporthallen Belegungsplan“. Der soll zukünftig helfen, Bedarfe und Kapazitäten besser und transparenter aufeinander abzustimmen.
Aufgrund von Corona fand nach zwei Jahren wieder eine Einwohnerversammlung statt. Jutta Günther von der VHS kann Corona noch nicht abhaken. Die Leiterin der Bildungseinrichtung stellt nur eine zögerliche Rückkehr der Kursteilnehmer fest. Dagegen boomen die Sprachkurse. Durch die Geflüchteten aus der Ukraine laufen derzeit 15 Kurse, inklusive Kinderbetreuung für die Teilnehmer. So viele wie zuletzt auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle aus Syrien.
FF
Der Beigeordnete Ralf Seemann, OB Jan Einig und BM Peter Jung standen den Bürgern für Fragen zur Verfügung.
) Traditionell nimmt die Neuwieder Polizei an der Einwohnerversammlung teil.
