Der Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses Dr. Norbert Röttgen referierte in Kurtscheid
„Weltereignisse betreffen auch uns“
Wahlkampfauftakt der Kreis CDU mit Vorstellung des Rengsdorfer Bürgermeisterkandidaten
Kurtscheid. „Wenn Giftgas in Syrien eingesetzt wird, betrifft das auch uns in Kurtscheid und im Kreis Neuwied durch mehr Flüchtlinge. Die kommunale Situation ist nicht mehr trennbar, weil um uns herum die Grenzen verschwimmen. So wird es wichtig, in unseren Orten eine Heimat zu haben und zu Hause sein können“, sagte Dr. Norbert Röttgen in der Kurtscheider Wiedhöhenhalle.
Den Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses und ehemaligen Bundesumweltminister hatte der CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel zur Eröffnung des CDU-Bundestagswahlkampfs eingeladen. Etwa 100 Bürger hörten die interessante und informative Rede des Politikers und waren erstaunt und betroffen von weltpolitischen Dingen, die so kaum bekannt sind.
Zuvor hatte Viktor Schicker, frisch gewählter Vorsitzender des neuen CDU-Gemeindeverbands Rengsdorf-Waldbreitbach, die Podiumsteilnehmer begrüßt. Das waren unter anderem der ehemalige MdB Werner Wittlich, Ex-Staatsminister Heinz Schwarz, Kreisbeigeordneter Achim Hallerbach, Ortsverbandsvorsitzender Heinz Ewenz sowie die CDU-Kandidaten für die VG-Bürgermeisterwahlen in Asbach Michael Christ und Rengsdorf-Waldbreitbach Christian Robenek. Der 58-Jährige stellte sich kurz vor und verwies auf seine Erfahrungen als Kriminalbeamter und Ortsbürgermeister von Rengsdorf seit drei Jahren.
„Die neue Verbandsgemeinde Rengsdorf-Waldbreitbach gehört mit 26.000 Einwohnern zu den größten in Rheinland-Pfalz. Beide Verbandsgemeinden sind sehr unterschiedlich und ich möchte sie zusammenführen, indem Gemeinsamkeiten im Tourismus oder anderen Sektion vertieft werden“, kündigte Robenek an. Kurtscheid, die auf 400 Meter höchstgelegene Gemeinde im Kreis Neuwied, gehörte früher zum Amt Neuerburg und dann zu Rengsdorf. „Innere Sicherheit fängt vor der Haustüre an, da ist die Polizeiinspektion in Straßenhaus, wo ich einige Jahre war und die Unterbesetzung spürte“, führte Robenek aus.
Dr. Norbert Röttgen setzte einen fiktiven Reisenden ein, der auf der Welt von Ost nach West unterwegs ist und sich dort die Situationen anschaut. „Die Welt ist in einer schwierigen Lage, ich habe keine Lösung, aber man muss sich damit beschäftigen, um in eine Verantwortung zu wachsen“, meinte der Redner.
„Ein neues Kapitel in der Nachkriegsgeschichte“
So was wie die Anexion der Krim durch Russland im März 2014 habe es im gesamten Kalten Krieg nicht gegeben: „Es ist ein neues Kapitel in der Nachkriegsgeschichte, denn der ewige Friede in Europa seit 25 Jahren ist jetzt beendet“, beklagte Dr. Röttgen.
Grund dafür sei die Entschlossenheit Putins an der Macht zu bleiben, obwohl er keine Perspektive für das Land habe: „Die Bevölkerung will so leben wie im Westen und das ist die Bedrohung der eigenen Macht. Außenpolitisch schrumpft Russlands Macht und innenpolitisch auch. Das einzige, wo Russland wettbewerbsfähig ist, ist das Militär, durch das sich ein russischer Stolz entwickelte“, meint der Ausschussvorsitzende, ist aber überrascht, dass trotz Repressalien 80.000 Bürger auf Straße gegangen sind.
Bei Erdogan in der Türkei käme ein Machtverlust nicht vor, da es weder faire Wahlen noch Opposition und freie Presse gebe. „Wenn man sich für Erdogan entscheidet, dann ist in Europa für die Türkei die Türe zu“, ist sich Dr. Norbert Röttgen sicher.
Was die Welt von der US-Regierung zu erwarten hat, wisse die wohl selbst nicht, glaubt der Redner. „Trump verspricht, es wird so schön wie früher, wird es aber nicht, es ist eine dumme Lüge“, führte der Redner aus. In den USA heiße es nur noch entweder Milliardär oder Militär.
Europa sei in seiner schlechtesten Verfassung seiner Geschichte, Deutschland in bester Verfassung. „Egoismus ist die europäische Krankheit und übersteigert den Nationalismus. Für den Westen – für mich sind das alle die, die westliche Werte haben, also auch Japan und die USA – ist Geschlossenheit wichtig. Die Europäer müssen erwachsen werden und können ihre Sicherheit nicht an die USA aussourcen. Bei der Sicherheit sind die Europäer Schwarzfahrer, sie fahren mit aber bezahlen nicht“, beklagt Dr. Norbert Röttgen und hofft, dass Europa wieder funktioniert. Er kritisierte die Links- und Rechtspopolisten, die mit den Ängsten der Menschen Geschäfte machten. Röttgen blickte auch zurück auf Finanzkrise und Flüchtlingsproblem: „Bei allem Verrückten sollten wir ein Ort des Anstands und der Vernunft sein“, forderte er abschließend.
Dr. Norbert Röttgen beantwortete dann einige Fragen der Bürger u.a. zu Griechenland, Brexit, Russland und Nato-Osterweiterung. Zum Ende der Veranstaltung mahnte er eindringlich: „Geht zur Wahl, damit nicht alles kaputt gemacht wird, was in zig Jahren aufgebaut wurde.“ HEP
