Yellowtown-Siedlung: Investor ist über den mehrheitlich gefassten Stadtratsbeschluss irritiert
„Wir möchten investieren und nicht prozessieren“
Mendig. Die Wohnraumnot bzw. die daraus resultierenden Mieten sind ein Problem, deren Lösung sich alle Parteien auf ihre Fahnen geschrieben haben. In Zeiten knapper Kassen und der Frage, wie die coronabedingten Mehrausgaben finanziert werden, steht eines fest: Die öffentliche Hand kann das Problem nicht allein lösen.
Privaten Investoren kommt somit eine zunehmende Bedeutung zu. Langjährige Erfahrung im Bereich der Projektentwicklung und des sozialen Wohnungsbaus besitzt die Unternehmensgruppe Knaf. Diese möchte in der Stadt Mendig einen zweistelligen Millionenbetrag in die Hand nehmen, um die als „Yellowtown“ bekannte ehemalige Soldatensiedlung zu sanieren. Derzeit bietet diese einen trostlosen Anblick.
Eine optische und vor allem auch energetische Aufwertung ist dringend notwendig. Der Bereich umfasst aktuell 70 Wohnungen, die teilweise schon seit vielen Jahren leer stehen. Nach dem Willen des Investors sollen die Gebäude in ihrer Kubatur weitgehend erhalten bleiben. Verschiedene Gebäude sollen ein zusätzliches modernes Staffelgeschoss erhalten. Diese führen zu einer geringeren Gesamthöhe als bei einem traditionellen Satteldach.
Für vier Wohnblöcke hat der Investor bereits Bauvoranfragen eingereicht, die eine Aufstockung von zwei auf drei Vollgeschosse und den Einbau von zusätzlichen Aufzügen vorsehen. Der Mendiger Stadtrat versagte hierfür jedoch sein Einvernehmen.
Wie die Kreisverwaltung als zuständige Baugenehmigungsbehörde feststellte, geschah dies rechtswidrig. Sie ersetzte daher das gemeindliche Einvernehmen, so dass Mitte Februar ein positives Bauvorbescheid erteilt wurde.
„Völlige Überraschung“
Der Investor reichte in der Zwischenzeit weitere Bauvoranfragen ein. Zu seiner völligen Überraschung wurde er nun regelrecht ausgebremst: In seiner jüngsten Sitzung hat der Rat die Aufstellung eines Bebauungsplanes und den Erlass von Veränderungssperren beschlossen. Der Investor erfuhr von diesen Entscheidungen aus der Zeitung. „Wir sind mehr als irritiert über diese Abfolge. Niemand hat mit uns hierüber vorher gesprochen“, so Erland Knaf. Ginge es nach ihm, würde das Projekt zeitnah umgesetzt und somit auch der Wohnungsmarkt entlastet. Dass bis zum Abschluss eines Bebauungsplanverfahren zwei Jahre Zeit und mehr vergehen können, ist allgemein bekannt. Entsprechend enttäuscht ist der Investor, der selbstverständlich davon ausgeht, dass seine eingereichten Unterlagen genehmigungsfähig sind.
Die von einigen Ratsmitgliedern genannten Gründe für das Erfordernis eines Bebauungsplanes sind für ihn nicht nachvollziehbar. So wurde beispielsweise in der Sitzung die Stellplatzsituation thematisiert. Aus den eingereichten Bauvoranfragen gehe jedoch eindeutig hervor, dass die gesetzliche Stellplatzpflicht selbstverständlich erfüllt wird. „Mir stellt sich die Frage, ob die Ratsmitglieder diese Unterlagen überhaupt kennen“, so Erland Knaf.
Die Beschlussfassung war nicht einstimmig: Nicht alle Stadtratsmitglieder sahen die Notwendigkeit, für das Gebiet einen Bebauungsplan aufzustellen. Durch den mehrheitlich gefassten Beschluss steht jedoch fest: Die Realisierung des Projekts wird sich nicht nur verzögern, sie steht schlimmstenfalls komplett in Frage. „Das ist nicht nur für uns ärgerlich, sondern auch für die Wohnungssuchenden. Barrierefreie Wohnungen werden doch überall händeringend gesucht“, so Erland Knaf. Er betont, dass man in Mendig sogar alle Wohnungen barrierefrei realisieren möchten, obwohl man hierzu nur bei einem geringen Teil gesetzlich verpflichtet sei.
„Bereit für einen sachbezogenen Dialog“
Natürlich hat der Investor die aktuelle Situation mit seinem rechtlichen Berater ausführlich erörtert. Er zeigt sich jedoch optimistisch. Dies auch mit Rückblick auf die rechtswidrige Versagung des Einvernehmens bei der zwischenzeitlich positiv beschiedenen Bauvoranfrage durch die Kreisverwaltung Mayen-Koblenz. Doch auch seitens des rechtlichen Beraters wurde bereits signalisiert, dass man anstelle des Weges zum Verwaltungsgericht lieber den Weg ins Rathaus bevorzuge. „Wir möchten zeitnah investieren und nicht prozessieren. Für einen sachbezogenen Dialog sind wir jederzeit bereit“, so der Investor, der nun auf eine zeitnahe Kontaktaufnahme durch die kommunale Seite hofft.
Pressemitteilung
der Unternehmensgruppe Knaf
