ver.di machte die Stadt Mayen zur Streikhochburg
„Wir stehen heute hier, um ein Zeichen zu setzen …“
Mayen. Weil das in der 2. Verhandlungsrunde vorgelegte Verhandlungsangebot der Arbeitgeber der mehr als 2,1 Mio. Beschäftigten des öffentlichen Dienstes aus Sicht der Gewerkschaften als „ein Akt bodenloser Dreistigkeit“ empfunden wurde, kam es im Vorfeld der für den 28. April vereinbarten 3. Verhandlungsrunde bundesweit zu massiven Streiks. Nur eine Gewerkschaft, die zeigt, dass sie auch wirklich streiken kann, wenn sie nur will, kann etwas durchsetzen. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft „ver.di“ hatte im Bezirk Koblenz ihre Mitglieder aufgefordert, diese bundesweiten Warnstreiks in Mayen zu unterstützen und die Stadt an diesem Tag zur Streikhochburg zu machen.
Erwartet hatte die Streikleitung 750 Streikende aus allen Bereichen des öffentlichen Dienstes im Zuständigkeitsbereich, nach Angaben der Polizei waren es über 800. Zu einem Demonstrationsmarsch hatte man sich am Schützenplatz formiert, um über die Bachstraße, der Marktstraße vorbei am Rathaus als Sitz eines hiesigen Arbeitgebers zum Marktplatz zu marschieren, auf dem eine abschließende Kundgebung stattfand.
In der Tarifrunde sind von ver.di als wesentliche Punkte Lohnerhöhungen von 6 % gefordert worden, die Erhöhung der Entgelte für Auszubildende und Praktikanten um 100 Euro sowie deren unbefristeter Übernahme nach erfolgter Prüfung. Weiterhin sollen Eingriffe in das Leistungsrecht der Zusatzversorgung verhindert werden. Städte und Gemeinden haben 2015 dank der guten Konjunktur und trotz des Flüchtlingszustromes Überschüsse in Höhe mehrerer Milliarden gemacht. Die Gewerkschaft befindet daher, es sei genügend Geld für ihre For-derungen vorhanden.
Auf dem Mayener Marktplatz wurden die Streikenden von Marion Paul als Geschäftsführerin ver.di Koblenz begrüßt und von Herbert Keifenheim, der von ver.di als Vorsitzender des Fachbereichs Gemeinden einen wesentlichen Teil der Organisation des Warnstreiks übernommen hatte. Die noch frostigen Temperaturen des Tages wolle man den Verhandlungsführern der Arbeitgeberverbände in Potsdam mit auf den Weg geben rief Herbert Keifenheim unter lautstarken Beifallsbekundungen den Streikenden zu.
Im Folgenden wurden die Forderungen zur Tarifrunde erneut vorgetragen und jeweils näher erläutert. Mit Schmährufen wurde die just aufgekommene Forderung von Bundesfinanzminister Schäuble bedacht, das Renteneintrittsalter schrittweise auf 70 Jahre zu erhöhen.
Die Spitzen von Gewerkschaften und Arbeitgebern haben sich inzwischen in Potsdam verständigt und einen neuen Tarifvertrag geschlossen. Danach sollen die Gehälter in diesem Jahr rückwirkend zum 1. März um 2,4 Prozent und in einem weiteren Schritt zum 1. Februar 2017 noch mal um 2,35 Prozent steigen. Beide Seiten verständigten sich auch auf eine neue Entgeltordnung für die Kommunalbeschäftigten. In dieser soll geregelt werden, mit welchen Tätigkeiten und Qualifikationen ein Beschäftigter, in welche Entgeltgruppe eingeordnet wird. Auch dies war eine langjährige Forderung der Gewerkschaft, der sich die Arbeitgeber immer wieder entzogen hatten. WE
Der Weg der Demonstrierenden führte für viele auch bei ihrem Arbeitgeber - im Mayener Rathaus - vorbei.
