„Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser“ und viele betroffene Anwohner in Mendig fordern:
„Wir wollen keine Worte mehr hören, sondern Taten sehen!“
VG-Bürgermeister Lempertz: Die Verbandsgemeinde Mendig hat die notwendigen Schritte eingeleitet! Am 7. Juni kamen auch schon gute Nachrichten aus Mainz: Ein örtliches Hochwasserschutzkonzept kann erstellt werden
Mendig. Nachdem die Anwohner der Obermendiger Straßen „Im Hostert“ und Laacher Straße am Pfingstsamstag wieder einmal die Leidtragenden waren, als der Kellbach über die Ufer trat und in Windeseile ihre Gärten und Keller überflutete, können sie inzwischen wieder ein wenig aufatmen, da laut Wetterprognosen für die Region bisweilen keine größeren Unwetter in Sicht sind.
„Für uns bedeutet dies allerdings nicht, dass wir nun die Hände in den Schoß legen können, denn seit drei Jahren lautet unsere Devise: Nach dem Hochwasser, ist vor dem Hochwasser“, so einige von dem Hochwasser extrem betroffene Anwohner gegenüber „Blick aktuell“. „Wir wollen keine Worte mehr hören, sondern sind der Meinung, dass wir es nun endlich verdient haben, dass den Worten der hiesigen Politik endlich auch Taten folgen“, so die Anwohner unisono.
Nachdem Volker Kepernick aus Obermendig am Samstagnachmittag feststellte, dass der Kellbach sich an einer besonders gefährdeten Stelle bereits zwei Zentimeter vor dem Überlaufen befand, reagierte er geistesgegenwärtig und informierte sofort die Feuerwehr. Diese rückte nach kurzer Zeit mit entsprechender Ausrüstung an, zu der u.a. auch zahlreiche gefüllte Sandsäcke zählten, sie sich als besonders hilfreich erwiesen. Nachdem die Wehrleute sich davon überzeugten, dass es zu einer Überflutung kommen würde, forderten sie Verstärkung an, sodass nach relativ kurzer Zeit insgesamt ca. 70 Wehrleute vor Ort waren, deren Einsatz von Wehrleiter Stephan Schüller koordiniert wurde.
Zu Spitzenzeiten 12 Pumpen im Einsatz
Auf Anfrage von „Blick aktuell“ sagte Wehrleiter Stephan Schüller am Dienstag, dem 06. Juni: „Zu Spitzenzeiten hatten wir 12 Pumpen im Einsatz, von denen es sich bei vier Pumpen um die vor drei Wochen gelieferten neuen Hochwasserpumpen handelte, von denen es inzwischen insgesamt fünf Stück gibt. Deshalb brauchten wir nicht auf die von der Berufsfeuerwehr Koblenz, die ebenfalls vor Ort war, bereitgestellten Pumpen zurückzugreifen. Nachdem aufgrund des Intensiveinsatzes der Wasserstand gegen 21.00 Uhr auf ein erträgliches Maß zurückgegangen war, haben wir um 22.15 Uhr das Pumpen eingestellt. Einige wenige Pumpen, die wir aus Sicherheitsgründen vor Ort belassen hatten, können heute zurückgebaut werden.“
Auf die Frage von „Blick aktuell“: „Was wird die VG tun, damit die Obermendiger Bürger in Zukunft von einem Desaster, wie am Pfingstwochenende geschehen, verschont bleiben?“ antwortete der oberste Chef der Feuerwehr der VG Mendig, VG-Bürgermeister Jörg Lempertz: „Starke Niederschläge führten zum Anstieg der Bach- und Flusspegel in der Eifel (beispielsweise in Mayen, Monreal, Mendig).
Hier in Mendig sogar innerhalb kurzer Zeit. Dank des guten Einsatzes der Feuerwehren unserer Verbandsgemeinde, die sich in den letzten Monaten auch perfekt auf die Herausforderungen bei Extremwetterlagen vorbereitet haben und der zusätzlichen Ausstattung, die die Verbandsgemeinde für die Wehren in 2017 angeschafft hat (zusätzliche Pumpen und neue Fahrzeuge), konnten die Folgen des Hochwassers so gut wie möglich bekämpft werden.
Während in unserer unmittelbaren Nachbarschaft Straßenzüge und Häuser unter Wasser standen, wurden bei uns knapp zwanzig Gärten in unmittelbarer Bachnähe überspült. Das ist schlimm für die Betroffenen, ohne wenn und aber.
Wie überall auf der Welt rufen die Betroffenen nach Lösungen, was absolut verständlich ist. Verlässliche Lösungen, die sehr umfangreiche ingenieurtechnische Untersuchungen erforderlich machen, sind die zielsicherste Möglichkeit, gangbare Wege zu finden, um Anrainern zu helfen.
Die Verbandsgemeindeverwaltung Mendig ist bereits seit dem Hochwasser 2016 intensivst mit der Thematik befasst und hat einen Zuschuss für die Erstellung eines örtlichen Hochwasserschutzkonzeptes beim Land Rheinlang-Pfalz beantragt. Mit Schreiben vom 07. Juni 2017 hat das zuständige Ministerium dem beantragten vorzeitigen Maßnahmenbeginn zugestimmt. Der Auftrag konnte damit auch zwischenzeitlich an das Ingenieurbüro Dr. Siekmann u. Partner erteilt werden.
Ziel des Hochwasserschutzkonzeptes ist es, die Anwohner an den kritischen Stellen zu informieren, zu sensibilisieren und zu beraten. Weiterhin sollen im Konzept, gemeinsam unter Beteiligung der Anlieger, technische Maßnahmen des Hochwasserschutzes dargestellt und bewertet und sinnvolle Maßnahmen schlussendlich umgesetzt werden.
Ergänzend zu den beantragten Hilfen beim Land Rheinland-Pfalz hat die Verbandsgemeindeverwaltung zwischenzeitlich mehrere Maßnahmen umgesetzt, die zu einer Entlastung führen sollen. Beispielsweise wurde das Stauwehr am Obermendiger Weiher erhöht und der Bachlauf im Bereich der Mühlenstraße renaturiert. Derzeit werden bauliche Maßnahmen im unteren Bereich des Gänsehalses geplant, die Oberflächenwasser vom Gänsehals kommend, bereits vor der Ortslage Bell abfangen sollen, um letztendlich damit auch die Gewässer in der Ortslage Mendig zu entlasten.
Das Hochwasserschutzkonzept wird uns helfen, seriöse Antworten zu finden, auf deren Basis konkrete Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden können.
Das Konzept wird die Basis einer gemeinsamen Erörterung mit den Bürgern/Anliegern sein, da wirksamer Hochwasserschutz nur gelingen kann, wenn alle mitmachen. Es wird in allen Diskussionen über den Hochwasserschutz vergessen, dass Hochwasserschutz eine Gemeinschaftsaufgabe ist.
Die Verbandsgemeinde Mendig hat die notwendigen Schritte eingeleitet und steht an der Seite der Bürgerinnen und Bürger. Wir sind bestrebt, so schnell wie möglich und so fachlich fundiert wie nötig wirksame Lösungen zu finden.“
FRE
Die Freiwillige Feuerwehren aus Mendig, Thür, Bell und Volkesfeld versuchten, mithilfe zahlreicher Pumpen und Sandsäcken der Wassermassen Herr zu werden. Auch Beigeordneter Erich Schlich machte sich ein Bild von der Lage.
Obwohl die Freiwilligen Feuerwehren aus Mendig, Thür, Bell und Volkesfeld schnell vor Ort waren, bahnte das in den Gärten stehende Wasser sich bereits einen Weg in einige Keller und Garagen der Wohnhäuser.
