Lokale Wirtschaft stärken
Wirtschaftsdialog mit Michael Ebling: Lokale Unternehmen stärken, Zukunft vor Ort gestalten
aus Linz am Rhein
SPD Unkel & Bruchhausen diskutiert mit dem rheinland-pfälzischen Wirtschaftsminister über Unternehmensnachfolge, Bürokratieabbau, Digitalisierung und regionale Entwicklung
Erpel. Wie kann die lokale Wirtschaft gestärkt werden, damit die Menschen gerne in der Verbandsgemeinde Unkel leben und sich das Leben vor Ort auch künftig finanzieren lässt? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Wirtschaftsdialogs, zu dem der SPD-Ortsverein Unkel & Bruchhausen am 14. Oktober in den Bürgersaal Erpel eingeladen hatte. Als Gesprächspartner konnte die Ortsvereinsvorsitzende und Bürgermeisterkandidatin der SPD für die Verbandsgemeinde Unkel, Nicole Hahn, Michael Ebling begrüßen, der als Wirtschaftsminister des Landes Rheinland-Pfalz zu Gast war.
Mit dabei waren die örtlichen Unternehmer Yilmaz Bebek, Inhaber des Telekommunikationsgeschäfts Giga Mobile in Unkel, und Ralph Steger, Gründer des Dorfladens Erpel, sowie Udo Gramenz, parteiloser Bürgermeisterkandidat für die Ortsgemeinde Erpel.
Eine starke lokale Wirtschaft als Grundlage für Lebensqualität
Nicole Hahn stellte ihre Vorstellungen für eine künftige Wirtschaftsinitiative in der Verbandsgemeinde Unkel vor. Ihr Ziel sei es, die Lebensqualität vor Ort zu sichern und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass das Leben für die Menschen bezahlbar bleibe. Dafür brauche es eine funktionierende lokale Wirtschaft, die sich an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientiere und attraktive Angebote in den Ortskernen schaffe.
Udo Gramenz, der die Initiative im Falle seiner Wahl zum Ortsbürgermeister unterstützen möchte, unterstrich die Bedeutung wirtschaftlicher Entwicklung für die kommunalen Finanzen. Als neues Mitglied des Erpeler Gemeinderats habe er sich intensiv mit dem Gemeindehaushalt beschäftigt und dabei festgestellt, dass es Möglichkeiten gebe, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Gemeinde zu verbessern. Jede zusätzliche wirtschaftliche Aktivität könne dazu beitragen, die Einnahmesituation zu stärken und Handlungsspielräume für die Zukunft zu schaffen.
Michael Ebling teilte diese Einschätzung: Wo Unternehmen entstehen und wachsen, entstünden Chancen für die Menschen. Es sei deshalb auch ein sozialdemokratischer Auftrag, Unternehmensgründungen zu fördern, zu erhalten und Unternehmen in ihrer Entwicklung zu unterstützen.
Unternehmensnachfolge, Gründungen und weniger Bürokratie
Einen Schwerpunkt legte Ebling auf die Frage, wie kleine und mittlere Unternehmen bei der Übergabe von einer Generation an die nächste unterstützt werden können. Wenn geeignete Nachfolger fehlten, drohten gewachsene Betriebe und wertvolle Arbeitsplätze verloren zu gehen. Hier gelte es, rechtzeitig Lösungen zu entwickeln.
Auch eine Standortgesellschaft könnte dazu beitragen, neue Unternehmen anzusiedeln und bestehende Betriebe bei ihrem nachhaltigen Wachstum zu unterstützen. Ein weiterer wichtiger Hebel sei der Bürokratieabbau. Unternehmen müssten von unnötigen behördlichen Belastungen entlastet werden, damit mehr Zeit und Ressourcen für ihre eigentliche wirtschaftliche Tätigkeit blieben. Wo möglich, sollten landesrechtliche Berichtspflichten auf ein Minimum reduziert werden.
Darüber hinaus sprach sich Ebling dafür aus, Innovationen und Unternehmensgründungen gezielt zu fördern, regionale Netzwerke auszubauen und den Handel als wichtigen Bestandteil lebendiger Ortskerne zu stärken. Auch der Zugang zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt müsse für alle Menschen möglichst einfach und transparent gestaltet werden.
Bei Herausforderungen wie dem Ausbau der Energie- und Telekommunikationsnetze oder den Energiekosten seien allerdings auch überregionale Lösungen gefragt. Hier müsse das Land gemeinsam mit dem Bund die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Wie wichtig wirtschaftliches Wachstum für die öffentlichen Finanzen ist, verdeutlichte Ebling mit dem Hinweis, dass bereits ein Prozent Wirtschaftswachstum in Deutschland zusätzliche Steuereinnahmen in Milliardenhöhe ermöglichen könne.
Giga Mobile und der Dorfladen Erpel: Unternehmergeist vor Ort
Wie viel Engagement hinter erfolgreichen lokalen Unternehmen steckt, zeigten die Erfahrungsberichte von Yilmaz Bebek und Ralph Steger.
Yilmaz Bebek betreibt Giga Mobile in Unkel seit zehn Jahren als Einzelhandelsgeschäft. Seit sechs Jahren bildet er junge Menschen aus; aktuell beschäftigt er eine Auszubildende im ersten Lehrjahr. Er berichtete von den Herausforderungen, die bereits bei der Gewerbeanmeldung beginnen und sich bei der Ausbildung junger Menschen fortsetzen. Jugendliche wüchsen heute mit Internet und künstlicher Intelligenz auf und hätten für viele Fragen vermeintlich sofort eine Lösung parat. Umso wichtiger sei es, bereits in der Schule einen realistischen Blick auf die Arbeitswelt und praktische Anforderungen zu vermitteln.
Ralph Steger schilderte den Weg zum Dorfladen Erpel, den er am 1. Oktober 2024 eröffnet hat. Bereits 2021 hatte er in seiner Freizeit ein Konzept für einen genossenschaftlich organisierten Dorfladen entwickelt. Die persönliche Verantwortung und negative Erfahrungen mit vergleichbaren Vorhaben in der Region ließen ihn zunächst jedoch Abstand von der Umsetzung nehmen.
Als sich nach rund 18 Monaten anderweitiger Nutzung erneut eine Gelegenheit ergab, nahm Steger all seinen Mut zusammen und wagte den Schritt – diesmal mit einem veränderten Konzept als Einzelunternehmen.
Heute ist der Dorfladen für ihn weit mehr als eine Einkommensquelle. Er beliefert nach Geschäftsschluss auch ältere Menschen in Erpel und hat sich zu einem Treffpunkt für Bürgerinnen und Bürger sowie Vereine entwickelt. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zur örtlichen Nahversorgung und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Was Kundinnen und Kunden im Alltag oft nicht sehen, ist der erhebliche Aufwand hinter einem solchen Geschäft: Logistik, Organisation und bürokratische Anforderungen verlangen viel Zeit und Einsatz. Ein regionales Netzwerk, in dem erfahrene Unternehmer ihre Kenntnisse und Erfahrungen an Gründungsinteressierte weitergeben, könnte deshalb einen wichtigen Beitrag leisten.
Leerstände nutzen und Ortskerne beleben
Nicole Hahn würdigte das Engagement beider Unternehmer. Sie sprach sich dafür aus, dem Handel in den Ortskernen wieder mehr Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen, statt leerstehende Geschäftsflächen grundsätzlich in Wohnraum umzuwandeln.
Kommunen könnten hier aktiv werden, indem sie Gewerbeleerstände nicht einfach hinnehmen, sondern deren Vermarktung unterstützen. Gründungslotsen und eine geeignete Standortgesellschaft könnten Interessierte begleiten, Hürden abbauen und dazu beitragen, neue Geschäfte und Dienstleistungen anzusiedeln.
Udo Gramenz erinnerte daran, dass viele Menschen gerade im Urlaub die lebendigen Ortskerne und die gute Nahversorgung in anderen Ländern schätzten. Zu Hause müsse man solche Angebote jedoch auch selbst nutzen, wenn sie dauerhaft erhalten bleiben sollten. Der lokale Handel sei nicht nur eine Frage der Versorgung, sondern auch ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens.
Aus dem Publikum wurden Beispiele aus Nordrhein-Westfalen genannt, in denen vergleichbare Konzepte dazu beigetragen hätten, zuvor wenig belebte Straßen und Ortskerne wieder attraktiver zu machen.
Glasfaserausbau: Digitale Infrastruktur als Standortfaktor
Ein weiterer Diskussionspunkt war die Breitbandversorgung in der Verbandsgemeinde Unkel. Das sogenannte Graue-Flecken-Programm habe bislang insbesondere Gebiete berücksichtigt, in denen die verfügbaren Datenraten unter 100 Mbit/s lagen. Bereiche mit DSL-Anschlüssen von bis zu 250 Mbit/s seien hingegen nicht berücksichtigt worden. Dadurch blieben auch potenzielle Gewerbestandorte ohne Glasfaseranschluss.
Yilmaz Bebek berichtete, dass seine Bemühungen, sein Unternehmen Giga Mobile in Unkel mit Glasfaser zu versorgen, bislang erfolglos geblieben seien. Obwohl zahlreiche Ortsgemeinden die erforderliche Beteiligungsquote von 33 Prozent für einen weiteren Ausbau durch die Deutsche Glasfaser erreicht hätten, sei der Ausbau vielerorts weiterhin nicht erfolgt.
Die Teilnehmenden sahen darin ein Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Nicole Hahn und ihre Mitstreiter machten deutlich, dass eine leistungsfähige digitale Infrastruktur sowohl für Unternehmen als auch für die Bevölkerung unverzichtbar sei.
Michael Ebling unterstrich die Bedeutung einer zuverlässigen digitalen Versorgung. Es gehe längst nicht mehr nur um Streamingdienste wie Netflix, Amazon oder Disney. Digitale Anwendungen seien inzwischen auch für grundlegende Bereiche der Daseinsvorsorge unverzichtbar – von der Energieversorgung bis hin zu weiteren wichtigen Dienstleistungen.
Windkraft und kommunale Einnahmen: Regionale Pläne brauchen Verlässlichkeit
Aus dem Publikum brachte Joachim Tombrink, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Verbandsgemeinderat Unkel, die Auswirkungen übergeordneter Planungen auf die kommunale Entwicklung zur Sprache.
Vier Ortsgemeinden hätten sich im Rahmen eines Solidarpakts auf eine gemeinsame Planung von Windkraftanlagen verständigt. Eine dafür vorgesehene Fläche sei jedoch im Zuge der übergeordneten Regionalplanung Mittelrhein-Westerwald vom Bundesverteidigungsministerium für Verteidigungszwecke beansprucht worden.
Nach den im Dialog vorgetragenen Angaben könnten den Ortsgemeinden dadurch Pachteinnahmen von rund 100.000 Euro je Windenergieanlage entgehen. Zugleich werde die geplante Erzeugung erneuerbarer Energie erschwert. Welche konkreten Verteidigungszwecke die betreffende Fläche im Bereich des Asbergs erfüllen solle, sei bislang nicht abschließend geklärt. Im Raum stehe ein möglicher Zusammenhang mit der Überwachung von Raketenstarts vom Wachtberg aus; eine konkrete Standortfestlegung oder Planung liege nach Darstellung im Gespräch jedoch noch nicht vor.
Joachim Tombrink betonte, dass solche Eingriffe nicht nur die kommunalen Einnahmemöglichkeiten, sondern auch die regionale wirtschaftliche Entwicklung und die geplante Energieversorgung beeinträchtigten. Die vorgesehene Windkraftplanung könne einen Beitrag zur Stromversorgung von rund 96.000 Menschen im nördlichen Rheinland-Pfalz leisten.
Gemeinsam mehr für die Region erreichen
Der Wirtschaftsdialog machte deutlich, dass die wirtschaftliche Zukunft der Verbandsgemeinde Unkel von vielen Faktoren abhängt: engagierten Unternehmerinnen und Unternehmern, einer verlässlichen Infrastruktur, weniger Bürokratie, funktionierenden Netzwerken und lebendigen Ortskernen.
Nicole Hahn betonte, dass es darum gehe, vorhandene Potenziale besser zu nutzen und neue Initiativen zu ermöglichen. Die Beispiele von Giga Mobile und dem Dorfladen Erpel zeigten, wie viel einzelne Unternehmer für die örtliche Gemeinschaft bewegen können – und wie wichtig es ist, ihnen dabei gute Rahmenbedingungen zu bieten. Hierfür will Sie als Verbandsbügermeisterin zukünftig eintreten.
Der SPD-Ortsverein Unkel & Bruchhausen dankt Michael Ebling, den beteiligten Unternehmern, Udo Gramenz und allen Gästen für den offenen und informativen Austausch. Weitere Veranstaltungen dieser Art sollen folgen.
Pressemitteilung der SPD-VG-Bürgermeisterkandidatin Nicole Hahn
Weitere Themen
Ralph Steger (1. von links), VG-Bürgermeisterkandidatin Nicole Hahn (2. von links), Michael Ebling, Staatsminister (3. von links), Udo Gramenz (2. von rechts) und Yilmaz Bebek (1. von rechts) Foto: Christof Hahn