Mit BürgerStiftungsPreis 2017 ausgezeichnetes Projekt „Wohnen für Hilfe“ kommt gut an
Zimmer zum Studieren gegen Hilfe bei der Gartenarbeit
Koblenz. Das Studierendenwerk und die Hochschule Koblenz bieten seit einem Jahr das Projekt „Wohnen für Hilfe“ an. Staatssekretär und Schirmherr David Langner und OB Joachim Hofmann-Göttig informierten sich zu Semesterbeginn bei den Kooperationspartnern über diese neue Wohnform. Acht bestehende Partnerschaftsverträge und sieben, die in Kürze abgeschlossen werden – das klingt zunächst nicht viel. Doch damit liegen die Kooperationspartner schon über dem Ziel, welches sie sich für das Ende des zweiten Jahres gesteckt hatten.
„Bei `Wohnen für Hilfe´ geht es ja nicht darum, kurzfristig preiswerten Raum an Studierende zu vermitteln, sondern längerfristige Wohnpartnerschaften herzustellen“, betonte bei dem Austausch Anne Dommershausen, welche das Projekt leitet und Ansprechpartnerin für Studierende und Wohnraumanbieter ist. Damit Topf und Deckel wirklich passen, nimmt sie sich viel Zeit, die Kandidaten kennenzulernen, Vorstellungen und Wünsche abzufragen. So konnte die Projektleiterin etwa eine Asien affine Familie mit einem Studenten aus Sri Lanka zusam-menbringen und eine motorisch eingeschränkte Dame mit großer Leidenschaft fürs Kochen mit einer Studentin mit gleichem Hobby. „Wohnen für Hilfe“ bedeutet, dass die Studierenden bis auf die Nebenkosten mietfrei wohnen, dafür aber maximal 25 Stunden pro helfen: Housekeeping, Kinderbetreuung, Botengänge und Einkäufe, Gartenarbeit. Gerade Senioren geht es oft auch um die Gesellschaft. „Wohnen für Hilfe“ richtet sich aber an alle Hilfesuchenden, auch Familien und Menschen mit Behinderung.
Die Hälfte der vermittelten Studierenden sind Deutsche, die andere Hälfte Ausländer unterschiedlicher Herkunft. Diese Quote ist bemerkenswert. Die Kanzlerin der Hochschule, Heidi Mikoteit-Olsen, und die Geschäftsführerin des Studierendenwerks, Gabriele Riedle-Müller, führen dies auf die Sensibilität und langjährige Erfahrung Dommershausen in der Arbeit mit ausländischen Studierenden zurück. „Wohnen für Hilfe“ gibt es bundesweit und läuft besonders in großen und teuren Universitätsstädten gut. Es ist nicht selbstverständlich, dass das Modell in einer kleineren Großstadt wie Koblenz funktioniert“, unterstrich Riedel-Müller. In Darmstadt sei „Wohnen für Hilfe“ beispielsweise völlig gescheitert.
Beeindruckt zeigte sich OB Hofmann-Göttig, der das Projekt nach eigenen Angaben erst kürzlich bei der Verleihung des „BürgerStiftungsPreis 2017“ bewusst wahrgenommen hat. „Da ist meiner Meinung noch viel Luft nach oben“, so der Stadtchef, der über eine Förderung durch seine JoHo-Schängel-Stiftung und auch ein Wohnraumangebot nachdenken will. „Hilfe bei der Gartenarbeit kann ich gut gebrauchen“, so der OB.
Überzeugt von dem Projekt ist auch David Langner. Als Staatssekretär im Sozialministerium mit der Zuständigkeit für Demografie hatte er 2016 bei einer Veranstaltung des Seniorenbeirats spontan die ihm angetragene Schirmherrschaft übernommen. „Neben Mehrgenerationenhäusern ist dies sicherlich eine der innovativsten Wohnformen. Ich bin froh, dass das Projekt in Koblenz dank kluger Planung gut anläuft. Dass es auch zur Integration ausländischer Mitbürger beiträgt, ist ein zusätzliches Plus.“
Pressemitteilung
des Büros David Langner,
