Lesermeinung zum Leserbrief von Herrn Beyer "Mehr auf pädagogische Fachkräfte hören"
Zur Gesamtschuldiskussion
Der Leserbrief von Herrn Beyer fordert in seiner Einseitigkeit Widerspruch geradezu heraus. Herr Beyer war jahrzehntelang Lehrer am Städtischen Gymnasium in Rheinbach und argumentiert ausschließlich aus gymnasialer Sicht, denn hier sitzt erklärtermaßen der Erzfeind der Gesamtschule. Auch wenn Herr Beyer eine Lanze für das dreigliedrige Schulsystem bricht und damit Realschule und Hauptschule in seine Ablehnung der Gesamtschule als ungefragte Helfer mit einbezieht.
Richtig ist, dass es in Rheinbach als ausgewiesener Schulstadt mit momentan noch drei Gymnasien, einer Realschule und einer Hauptschule sowie einer Förderschule sehr schwierig wird, eine Gesamtschule zu etablieren, aber das hat nichts mit einem strukturellen Nachteil der Gesamtschule zu tun. Die einzelne Meinung des Kollegen Sprenger ist ebenso ungeeignet, die Gesamtschule in ein schlechtes Licht zu rücken, wie positive Beispiele (z.B. die jahrzehntelange gute Arbeit der IGS in Bonn-Beuel) es vermögen, die Gesamtschule in strahlendem Glanz erscheinen zu lassen. Die Eltern von Grundschülerinnen und Grundschülern im ländlichen Raum sind jedenfalls sehr froh, dass die Landesregierung mit der Initiative für die Sekundarschule und die Gesamtschule ein verbessertes Übergangsangebot geschaffen hat. Sicherlich bedeutet das Konkurrenz, aber auch hier belebt Konkurrenz die Schulentwicklung.
Die Gemeinde Blankenheim/Nettersheim z.B. hat sich die Entscheidung für die Gesamtschule nicht leicht gemacht. Aber hier passt das Angebot in die Schullandschaft und der Erfolg einer neuen Schule, das wissen alle Fachleute, ist wesentlich vom Engagement der Lehrkräfte und der pädagogischen Verantwortung und dem Ideenreichtum der gesamten Schulgemeinschaft abhängig.
Pauschale Verurteilungen helfen da nicht weiter. Für die politischen Mandatsträger in Rheinbach kann ic h nur hoffen, dass sie nicht allein auf die von Herrn Beyer apostrophierten pädagogischen Fachleute angewiesen sind. Meine Berufserfahrungen stammen im übrigen aus langjähriger Unterrichtstätigkeit am Berufskolleg und auch hier herrscht wohlverstandene Konkurrenz zu Gymnasien und Gesamtschulen, aber in gegenseitigem Respekt und ehrlicher Wertschätzung für die Leistungen der jeweils anderen Schulformen. Im Hinblick auf Berufs- und Studienorientierung z.B. kann sich meines Erachtens manches Gymnasium an Gesamtschulen ein positives Beispiel nehmen.
Franz Foltz
Rheinbach
