Politik | 11.03.2014

Pfarrgemeinde St. Martin Rheinbach steht vor schwierigen Zeiten

Zwischen Pfarrern und Messdienern ist das Tischtuch wohl endgültig zerschnitten

Vorwürfe gegenüber den Messdiener ließen das Fass überlaufen, Moderationsgespräch blieb ergebnislos

In der katholischen Kirchengemeinde St. Martin in Rheinbach - hier die Pfarrkirche im Zentrum der Stadt - hängt der Haussegen schief zwischen Pfarrern und Messdienern.  -JOST-

Rheinbach. „Ich freue mich, dass Sie mich hier mit so offenen Armen aufgenommen haben, und hoffe darauf, dass wir künftig gemeinsam eine glückliche Zeit verbringen werden.“ Anlässlich seiner Amtseinführung im September 2012 war Pater Damian Hungs, Leitender Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Martin in Rheinbach, noch optimistisch und blickte zuversichtlich in die Zukunft. Damals hatten die Brüder vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem, besser bekannt als „Deutscher Orden“, gerade die Seelsorge über die Katholiken in Rheinbach von den Pallottinern übernommen. „Ich fühle mich hier schon Zuhause“, hatte der 39-jährige gelernte Bürokaufmann, Archivar und Theologe damals ergänzt - doch mittlerweile hängt der Haussegen allem Anschein nach gewaltig schief. Teile der Kirchengemeinde haben sich in den vergangenen Wochen mit zum Teil erheblichen Beschwerden über Hungs und seinen Ordensbruder Pater Clemens Maria Pieper an das Erzbistum in Köln gewandt. Insbesondere diejenigen Gruppen, die sich mit großem Engagement um die Gemeindearbeit mit Kindern kümmern, sehen sich in ihrer Arbeit behindert. So gab es massive Klagen über eine angeblich nicht vorhandene Wertschätzung der Arbeit der Laien. In Teilen der Rheinbacher Pfarrei herrscht mittlerweile sogar die Auffassung vor, dass es fast keine gemeinsame Basis mehr gebe. „In der Gemeinde wird zuerst Unfrieden gesät, und dann rufen die Pater zu einem Friedensgebet auf“ , zeigt ein regelmäßiger Kirchenbesucher sein Unverständnis. Da sei dann konsequenterweise kaum jemand hingegangen.

Den Ernst der Situation nicht erkannt

Beide Geistlichen seien allem Anschein nach nicht in der Lage, sich Konflikten zu stellen, und hätten den Ernst der Situation nicht erkannt, heißt es von gut informierten Personen. Das habe schon konkrete Auswirkungen auf die Beliebtheit der Gottesdienste. Langjährige Kirchgänger wollen beobachtet haben, dass die Messen in St. Martin immer schwächer besucht seien, die Gottesdienste der Pallottiner hingegen verzeichneten regen Zulauf. Das Zerwürfnis nahm wohl im Sommer des vergangenen Jahres seinen Anfang, als Pater Damian einem der Obermessdiener einen geharnischten Brief schrieb. Darin heißt es: „Wir müssen uns dringend über das Üben der Ministranten unterhalten. Ich habe mich bereits daran gewöhnt, dass ich trotz Messdiener den Altar nachbereiten muss. Heute waren zur Schützenmesse Vertreter aus allen deutschen Diözesen da und ich musste zur Kredenz schreiten, damit die Messdiener dem Diakon die Sachen bringen. Es war an Peinlichkeit nicht mehr zu übertreffen!!! Die Messdiener von Rheinbach haben sich, faktisch gesagt, bei aller Liebe nicht anders zu sagen, als komplette Idioten präsentiert (...). Nach dem heutigen Tag kann ich nur noch sagen, dass ich auf so etwas bestens verzichten kann. Sollte sich dies bis zum Ende des Jahres nicht geändert haben, werde ich alle Oberministranten aufgrund ihrer Unfähigkeit entlassen.“

Weitere Streitigkeiten und Vorwürfe

Seitdem habe es aber immer wieder Streitigkeiten und weitere Vorwürfe der „Unfähigkeit“ gegeben. Sämtliche Versuche, die Unstimmigkeiten in Gesprächen zwischen Obermessdienern und Priestern auszuräumen, seien ergebnislos verlaufen. Der Preis dafür, Jugendarbeit in der Pfarrei machen zu „dürfen“, sei sehr hoch gewesen, schüttelte mittlerweile ein bisheriger Aktivposten den Kopf. Einem Vater, dessen drei Kinder Messdiener sind, reichte es schließlich: Er verwaltete einige Jahre lang einen Messdiener-Dienstplan im Internet und half so den Nachwuchs-Katholiken, das Dienen zu koordinieren und zu organisieren. Doch „wegen der Entwicklung, die sich derzeit unter Pater Damian abzeichnet“, sah er sich nicht mehr in der Lage, der Pfarrgemeinde weiterhin zur Verfügung zu stehen. Das teilte er den Eltern der Messdiener in einem Brief mit. Daraufhin bat der Vorsitzenden des Pfarrgemeinderats, Paul Nelles, die Obermessdiener zu einem Gespräch. Doch als die drei Obermessdiener dort erschienen, sollen ihnen unangekündigt auch Pater Damian sowie zwei weitere Mitglieder des Pfarrgemeinderats-Vorstandes gegenübergesessen haben.

Vorwurf der üblen Nachrede

Angeblich wurde den Obermessdienern unter anderem der Vorwurf der üblen Nachrede gemacht, und am Ende soll Pater Damian von den Obermessdienern verlangt haben, sich von dem Brief zu distanzieren. Zwar gaben zwei der Obermessdiener zu, die eine oder andere Formulierung könne missverstanden werden, doch letztlich distanzierte sich niemand vom eigentlichen Inhalt des Briefes. Der älteste Obermessdiener wurde daraufhin seines Amtes enthoben und ihm die weitere Tätigkeit untersagt. Mehrere Eltern luden nach diesem Vorfall kurzfristig zu einem Informationsabend ein, zu dem mehr als 60 Gemeindemitglieder aller Altersstufen kamen. „Pater Damian musste einsehen, dass nicht nur ein kleines Grüppchen gegen ihn steht, wie er bisher wohl geglaubt hatte“, berichtete ein Teilnehmer. Nach Schilderung von Beteiligten wurde der Pfarrer im Verlaufe der Veranstaltung mehrfach aufgefordert, zu den Vorgängen Stellung zu nehmen. Doch Hungs habe sich nicht zu einer Stellungnahme oder gar zu einer Entschuldigung durchringen können.

Konflikte nicht mehr intern zu klären

Als Reaktion erklärten so gut wie alle Messdienerleiter und Hilfsleiter, dass sie unter diesen beiden Priestern nicht mehr als Messdiener an St. Martin zur Verfügung stehen wollten. Bei einem weiteren Treffen drückte dem Vernehmen nach auch ein großer Teil der Leiterrunde der umliegenden Dörfer sein Entsetzen über die Entwicklung aus. Die bisherigen Messdienerleiter der Pfarrei haben sich mittlerweile an den zuständigen Weihbischof Ansgar Puff im Erzbistum Köln mit der Bitte um Hilfe gewandt. Sie sähen keine Möglichkeit mehr, die Konflikte intern zu klären. Mittlerweile haben sich Gemeindemitglieder aus der Pfarrei St. Martin in Rheinbach mit Pfarrer Pater Damian Hungs und dem Kaplan Pater Clemens Pieper zu einem Gespräch bei Weihbischof Ansgar Puff getroffen. Am Gespräch waren ebenfalls der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge Personal, Pfarrer Stephan Weißkopf, der Geschäftsführer der Diözesanstelle Pastorale Begleitung und weitere Mitarbeiter aus dem erzbischöflichen Generalvikariat beteiligt. Als Ergebnis wurde festgehalten, dass in einem Zeitraum von drei bis vier Monaten weitere Gespräche geführt werden sollen. Für diesen Zeitraum wurde untereinander Vertraulichkeit vereinbart. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Paul Nelles wollte zu der ganzen Angelegenheit keine Stellungnahme abgeben.

Keine Hoffnung auf Besserung der Situation

Die Hoffnung, dass sich die Situation bessert, hält sich jedoch auch nach dem Moderationsgespräch in Köln in Grenzen. Dafür wird innerhalb der Kirchengemeinde bereits offen diskutiert, was nach der „Ära Pater Damian“ in Rheinbach kommen könnte. Angesichts des Priestermangels machen sich Rheinbacher Katholiken schweren Herzens sogar darauf gefasst, dass sie künftig vielleicht ganz ohne Seelsorger auskommen müssten. „Aber lieber keine als die“, meint ein verdientes Mitglied der Gemeinde.

In der katholischen Kirchengemeinde St. Martin in Rheinbach - hier die Pfarrkirche im Zentrum der Stadt - hängt der Haussegen schief zwischen Pfarrern und Messdienern. Foto: -JOST-

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