Ausstellung „Kreuze und christliche Symbole in Oberwinter, Birgel und Bandorf“ in Oberwinter
Das unruhige Leben der Kreuze
Im alten Rathaus zeigt Hans Atzler die Denkmale in Verbindung mit spannenden ortsgeschichtlichen Erkenntnissen
Oberwinter. „Jedes Kreuz hat seine eigene Geschichte“, machte Hans Metternich deutlich. Zudem wies der Vorsitzende des Rathausvereins auf eine gravierende Veränderung hin: „Früher waren sie prägende Elemente, heute ziehen sie dauernd um. So ist das Kreuz an der Rathauswand schon dreimal umgestellt worden“. Auch das Wissen um die Glaubenszeichen im öffentlichen Raum lichtet sich. Deshalb möchte Hans Atzler festhalten, was heute noch bekannt oder zu erfahren ist. Offensichtlich teilen viele dies Interesse, denn es wurde voll im alten Rathaus, wo seine Ausstellung „Kreuze und christliche Symbole in Oberwinter, Birgel und Bandorf“ eröffnete und Hans Metternich dem Vereinsmitglied für seine Nachforschungen Anerkennung aussprach. Sie gestalteten sich im Gebiet „außerordentlich schwierig“. Für acht Hochkreuze, meist aus dem 17. und 18. Jahrhundert, sind die speziellen Gründe der Aufstellung nicht überliefert. „Das ist das Übliche“, so Hans Atzler in seiner Einführung. Oft nahmen die Stifter ihr Geheimnis mit ins Grab. Allgemein aber gelte: „Die Menschen waren gottgläubig und auch ein bisschen abergläubig." Sie errichteten die Male „letztlich immer um Gott Ehre zu erweisen, um dadurch Schaden abzuwehren und Gutes zu erwirken."
Solch in Stein verewigte Frömmigkeit hatte ihren Preis. Das gefährliche Brechen, der Transport und die Bearbeitung, etwa von Trachyt vom Drachenfels oder Latit vom Stenzelberg, waren teuer. 15.000 bis 20.000 Euro würde ein Hochkreuz mit Korpus noch heute bei einem Remagener Steinmetz kosten, erfuhr der Referent. Trotz dünner Faktenlage brachte er unter Einbeziehung lokaler und regionaler Zeitumstände viele Verknüpfungen mit der Ortsgeschichte zutage. Das älteste der Kreuze von 1693 bei der Sankt Laurentius Kirche geht auf die Eheleute Hattingen zurück, Besitzer eines großen Steinbruchs am Birgeler Kopf. Es könnte zusammenhängen mit dem großen Unwetter am Johannistag des Jahres, bei dem es „zwölf Stunden ohne Unterbrechung geblitzt und gedonnert hat; man dachte die Welt gehe unter“.
Ein Kreuz im Zentrum der Spannungen
Dagegen stand das Basaltkreuz am Markt einst im Zentrum konfessioneller Spannungen. Es wurde laut Inschrift 1701 dank Spendensammlung durch Pastor Rinckelbach errichtet, und zwar ursprünglich vor dem Bürgerhaus, Vorgänger des Rathauses, wo die Evangelischen damals ihre Gottesdienste hielten. Beim Kurfürsten beschwerten sie sich über die Störungen durch die Gesänge, Litaneien und Böllerschüsse der Katholiken beim Kreuz. Rinckelbach kann übrigens ohnehin nicht als Friedenstifter gelten, hatte er doch den rechtmäßigen Oberwinterer Pfarrer vertrieben, um sein Amt zu „erben“. Eine Besonderheit ist das barocke „Helenenkreuz“ am Ellig, das den 11. November 1775 als Sterbetag der Eheleute Johan Gofers und Sibila Meuls angibt, dazu die Kaiserin Helena zeigt und benennt. Der Grund könnte Legenden sein, nach denen ihr Sohn Konstantin, welcher im Zeichen des Kreuzes vor Rom siegte, den Sieg in Sinzig davontrug sowie unter anderem dort und in Birgel Kirchen gestiftet haben soll.
Die Rathaus-Präsentation, zu der es eine Begleitpublikation gibt, bietet weitere spannende Einzelheiten, Fotos wechselnder Standorte, denn „heute führen Kreuze ein unruhiges Leben“, so Hans Metternich, Werkzeuge zur Steinbearbeitung und einige Kreuze. Sie ist geöffnet an den Wochenenden bis 19. und 20. September: samstags von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 11.30 bis 13 Uhr sowie 16 bis 18 Uhr.
Hans Atzler neben einem historischen Kreuz, das in Birgel geborgen wurde.
