Aus „Remagener Verse und Geschichten“ - selbst erlebt von Willi Ockenfels
„Die Bescherung“ - eine wahre Weihnachtsgeschichte
Man schrieb das Jahr 1964, da ich - halbwegs vorbereitet - der elterlichen Wohnung entwich. Die innere Stimme - auf die der Mensch bekanntlich möglichst eingehen sollte - riet mir drängend, es doch - dem Zug der Zeit folgend - einmal mit einem weiblichen Wesen meines Alters zu versuchen und mich so anderwärts unterzuordnen.
Trotz eines fragwürdigen Komplotts mit einem alten Gefährten aus unbeschwerten Fußballerzeiten, uns nicht vor dem 27. Lebensjahr in vermeintlich unsichere Frauenhände zu gegeben, wollte ich den Schritt in diese ungewisse Zukunft wagen, denn ich hatte die Zeit erfüllt.
Im Ehestand spürte ich nun allüberall die Verantwortung, zu der mich meine Frau liebevoll hin- und herleitete - und ich begann, über den Sinn des Lebens in seiner folgenden Mitte nachzudenken. Etliche Freunde hatten sich über die Jahre hinweg zugesellt; später nahte dann die Zeit, da „sie gebären sollte“. So folgten drei Mädchen - versteht sich -, um den statistischen Männerüberschuss ein wenig auszugleichen und der jungen Mutter beizustehen. Zu dieser Zeit versank ich zum zweiten Male in längere Grübeleien. Wenn ich mich nun recht erinnere, gab es doch auch eine größere Anzahl schöner Tage in unserem Verbund. Hernach flog die junge Sippschaft aus - und so vollendete sich der Kreis, den ich 1964 zu zeichnen begann.
Regelmäßig vollzog sich sodann die Familienzusammenführung am Tag der Arbeit - am Heiligen Abend - und ebenso regelmäßig versuchten drei Töchter mit den inzwischen zugehörigen Schwiegersöhnen, uns mit einer möglichst ausgefallenen Weihnachtsgabe zu überraschen. Dies gelang ihnen mehr oder weniger bis zu dem Tage, da wohl die Vorsehung ein gar merkwürdiges Spiel mit den Nächstverwandten trieb und sie sozusagen zu einer folgenschweren Entscheidung drängte. Es begann damit, dass es am Haustor stürmisch läutete - an diesem „Tag der Arbeit“. Inzwischen wetteiferte der von meiner irdischen Obrigkeit so recht prächtig geschmückte Christbaum mit den derzeit in Mode befindlichen Vorlagen in Gold und Glitzer - obschon er sich doch - nach alpenländischer Art - sehr viel anheimelnder und gemütlicher ‚anfühlte‘. Was nützt es auch dem - nach außen hin - Reichen, wenn er sozusagen in ‚Gold badet‘ und hernach, wenn er innerlich abtrocknet, doch wie ein scheinbar ganz normaler Mensch daherkommen muss ...
Nun: Die große ‚Riedel-Krippe‘ mit der hoch gelegenen Pitschenberg-Alm, mit Tränke, Lagerfeuer und allem möglichen Getier bis hin zum Hirtenhund und der wachsamen Eule wartete ungeduldig auf das Ereignis der Heiligen Nacht - wenn auch dem Gebirgssee noch das Wasser abging und der biblische Zimmermann mit seinen Nächsten durch Abwesenheit glänzte; sie fanden sich - traditionsgemäß und jeder überlieferten Wirklichkeit zum Trotz - erst zur Zeit der Bescherung ein. Also: Man begehrte energisch Einlass - wobei es zunächst blieb, nachdem die geöffnete Haustür nur den Blick auf ein wahrhaftes Gebirge aufgetürmter Pappkartons freigab. Dahinter wuselte es vernehmlich und in den verdächtigen Freudentönen eines gewissen quietschvergnügten Enkels: Familienzusammenführung!
Der zweite Vogelbeerschnaps bewirkte die schleichende Rückkehr in eine eigenartige Wirklichkeit, deren Sinn mir - noch - verborgen blieb. Zwar erhellte sich der Himmel dort, wo der Hauseingang zu vermuten war, doch nun verwandelte sich die Wohnstube unmerklich in eine Speditionslagerhalle. Losgelöst von einer - wie es schien - unbegreiflichen Wirklichkeit floh ich zunächst ein Stockwerk höher - und gab mich nun zum dritten Male tiefschürfenden Gedanken hin - nicht ohne späterhin, geplagt von katastrophenartigen Vorstellungen - ahnungsvoll wieder den Rückweg anzutreten. Inzwischen saß und hockte die gesamte Nachlassenschaft einschließlich des natürlich neugierigen Enkels zwischen und auf dem dekorativen Kistenstapel und nutzte so die letzte Sitzgelegenheit, der allseitig liebevoll umworbene kleine Nachwuchs aber malte unterdessen Runen in den Sand des Krippensees und gab außerdem der Szenerie ein völlig neues Gesicht; so hatten sich einige Schafe schon vor den himmlischen Ereignissen zur Ruhe begeben und die Gruppe der Heiligen Drei Könige einschließlich Kamel und Elefant befand sich bereits wieder auf dem Rückweg.
Unendlich zäh zog sich die Zeit bis zur Bescherung dahin und ungeduldige, auf jede mögliche Antwort vorbereitete Fragen zum Inhalt der noch dräuenden Pappkartonfracht blieben mit schelmischem Lächeln - das ich allerdings als boshaftes Grinsen verstand - noch immer unbeantwortet. Lediglich einen ‚vieldeutigen‘ Hinweis gab man mir zu Beginn der Christnachts-Bescherung, die wie gewohnt mit Glockengeläut und lieblichen weihnachtlichen Schallplatten-Weisen ihren Anfang nahm.
Einer der anwesenden Schwiegersöhne erwähnte - unnötigerweise nur beiläufig -, dass das soeben gehörte instrumentale „O Jesulein zart“ wohl nach der Bescherung wie die Posaunen von Jericho ertönen werde, was mir einen unheiligen Schauder über den Rücken rieseln ließ.
Gleichwohl reichte meine - heutzutage wohl bescheidene - Fantasie nicht aus, das Unheil der Heiligen Nacht zu erahnen, und quälende Gedanken begleiteten die Vorstellung von einem hinterhältigen Racheakt und einer weihnachtlichen Gabe, die sich wohl nie und nimmer - dezent - verbergen ließ. Mit einem Jubelschrei quittierte der Enkel das hinter einem Vorhang entdeckte große Feuerwehrauto, das auch richtig - und für meine Begriffe erschreckend weit - spritzte, wovon wir uns alle überzeugen lassen mussten; so verursachte es auch eine kleine, recht unbedeutende Flut im Krippensee, wenn auch das scheinbar frisch ergrünende Moos einige Feuchtigkeit speicherte, und selbst der Verkündigungsengel kostete irdisches Nass. Alsbald begann nun ein jeder, den festlichen Gabentisch zu plündern - nur ja die liebevoll bemalten Namensschildchen beachtend, um nicht gar ein Geschenk zu erhaschen, das einer anderen Spezies zugedacht war. Was nach alledem übrig blieb, war ein heilloses Durcheinander von Holzwolle, geknautschtem oder auch sorgfältig gefaltetem Geschenkpapier, Kästchen, Zierbändchen mit irgendwelchen Anhängern und Unmengen von Krimskrams zwischen kleinen, zappelnden Kinderbeinen um und um.
Ganz zuletzt - nachdem die Kerzen fast heruntergebrannt waren, wollte es die jugendliche Regie, dass nun - wohl voll innerer Anspannung - dem Pappkartonungetüm zu Leibe zu rücken sei, ein wie sich herausstellte mühseliges Unterfangen, dem ich am liebsten aus sicherer Entfernung - im Schutze eines köstlichen Glases Ahrrotwein - beigewohnt hätte, doch die allgegenwärtige Vorsehung trieb ein unerfindliches Spiel mit mir.
Was sich nun hinter und in all diesen störrischen Verpackungs-Hindernissen verbarg, das, liebe Freunde, ist nun wieder eine ganz andere Geschichte ...
Willi Ockenfels
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