Wilfried Schmickler analysierte die Weltlage in der Rheinhalle
Ein Feuerwerk punktgenauer Pointen
Remagen. Mit seinem neune Programm „Ich weiß es doch auch nicht“ gastierte der Kabarettist Wilfried Schmickler am vergangenen Freitag in der Remagener Rheinhalle und brannte ein Feuerwerk punktgenauer Pointen ab, häufig bitterböse und wütend und grimmig, aber der Titel brachte es denn auch auf den Punkt. Und so endete sein immer wiederkehrendes Lied „Ich weiß es doch auch nicht“ stets mit dem Hinweis „aber ich kümmer mich drum.“ Das ist schon fast wie der rheinische Konjunktiv, müsste mal jemand machen, in der Hoffnung das es damit auch gemacht sei. Aber der seit 15 Jahren zum Stammpersonal der WDR-Mitternachtspitzen gehörende Kabarettist ist auch gerade verzweifelt angesichts der allgemeinen politischen Wetterlage und der zahlreichen Analysen in den diversen Talkshows, wo Diplom-Hellseher die Welt erklären und Kaffeesatzleser, Wünschelrutengänger eine Expertenschar mit Pech und Schwafel darstellen, dies natürlich auch im führenden Meinungsmachermagazin dargestellt, dem Südoldenburger Tageblatt für Einzelhandelsökonomie. Und angesichts der Demografie und des Geredes über den Euro und die Renten empfiehlt er das Horten von Zahnersatz, Gehhilfen und Medikamenten, getreu dem Motto, die nächste Sparrunde der Krankenkassen kommt bestimmt und dies kann dann auch als Währung genommen werden.
Wilfried Schmickler knöpft sich die deutschen Politiker vor und vor seinen Spitzen ist keiner sicher, am meisten Hochachtung schimmert da noch vor der Kanzlerin durch, die all ihre vermeintlichen und tatsächlichen Widersacher kaltgestellt hat. Dabei wird Schmickler nie anmaßend, nur bissig und er holt das Publikum dort ab, wo es steht, denn nicht nur die Politiker bekommen ihr Fett weg. Da darf sich dann auch der eine oder andere Gelegenheitsquerulant gerne angesprochen fühlen, der seine Nachbarschaft mit Saugbläser, Vorschlaghammer und anderen Geräuschquellen aus dem Baumarkt gerne malträtiert, aber bei Kindern in der Nachbarschaft sofort wegen Lärmbelästigung vor Gericht zieht. Da kommt es gerade recht, wenn Wilfried Schmickler in seinem Programm praktische Lebenshilfe gibt, so rät er dem Publikum zivil zu bleiben, aber ungehorsam. Ferner fordert er dazu auf, das man doch mal seinen örtlichen MdB bitten soll, ihm den Rentenbescheid zu beglaubigen und bei der Kollekte dürfte es statt einer Münze auch mal ein Kondom sein.
Alle Bissigkeiten von Wilfried Schmickler vor 500 Zuschauern kamen dabei ohne Fäkalsprache oder irgendwelche Zoten aus, auch das vielleicht heute die wirkliche Unterscheidung zwischen einem Kabarettisten und einem Comedian. Bei diesem Künstler musste man sich auf einiges gefasst machen und stellenweise erinnert einen das Programm auch an eine Veranstaltung zum 1. Mai; allerdings nicht so bierernst. Und zu guter Letzt hatte Wilfried Schmickler dann doch noch etwas über die Kirche zu berichten, denn bei der letzten Inventur im Himmel wurde zwischen Gott und Petrus eine große Differenz zwischen Harfen und Wolken festgestellt. Die Lösung lag darin, dass man die Gelben Engel mit der Zählung beauftragt hatte.
Lang anhaltender Applaus war der Lohn für einen überaus kurzweiligen Abend und wer wollte, konnte sich am Ende noch ein Buch oder die aktuelle CD vom Künstler signieren lassen
