Eifelverein Remagen am Raketenkreuz in Wassenach
Ein Schutzmantel aus Beton
Remagen. Das Dorf Wassenach liegt nördlich vom Laacher See, doch abseits der viel befahrenen Straßen. Die Sehenswürdigkeiten des Ortes und seiner Umgebung lohnen aber einen Besuch. Auf ihrer Wanderung erfuhren die Remagener nicht nur, wie geschichtsträchtig der Ort selber ist, sondern sie besuchten auch eine Anzahl der bemerkenswerten Grab- und Wegekreuze, von denen es in der dortigen Gemarkung viele gibt. Im Ort fiel zunächst ein spätbarocker, großer Bau auf. Er wurde 1770 an der Stelle des mittelalterlichen Burghauses errichtet und war Wohnsitz der Familie von Kolb. Seit 1300 hatten Angehörige dieser Familie in Wassenach das Sagen. Aus ihr gingen zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten hervor, Äbtissinnen, hohe Staatsbeamte und Offiziere. Der letzte von Kolb starb an Verwundungen, die er 1812 beim Rußlandfeldzug Napoleons vor Smolensk erlitten hatte. In der 1850 in neugotischem Stil erbauten Kirche wurden die Grabplatten von Adam von Kolb und seiner Frau aus dem Jahr 1517 in die Seitenwand eingefügt. Schon auf dem Kirchhof sind eine Reihe hochinteressanter Grabkreuze aus früheren Jahrhunderten erhalten geblieben, das älteste aus dem Jahr 1494. Von den bei der weiteren Wanderung in der Gemarkung aufgesuchten Wege- und Segenskreuzen haben manche eine ganz eigenartige Geschichte aufzuweisen. Auffallend ist vor allem südlich von Wassenach ein aus dem Mittelalter stammendes Kreuz aus Tuffstein, dem in früheren Jahrhunderten eine heilende Wirkung bei Krankheiten von Mensch und Tier zugeschrieben wurde.
Der Aberglaube ging sogar so weit, dass Steinmehl von diesem Kreuz abgeschabt und mit der Nahrung Kranken verabreicht wurde. Umwelteinflüsse setzen dem Stein außerdem zu. Um dieses Kreuz vor den endgültigen Verfall zu gewahren, bekam es 1973 einen Schutzmantel aus Beton. Über dessen Aussehen lässt sich streiten. In der Bevölkerung hält sich seitdem der Name Granaten- oder Raketenkreuz. Die Wanderung führte auch an einem von Adam von Kolb 1504 gestifteten Kreuz vorbei und an einem weiteren, auf das angeblich ein schwedischer Soldat geschossen hat und von der abprallenden Kugel dann selber tödlich getroffen wurde. Solche Gräuelgeschichten sind Relikte einer Kriegspropaganda, es gibt sie vielerorts in Deutschland.
Auch wenn sie nicht auf Tatsachen beruhen, sind sie doch ein Hinweis auf die schreckliche Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Eine Gedenktafel am Gasthof Waldfriede und eine an der Remigiuskirche erinnern an eine andere, noch nicht so lange zurückliegende Schreckenszeit. Als Pfarrer Dr. Josef Zilliken 1940 den Feldmarschall Hermann Göring nicht wie von diesem erwartet begrüßte, wurde er verhaftet und starb 1942 im Konzentrationslager Dachau.
