Galerie Werkhallen Oberwinter
Farbe malerisch installiert
Ulrich Erben und Günther Förg haben mit „Arbeiten auf Papier“ einen großen Auftritt
Oberwinter. „Arbeiten auf Papier“ heißt ganz bescheiden die neue Ausstellung der Galerie Werkhallen. Mit der Wirkung, die Ulrich Erbens und Günther Förgs Bildwerke dort entfalten, verhält es sich allerdings genau andersherum. Ein Intro mit großen Ausrufezeichen bietet die Gegenüberstellung in Halle I. Da nimmt die vielteilige Arbeit „Coloriterre“ von Ulrich Erben die gesamte linke Wand ein. Drei Reihen einander überlappende Hochformate sind zu sehen, weiße ausgesparte Binnenflächen und kräftig farbig gefasste Ränder, auf denen das Absetzen des Pinsels erkennbar wird. In jedem Blatt kommt eine andere, übrigens leuchtende Farbe zum Einsatz. Es entsteht der Eindruck von Schiebefenstern und überhaupt ein starker Raumeindruck. Vis-à-vis bietet Günther Förg Paroli. Von dem im vergangenen Jahr an seinem Geburtstag, als er 61 wurde, verstorbenen Maler, Photograph und Bildhauer breitet sich „Le Corbusier“ aus. Dieses gleichfalls verzweigte Werk umfasst 23 gerahmte Teile mit je zwei übereinander liegenden Farbflächen in etwas gedeckteren Tönen.
Gemeinsame Hingebung
Die Werke von Erben und Förg zeugen von der gemeinsamen Hingebung zur Abstraktion und ihrer malerischen Inszenierung. Prof. Dr. h.c. Walter Smerling, Direktor des Museums Küppersmühle Duisburg, verglich in seiner Eröffnungsrede die Charaktere der anerkannten Künstler und befand, „Erben ist derjenige, der Werke nach einem gewissen Kalkül anlegt, aber dann doch das Meditative, das Emotionale durchlässt“. Förg, der bekannt ist für seine Aneignung amerikanischer Minimal Art, arbeite spontan und, da er mit Raum und Architektur umgehe, sei er „jemand der räumlich denkt“. Spürbarer als in „Le Corbusier“ wird das spontan Anmutende Förgs etwa angesichts der 1,50 mal 2,50 Meter großen Arbeit mit Farbballungen in gebrochenem Türkis und Grau. Das Architektonische durchdringt dagegen vollends dessen Gitterbilder. Dicht zusammengerückte käfigartige Gebilde, obsessiv in Beziehung gesetzte vertikale und horizontale Linien, rühren da an anonymes städtisches Bauen und verstreuen ihren düster spröden Charme. Aber auch Erben, seit über 40 Jahren einer der wichtigsten deutschen Vertreter der Farbfeldmalerei, ordnet nicht allein farbige Rechtecke an. Er bringt etwa bezaubernd luftige Farbwolken auf den Bildgrund, orange, lila, blau, alles von großer Frische. Wirklich erstaunlich: Die einzige Leinwand „Prima Vista“ aus dem Jahr 1982 ist nicht gealtert, besitzt Strahlkraft wie eh und je und lebt ganz aus dem spontanen Gestus. Außerdem zeigen Christiane Obermann und Axel Burkhard in ihren Werkhallen etliche der Moskau-Fotos Günther Förgs.
„Beethoven“ mit blauen Locken
Zudem sind beispielsweise ausgestellt: Martin Streits verschwommene Figuren-Fotos, Anna Lehmann-Brauns im Vorjahr eingefangene Aufnahmen polnischer Produktionsstätten von quietschbunten Fiberglasfiguren und herausragende Schwarz-Weißfotos von Konrad Rufus Müller, der Willy Brandt und Angela Merkel ebenso porträtiert, wie er Landschaften und eine einzelne Zwiebel vor der Linse zu würdigen weiß. Einen ganz eigenen Akzent setzt Markus Lüpertz Bronze-Büste „Beethoven“ mit blauen Locken und rot-grünen Wangen.
Die Öffnungszeiten
Die Ausstellung „Arbeiten auf Papier“ in Oberwinter, Hauptstraße 121, ist bis 26. April geöffnet: dienstags bis freitags von 14 bis 19 Uhr. Weitere Infos sind im Internet unter www.werkhallen.net zu finden.
„Beethoven“-Skulptur von Markus Lüpertz.
Ulrich Erben mit seiner Arbeit „Coloriterre“.
