Eifelverein Remagen wanderte durch die Grafschaft
Frühlingsgefühle im Januar
Remagen.Um 8 Uhr in der Frühe goss es noch in Strömen und fast sah es so aus, als würde kaum jemand den schönen Rundweg durch die Grafschaft unter diesen Umständen mitwandern wollen. Aber zwei Stunden später strahlte die Sonne frühlingshaft vom Himmel und mit einer Rekordbeteiligung von 27 Wanderern wurde an der Fritzdorfer Windmühle gestartet. Sie steht weithin sichtbar auf dem höchsten Punkt der Grafschaft. Ein schlauer Müller hat sie dort 1842 errichtet, nicht nur wegen der windversprechenden Lage, sondern auch, weil er zum Bau die Steine der verfallenden Burgruine Sommerberg verwenden konnte.
Durch ausgedehnte, gepflegte Obstanlagen wanderten die Eifelfreunde zunächst auf der historischen Aachen-Frankfurter-Heerstraße und standen schon bald vor dem etwa 500 Jahre alten Schutzengelkreuz. Der Ort hat eine traurige Geschichte, an die heute nur noch der Flurname erinnert. Hier stand bis 1718 das Siechenhaus von Eckendorf. Hier mussen Leprakranke unter erbärmlichen Umständen bis zu ihrem qualvollen, allmählichen Tod isoliert leben, nachdem sie von der Dorfgemeinschaft wegen der Ansteckungsgefahr ausgestoßen worden waren.
In Eckendorf führte die Straße am Kirchhof vorbei, wo ein Trachyt-Grabkreuz verziert ist mit Jakobsmuscheln und Pilgerstab. Hier ruht offenbar ein Pilger, der vor 400 Jahren die gut 3.000 Kilometer nach Santiago de Compostela gepilgert ist unter den damals so schwierigen und gefährlichen Umständen. Nächstes Ziel war die Burg Münchhausen. Errichtet wurde sie im frühen Mittelalter aus römischen Steinen, die beim Abbruch des großen Aquäduktes über das Swistbachtal gewonnen wurden. Die Umgehung von Reiterstall und Wirtschaftsgebäuden erwies sich als lohnend. Denn nur von Nordwesten ist das beeindruckend wuchtige Gemäuer als Ganzes noch unverbaut wahrnehmbar.
Gestärkt durch eine Einkehr im Burgrestaurant ging es nun auf dem Rundweg nach Osten und schon bald war die Tongrube Adendorf erreicht. An deren Rand hat die Gemeinde eine kleine Aussichtskanzel errichtet, die einen guten Einblick in die Tongrube und den aktuellen Abbau ermöglicht. An der Rückseite der Burg Adendorf wartete eine Überraschung auf die Wanderer.
Eine große Wiese außerhalb des Parkgeländes wies mindestens ein Dutzend erstaunlich großer Löcher auf, ein regelrechtes Höhlensystem tat sich da auf. Hier haust ein Dachs oder richtiger, eine ganze Dachsfamilie. Die Mehrzahl der Wanderer hatte noch nie einen Dachs zu Gesicht bekommen, obwohl diese bis 17 Kilogramm schweren Tiere gar nicht so selten sind. Aber sie sind extrem scheu und lassen sich tagsüber nicht blicken. Sie zählen übrigens zu den Mardern, sind also weder mit Fuchs noch Wolf verwandt. Sie schätzen Obst (davon gibt es in der Grafschaft reichlich) und ihre Hauptnahrung sind - Regenwürmer.
Vorbei an der 200-jährigen Kapelle Maria Himmelskönigin ging es durch Fritzdorf hindurch zurück zur Windmühle und genau in diesem Moment setzte der Regen wieder ein.
