Sankt-Sebastianer-Schützengesellschaft
Heini Scheil ist neuer Schützenkönig
Mit dem 101. Schuss fiel der königliche Greif - zwei Minuten vorher der Altkönigsvogel
Remagen. Ein Schützenfest der Superlative erlebten die Mitglieder der Remagener Sankt-Sebastianer-Schützengesellschaft von 1478 am Wochenende. Dazu trug nicht nur das herrliche Wetter und die Anteilnahme der Bevölkerung bei, nein, fing es doch bereits mit der Ernennung des Präsidenten Wolfgang Strang in den Rang eines Majors durch den Bund der Deutschen Historischen Schützengesellschaft an. Grund genug, zum ersten Mal auf dem Schützenplatz zur Eröffnung der Schießspiele am Montag einen Fassanstich vorzunehmen. Zum ersten Mal war auch Pastor Frank Klupsch als Präses mit dabei, der die Ehre hatte, Stunden später der neuen Majestät die Schützenkette umzulegen. Zuvor aber formierten sich die 58 Aktiven der Gesellschaft um mit 30 Mann mit der Kaliber 12 Büchse auf den Königsvogel anzulegen. 19 Sebastianer legten auf den Altkönigsvogel an. Nacheinander wurden die Probanten auf der herrlichen Anlage am Viktoriabergweg von den Schießmeistern Michael Ockenfels, Stefan Beyer, Rene Heck und Gereon Wickord an den Anschlag aufgerufen. Sowohl Bürgermeister Herbert Georgi als auch Pfarrer Klupsch verzichteten auf den Ehrenschuss. Nicht nur weite Teile der Bevölkerung, als auch der einen Tag vorher gekürte Bürgerschützenkönig Horst Brück mit Frau Monika verfolgten aufmerksam das Geschehen auf dem Schießstand. Mit lauten Rufen wurde jeder Schuss aus der Donnerbüchse begleitet. 66 hielt der Altkönigsvogel stand. Der Oberleutnant der Gesellschaft, Wolfgang Löffler, schoss das Zepter, Vorjahreskönig Hans-Adolf Görres den Reichsapfel, Hauptmann Bernd Schunk die Krone, Ortsvorsteher WalterKöbbing holte den Kopf von der Stange, Werner Schopp den linken Flügel, Major Wolfgang Strang den rechten. Den Schweif holte sich Herbert Schäfer und um 17.49 Uhr bereits jubelte Thomas Wickord und mit ihm die Schützenbrüder. Wickord hatte den Rumpf von der Stange geholt. Derweil war auch auch das Königsschießen gelaufen wie ein Uhrwerk. Genau 100 Schüsse sollten von Nöten, bevor der königliche Greif zum Erliegen kam. Peter Netz schoss die linke Kralle, Thomas Wickord hatte zwischendurch die rechte Kralle geschossen, der aus Venezuela angereiste Jubbel Stockhausen das Zepter. Joachim Press, alias Snoopy, holte das Zepter, Udo Ehlert die Krone. Otto Lemke schoss den Kopf, Joachim Bartscherer den linken Flügel, Thorsten May den rechten. Heinz Scheil holte den Schweif von der Stange, jetzt wurde es ernst. Der Rumpf präsentierte sich als riesiger Klotz. Da ist noch jede Menge Arbeit, schmunzelten die Sebastianer. Weit gefehlt, mit einem wirklich königlichen Schuss, dem 101., der genau in der Mitte saß und den Klotz bersten ließ, fiel der königliche Greif um 17:49 Uhr - so früh wie nie. Abgegeben von Heini Scheil. Der bedankte sich anschließend bei Oliver Schmitz für „die gute Vorbereitung“. Sein Geheimrezept, den er nach dem Ritt auf den Schultern seiner Kameraden Preis gab: Als Jäger habe er „meine eigene Munition mit gebracht“. Der Kripper ist der neue König, Mitglied der „Paniker“, was Dirigent Thomas Pieper zum Anlass nahm, ununterbrochen zu rufen: „Alles fest in Panikerhand“. Drei Böllerschüsse von Martin Tillmann, die über die Stadt hallten, verkündeten: „Wir haben einen neuen König“. Zwischenzeitlich war auch Landrat Jürgen Pföhler sowie Pater Bartholomè vom Apollonarisberg zu den zahlreichen Ehrengästen gestoßen und konnten an der großen Parade auf dem Marktplatz Teil nehmen. In einem Festzug ging es nach der feuchtfröhlichen Feier und der Verleihung der königlichen Insignien durch den Präses, der Beglückwünschung durch den Bürgermeister und des Majors, in der Kutsche Heini Scheil und seiner Frau Doris in die Innenstadt. Dort empfing die Bevölkerung den neuen König mit frenetischem Beifall. Oberleutnant Wolfgang Löffler ließ seine nicht mehr ganz standfesten Schützenkameraden zur Parade antreten. Unter den Klängen der Rhein-Ahr-Spatzen mit Frank Weiß am Dirigat palierten die Grünröcke an der Ehrentribüne, von wo aus Bürgermeister Herbert Georgi das neue Schützenkönigspaar vorgestellt hatte, auf und ab. Bis spät in die Nacht hörte man den Ruf: Der Vogel ist tot, es lebe der König. AB
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