Eröffnung der „Galerie auf der Kegelbahn“ und der „Hypocausten“
Im „Historischen Dreieck“ wird Rom lebendig
Remagen. Vor knapp 2.000 Jahren tummelten sich die Legionen Roms am „Nassen Limes“, dem Rhein. In der Regierungszeit des Tiberius (14 bis 37 n. Chr.) entstand auf der linken Rheinseite ein Kastell nach dem anderen, um die römische Welt vor den „bösen“ Germanen zu schützen. Auf diese Weise soll zum ersten Mal „Kultur“ in das Dorf „Rigomagus“ (Königsfeld) gekommen sein. Und dass die alten Römer, die eigentlich sehr jung waren, zu Leben wussten, davon gibt es heute noch steinerne Zeugen, im „Scherbelehäuschen“, in der ehemaligen Kapelle St. Magdalena und in der „Kulturwerkstatt“, dem ehemaligen „Alten Jugendheim“.
Die einmaligen Säulenfundamente im „Römischen Museum“ spiegeln die Pracht der römischen Bauten wider, die Hypocausten im Keller des Baus aus dem Jahre 1914 zeugen vom Wohlleben der Chefs in der Provinz „Germania inferior“.
Dass die Hypocausten, die einstige „Fußbodenheizung“, nach zweitausendjährigem Dornröschenschlaf 1998 wiederentdeckt wurde, ist dem leider so früh verstorbenem Realschullehrer Hajo Wenz zu verdanken. Er grub sich mit seinen Schülern gemeinsam mit Stadtarchivar Kurt Kleemann durch geschichtsträchtigen Müll und barg den Schatz in dem einstigen Prätorium.
Und Remagen wurde ein weiterer Glücksfall beschert. Die junge Archäologin Sybille Friedrich verliebte sich in das „Auxiliarkastell Rigomagus“. Stein für Stein wurde vermessen, aufgelistet und Teil einer Doktorarbeit. So kam es, dass ein Werk entstand, dass auf mehr als 500 Seiten die Geschichte des Römischen Reiches, seiner Menschen und derer am Rhein aufzeichnete. Das „Alte Jugendheim“, von Dechant Franz Carl Müller (1840 bis 1918) als „Jünglingsheim zur Ertüchtigung der treu teutschen katholischen Jungmänner“ errichtet, war zwischenzeitlich in den Besitz der Stadt Remagen übergegangen. Im Keller war zur „Ertüchtigung“ auch eine Kegelbahn gebaut worden, leider zerstörte diese einen Teil der Hypocausten. Diese waren der Öffentlichkeit aber nicht zugänglich, da sie nur über eine schmale Stiege zu erreichen waren.
So gerieten sie erneut in Vergessenheit. Doch das Leben in Remagen verändert sich. „Kunst, Kultur und Lebensfreude“ heißt das Motto, mit dem Remagen die Zukunft meistern will. Galerien wurden eröffnet, Künstler fanden eine neue Heimat. Ins „Jugendheim“ zog die „Kulturwerkstatt“ ein, das „Rudi-Caracciola-Gedächtniszimmer“ entstand. Vereine etablierten sich in den renovierten alten Räumlichkeiten. Rund um die „Kulturwerkstatt“ nahm die Altstadt ein neues Gesicht an.
Das „Historische Dreieck“ entstand. Im Ortsbeirat gründete sich der Arbeitskreis „Historisches Dreieck“ unter dem Vorsitz von Ortsvorsteher Walter Köbbing. Mit im Arbeitskreis, der Vorsitzende des „Fördervereins Altes Jugendheim“, ist Rolf Plewa. Pläne wurden geschmiedet, die Zukunft ins Auge gefasst. „Die Schätze der Stadt müssen ans Licht der Welt“, darüber waren sich die Kommunalpolitiker und „Rheinischen Vereinsmeier“ schnell einig.
Stadtchef Herbert Georgi hatte immer ein offenes Ohr für die Gedanken der kommunalen Mitstreiter.
So wurde weiter geschmiedet und angepackt. Mit Unterstützung der Ehrenamtlichen des Vereins, Sponsoren und der Stadt entstand unter Beachtung aller Denkmalschutzauflagen ein neuer Eingang zu den Hypocausten - barrierefrei. Dr. Sybille Friedrich entwarf neue Infotafeln mit altem Inhalt, sehr interessant und dennoch wissenschaftlich aufgearbeitet.
Die alte Kegelbahn wurde vom Müll befreit. Eine monatelange Bauphase begann. Nun ist sie fertig, die „Galerie auf der Kegelbahn“. In neuem Ambiente zeigt sich die Dauerausstellung „100 Jahre Remagen“. Bilder des Fotografen Baptist Schneider, aufgenommen um 1900 bis 1940. „Wir sind sicher, wir konnten für Remagen eine neue Attraktion schaffen“, sind sich Köbbing und Plewa einig. Auch für die Kunstwelt, denn die Galerie wird auch für Remagener Künstler frei gemacht werden. Frei sind nun auch die Hypocausten für Remagens „Stadtführer“.
Immer größer wird das Interesse an diesen Führungen, quer durch die Historie der alten Römerstadt. „Wir wissen kaum noch, wie wir mit zwei Stunden hin kommen sollen“, sagte jüngst Stadtführer Oliver Schmitz. Darüber wird man sich unterhalten können, denn am Samstag ab 16.30 Uhr werden die Galerie und die „Neuen Hypocausten“ mit einer kleinen Feier eröffnet werden. Zu besichtigen sind sie dann zu den gleichen Zeiten wie das Museum: Mittwoch bis Sonntag 15 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung über das Tourismuszentrum am Markt.
