Eifelverein Remagen lernte eine Besonderheit des Brohltals kennen
Im Tal der vielen Kreuze
Remagen. Auf einem Rundweg von Niederzissen über Oberzissen nach Hain und zurück über Galenberg zeigt sich das Brohltal in seiner ganzen Schönheit, zumal wenn auch noch das Wetter mitspielt. Über dem ganzen, prächtigen Panorama thront die alles beherrschende Burgruine Olbrück und von den Höhen in Hain und Galenberg liegt der makellos geformte Bausenberg direkt im Blickfeld, Deutschlands besterhaltener Kratervulkan. Aber neben Natur und Landschaft wollten die Remagener Eifelfreunde bei dieser Wanderung eine Besonderheit des Brohltals kennenlernen, nämlich die Wegkreuze vergangener Jahrhunderte. Sie stehen selbst an abgelegenen Feldwegen oder mitten in den Ortschaften, frei am Feldrand oder eingemauert in Hauswände. Meist sind sie aus Tephritlava, doch nennt der Volksmund das dunkle Gestein vereinfacht Basalt. Über 4500 dieser Wegkreuze gibt es in der Eifel, aber nirgends sind sie so gehäuft wie im Brohltal. Vom 15. bis 19. Jahrhundert wurden sie erschaffen als Segensteine, zum Schutz vor Gefahr, Abwehr böser Geister, als Sühne, zur Einlösung von Gelübden oder zum Gedächtnis an die Opfer von Unglücksfällen. Aus ihnen spricht nicht nur tief verwurzelte Frömmigkeit der Bevölkerung, sondern auch eine hohe Kunstfertigkeit einheimischer Steinmetze. Aus der unterschiedlichen Kreuzform (lateinisch, griechisch, ägyptisch) und aus ihrer Art (einfacher Stein, schlichte Kreuze, Schöpflöffel, Kruzifixe, Bildstöcke, Heiligenhäuschen) läßt sich der Zeitpunkt ihrer Entstehung erkennen. Der größte Teil dieser Kreuze wurde von meist armen Dorfbewohnern in Auftrag gegeben, die sich dafür unter Umständen hoch verschulden mussten. Diese Wegkreuze stehen heute unter dem besonderen Schutz des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege. Mehrere ausgezeichnete Buchveröffentlichungen geben auch dem Laien die Möglichkeit, sich mit ihrer Geschichte und Bedeutung vertraut zu machen.
Vom Sauerbrunnen gekostet
Am schmuck gefaßten Sauerbrunnen in Oberzissen wurde selbstverständlich eine kurze Rast eingelegt. Wer davon kosten will, muss sich vor dem Brunnen verneigen, denn das rostrote, stark eisenhaltige Gewässer strömt nur knapp über den Boden aus seinem Rohr. Der Geschmack ist nicht jedermanns Sache, doch soll der Genuss ungeheuer gesund sein. Zum Glück ist noch niemand auf die Idee gekommen, alle Mineralwasserquellen der Eifel aus Klimaschutzgründen versiegeln zu lassen. Denn aus ihnen strömt weit mehr CO² ins Freie als aus Braunkohlekraftwerken.
In Niederzissen führte ein Abstecher noch zum „Bunker im Lahar“. Dort hatte die einheimische Bevölkerung in ihrer Not bei Kriegsende einen großen Bunker in das Gestein des Hüttenbergvulkans gegraben. Bis zu 400 Personen konnten dort Schutz finden, jede Familie hatte ihre eigene Nische. Und wie zur Fortsetzung alter Tradition hat ein frommer Brohltaler damals zwei Bildstöcke im Inneren des Bunkers in den Fels gemeißelt. Leider waren sie nicht zu besichtigen.
