Stammtisch „11 Jecke Tön“ - Remagen
Karnevalisten holten Weihnachtsfeier nach
Mitten in den geschäftigen Februar brachte der Stammtisch etwas Besinnlichkeit
Remagen. Die Remagener Bürger staunten nicht schlecht, als sich kürzlich Karnevalisten auf dem Marktplatz versammelten und mit Begleitung einer Trompete Weihnachtslieder zum Besten gaben. Der Hintergrund dieser Aktion ist folgender: Der Stammtisch „11 Jecke Tön“ verabschiedete sich 2011 mit einer gigantischen Party in der Rheinhalle nach dem närrischen elfjährigen Jubiläum aus dem karnevalistischen Geschäft. Trotzdem treffen sich die elf Freunde regelmäßig in ihrer Stammkneipe – der Bauernschänke auf dem Marktplatz. Viele der „Stammis“ – wie die Männer liebevoll genannt werden – sind Mitglieder Remagener Vereine und pflegen daher auch ihre Kontakte in die Gaststätte zur Krone, in der Corinna Schilling arbeitet. Nach ihrer Proklamation im November und vielen gemeinsamen Feiern hofften die Stammtischbrüder auf einen Besuch der Remagener Tollität.
Zeitlicher Mangel und andere Verpflichtungen machten es der Prinzessin jedoch nicht möglich, die Stammtischbrüder der „11 Jecke Tön“ im Dezember zu besuchen. Vor der intensivsten Phase zwischen Weiberdonnerstag und Aschermittwoch sollte der Besuch nachgeholt werden. Vor Kurzem war es so weit, das karnevalistische Stelldichein stand vor der Tür. Die Gäste und Freunde der Tollitäten und des Stammtisches staunten nicht schlecht, als sie die Räumlichkeiten der Bauernschänke betraten. Liebevoll erleuchteten Lichterketten den Raum, neben der Tür funkelten bunte Kugeln an einem Weihnachtsbaum, an der Decke hingen Sterne, überall fanden sich kleine Weihnachtsmänner und Schneemänner und die Stühle waren mit riesigen Nikolausmützen überzogen. Für ihre Gäste war den Stammis kein Aufwand zu groß, die weihnachtliche Stimmung einfach unschlagbar. Trotzdem wurde der Bogen bis in den Karneval gespannt.
Nach dem Einmarsch der Prinzessin mit ihrem Gefolge wurde es sehr laut. Das Panikorchester Remagen unter der Leitung von Thomas Pieper betrat die Lokalität. Extra für die elf Veranstalter wurde „ihr“ Lied, Peter Alexanders „Im weißen Rössel am Wolfgangsee“, gespielt. Stolz und mit der Hand auf der Brust sangen alle Anwesenden das Lied lautstark mit. Nach diesem Konzert wurden alle nach draußen gebeten. „Wir sind von Natur aus bekloppt und haben Euch hier einen kleinen Weihnachtsmarkt aufgebaut, so ganz ohne diese kommerziellen Buden“, so Marcel Möcking. Auf dem Marktplatz standen beleuchtete Tannen und dazwischen erhellte ein „X-MAS“ und eine kleine Feuerwerksfontäne die Nacht. Frank Weiß, Regimentskapellmeister der Stadtsoldaten, spielte auf seiner Trompete und alle Gäste, unter ihnen befand sich zwischenzeitlich auch das Prinzenpaar Frank und Alexandra Gilles aus Oberwinter, sangen gemeinsam „Stille Nacht“.
In den Häusern rund um den Marktplatz gingen die Lichter an, denn die Bürger trauten ihren Ohren nicht. Als dann auch noch Günther Keller verkleidet als Nikolaus mit seinem Engelchen Christina Möcking auftauchte, war allen klar, wie „schön bekloppt“ Karnevalisten sein können. Nach einigen Gedichten und weiteren Liedern der Zuschauer, die musikalisch auch noch von den Panikern unterstützt wurden, erhielten die anwesenden Tollitäten einen obligatorischen Schokoladennikolaus. Mit den Worten „Wer Karneval feiert, packt keine Waffen an – somit sind die Karnevalszüge die größte Friedensdemonstration“ wünschte der heilige Nikolaus dem närrischen Volk viel Spaß bei den kommenden Tagen.
Nach einer halben, sehr besinnlichen Stunde wurde die Party zu bester Stimmungsmusik in den Räumen der Bauernschänke fortgesetzt. Noch bis in die frühen Morgenstunden wurde hier gelacht, getanzt und gefeiert. Am Ende des Abends war allen Anwesenden klar, echte Karnevalisten sind nicht nur mit Spaß dabei, sondern auch noch für jeden Spaß zu haben – sogar für eine spontane Weihnachtsfeier mitten im Februar.
