Allgemeine Berichte | 18.04.2015

St. Anna Kapelle Remagen

Mit Pauke(r)n und Trompeten…

„Franziskanische Impulse“ am 26. April

„Heilig`s Blechle“ präsentierte beeindruckend instrumentales Können, gepaart mit Witz und Humor. privat

Remagen. Das Blechbläserquartett „Heilig`s Blechle“ lieferte mit dem Debütkonzert ihres neuen Programms in der Remagener St. Anna Kapelle eine beeindruckende Darbietung an instrumentalem Können, gepaart mit Witz und Humor.

Gespielt wurde was gefällt

Die rund 100 Zuhörer in der voll besetzten säkularisierten Kapelle staunten nicht schlecht, als nach klassischem Beginn mit einer Bearbeitung eines klangschön vorgetragenen Mendelssohns-Chorsatzes von „Fürchte Dich nicht“ direkt mit dem zweiten Stück der Sprung in die Bourbon Street von New Orleans erfolgte: „Oh when the Saints“!

Somit war der rote Faden des Konzertes schon vorgegeben: Gespielt wurde, was gefällt! Dies konnte klassischer Natur sein, alter Jazz oder neuere Popmusik - Hauptsache es fand sich in den Arrangements das gewisse „Etwas“, also ein neuer Blick auf alte Werke. Die Stücke wurden hierbei entweder selbst arrangiert, für die Besetzung eigens umgeschrieben oder stammten aus der Feder von Richard Robley. Der US-amerikanische Posaunist und Arrangeur, emeritierter Professor für Musiktheorie an der Musikhochschule Würzburg, machte sich vor allem einen Namen durch sein breit gefächertes Ouevre, das in der deutschsprachigen Posaunenchorwelt große Verbreitung findet. Ihn verbindet eine Freundschaft mit Gerhard Halene, dem Soloposaunisten von „Heilig`s Blechle“, sodass die Gruppe auch auf bislang unveröffentlichte Werke Robley‘s zurückgreifen konnte. Eine Bearbeitung des Beatles Klassikers „Michelle“, vorgetragen auf Flügelhörnern anstatt Trompeten, nutzte die wunderbare Akustik des ehemaligen Kirchenraumes: So verbanden sich Fugato-ähnliche Teile ganz natürlich mit den erweiterten Harmonien und ließen das Stück in völlig neuen Sphären erklingen. Besonders die improvisierten Teile wie in dem von Daniel Stein arrangierten Glenn Miller Klassikers „Tuxedo Junction“ ließen aufhorchen, sind sie doch in gewisser Weise ein Alleinstellungsmerkmal der „Blechles“ in der eher klassischen Blechbläser-Quartett-Welt. Anhand des Solotrompeters Jürgen Roth zeigt sich aber exemplarisch, dass die vier Virtuosen nicht nur in der Klassik, sondern auch im Jazz zu Hause sind.

Er war mehrfacher erster Preisträger bei „Jugend musiziert“, spielte aber auch mit 16 Jahren bereits im Bundesjugendjazzorchester unter der Leitung des leider inzwischen verstorbenen Peter Herbolzheimer. Jürgen Roth studierte sowohl Barocktrompete bei Prof. Friedemann Immer als auch Jazztrompete bei Prof. Andy Haderer, dazu war er privater Arrangierschüler von Jerry van Rooyen, dem ehemaligen Leiter der WDR-Big-Band nachdem dieser einige Arbeiten Roth`s hörte. Sein weicher Flügelhornsound und seine stratosphärischen Trompetenklänge bilden die Spannweite des Ensembles.

Ein begeistertes Publikum

Auch die anderen Ensemblemitglieder, wie Bassposaunist Christoph Bube oder den zweiten Trompeter Daniel Stein, zeichnet eine große Bandbreite aus. Sie sind sowohl in klassischen, als auch in vielen modernen Projekten gefragt, wie beispielsweise als Bühnenmusiker am „Kölner Hänneschen Theater“ oder der „Lachenden Kölnarena“. Gerhard Halene wiederum spielt nicht nur im Kreuzkirchenorchester sondern auch in der Bonner Uni-Big-Band. Für Begeisterung im Publikum sorgte im zweiten Teil eine Bearbeitung der „Air“ von Johann Sebastian Bach, diese jedoch ergänzt um einen Jazzsolopart der bezeugte, dass Bach nicht umsonst als der erste Jazzmusiker der Musikgeschichte genannt wird - wie in der Anmoderation augenzwinkernd erwähnt. Auch das stürmische „He‘s a Pirat“ aus „Fluch der Karibik“ und die swingend vorgetragenen Volkslieder „Muss i denn...“ und „Ein Männlein steht im Walde“ sorgten für Erstaunen. Als nach einem „Louis-Armstrong-Medley“ mit dem „Abendsegen“ aus Hänsel und Gretel das Publikum in den Sonntagabend entlassen werden sollte, fragte sich so mancher Konzertbesucher, ob die 90 Minuten wirklich schon vorbei sind und forderte stürmisch eine Zugabe. Diese gab das Quartett in ironisch-augenzwinkernder Weise: „You never give me your money“ von Paul McCartney erinnerte an das Spendenkörbchen am Ausgang, denn das Konzert zeigte, dass in der großen Leichtigkeit des Vortrags vor allem viel harte Arbeit steckte. Diese wurde vom Publikum dann auch ausreichend gewürdigt!

Vorschau

Das Ensemble von „Heilig`s Blechle“ wird schon bald wieder Gast in der St. Anna Kapelle sein. Am 26. April laden die Franziskanerinnen von Nonnenwerth zu einem weiteren Termin der Veranstaltungsreihe „Franziskanische Impulse“ ab 17 Uhr in die St. Anna Kapelle ein. Pater Dr. Hermann Schalück ofm, Generalminister der Franziskaner von 1991 bis 1997, aus dem Konvent der Franziskaner Bad Godesberg diskutiert dann gemeinsam mit den Anwesenden die Fragestellung: „Was hat Franziskus uns heute zu sagen?“. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung von „Heilig`s Blechle“. Der Eintritt ist frei, Interessierte sind herzlich zum Besuch in Remagen eingeladen.

„Heilig`s Blechle“ präsentierte beeindruckend instrumentales Können, gepaart mit Witz und Humor. Foto: privat

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