Billard-Größen einstiger Tage trafen in Remagen zusammen
Totale Beherrschung der Elfenbeinkugel
Reymond Ceulemans sorgte für Staunen und Verblüffung im „Anker“
Remagen. „Mehrere hundert Jahre Billard-Erfahrung stehen hier am grünen Tisch, um ihnen ihr Können zu präsentieren“, kommentierte Andreas Hauffe den Besuch von Billard-Legende Raymond Ceulemans und Kunststoß-Europameister Gert Tiedke im 1884 erbauten Hotel „Anker“ an der Remagener Rheinpromenade. Und die zahlreichen Zuschauer, die sich zu diesem außergewöhnlichen Event im Traditionshotel eingefunden hatten, kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ob Dreiband, Vierband oder gar 20 Stöße hintereinander, der 72-jährige Belgier ließ mit einem solchen Elan die weißen Kugeln über den grünen Filz rollen, dass eine Karambolage, der anderen folgte. Wer Billard vom Tisch mit den Löchern kennt, in die nach Zahlen oder Farben eingelocht wird, der wurde am Abend im Anker an die Aufhebung von physikalischen Gesetzen erinnert. Dass die Kugeln durch die Effetgebung irre Richtungswechsel vornehmen können, lässt selbst den versierten Loch-Billard-Spieler nur staunen. Ein französischer Billardtisch ist heute eine Seltenheit. In Remagen ist der im Anker der Einzige in der Stadt und weiteren Umgebung. Buchhändler und Kabarettist Andreas Hauffe ist es zu verdanken, dass das Prunkstück nach Remagen gekommen ist. Aus seiner Zeit als Gastronom in Braunschweig kennt Hauffe das Billardspiel noch und las eine Anzeige zur Vergabe des Tisches im Internet. Bei Nachforschung stellte sich heraus: Der steht in Sinzig. Das war Motivation genug. Dem 83-jährigen Karl Schröder gehörte das gute Stück, das wenig später mit einer Spedition den Weg nach Remagen antreten sollte. Immerhin wiegt alleine die beheizbare Schieferplatte, die das Rollen möglich macht, 450 Kilogramm. Ein neues Filztuch musste auch her.
Eine besondere Ehre
Karl Schröder spielt für sein Leben gerne Billard, für ihn war es eine besondere Ehre, im Anker gegen den 33-fachen Weltmeister Raymond Ceulemans in einem Dreiband-Turnier antreten zu dürfen. Und der Sinziger verblüffte durch seine Treffsicherheit, so dass selbst Ceulemans das ein oder andere Mal das Queque auf den Boden stieß (Applaus).
Der Dank des Ersten Beigeordneten der Stadt, Rolf Plewa, galt dann auch Andreas Hauffe für die Organisation, und Betreiber Thorsten Wernscheid, dafür, dass es ihm gelungen sei, die Billard-Größen einstiger Tage nach Remagen zu holen. Die Zuschauer versuchten sich nach der Kunststoßvorführung des Weltmeisters am grünen Tisch. Dieser steht für weitere Versuche im Hotel „Anker“ an der Rheinpromenade bereit.
Die Plakate als Erinnerung längst vergangener Zeiten hatte Europameister Gert Tiedke (r.) im Handgepäck.
