Kabarettist Horst Schrott präsentierte sein Solo-Programm in der Rheinhalle
„Was weg ist, ist weg“
Remagen. Vor gut 500 Zuschauern präsentierte in der Rheinhalle ein Altmeister des Kabaretts, Horst Schroth, sein aktuelles Solo-Programm „Was weg ist, ist weg“. Als sprachmächtiger Kabarettist alter Schule, der mit dem Deutschen Kleinkunstpreis und dem Tegtmeier-Preis ausgezeichnet wurde, präsentierte der Künstler Schroth eine amüsante Auseinandersetzung mit der Welt der scheinbar für immer verlorenen Dinge. Seine Geschichten kreisten ums Verlieren und Vergessen.
Allen Grund hat er, sich aufzuregen, denn sein Auto wurde abgefackelt, das Laptop, das iPhone und die Papiere liegen verbrannt im Kofferraum. Als Projektentwickler der Bühnenfigur Nikolaus Niehoff, der sich mitten in einer Midlife-Crisis befindet, kann sich Schroth wirklich aufregen. Gerade noch hat er mit seinem Freund Frankie Geburtstag gefeiert. Und jetzt steht er vor den Überresten seines Autos. Die katastrophale Feier der beiden Freunde ist der rote Faden, von dem Schroth immer wieder ausgiebig abschweift. Dank seiner enormen Sprechgeschwindigkeit bringt er so ganz nebenbei die Griechenlandkrise ebenso ins Gespräch wie den Katholizismus und eine Kulturgeschichte der Damentoilette. Dem krisengeschüttelten Frankie, einem Freund aus alten Schultagen mit zahlreichen Ex-Freundinnen, der so ganz knapp am Existenz-Maximum vegetiert, hat der Lebenszeitrechner bei Focus online nur noch eine knappe Lebenszeit von zehn Jahren prognostiziert. Nun drängt die Zeit, es gilt, von selbiger nichts mehr zu verlieren. Und dann schweift Schroth ab, immer wieder.
Er erzählt von Frankies Kurzzeitaffären, warum Frauen immer im Rudel zur Toilette gehen und Männer im Stehen pinkeln. Was Schroth zeigte, war die Sinnlosigkeit des Versuchs, das Alter zu ignorieren oder ihm ein Schnippchen zu schlagen. Mit Hingabe verkörpert Schroth den eloquenten Gentleman-Macho, der kein Leben kennt als das auf der Überholspur. Binsenweisheiten wechseln sich ab mit tief greifenden philosophischen Einsichten und lassen den hintergründigen Humor von Horst Schroth umso lebendiger hervortreten. Ein sicher amüsanter Abend, der den rund 500 Zuhörern beschwert wurde. AB
