Neujahrskonzert des Johann-Strauss-Ensembles Köln in Remagen
„Wien bleibt Wien“ verzaubert Publikum
Remagen. Wenn das Johann- Strauss-Ensemble Köln zum mittlerweile traditionellen Neujahrskonzert in das Foyer der Rheinhalle bittet, kommen Freunde klassischer Wiener Musik voll auf ihre Kosten. Bereits zum 14. Mal gastierte das vor über 20 Jahren von Anja Borchers und Gerd Winzer gegründete Ensemble in Remagen und begeisterte ein mit 230 Besuchern schon seit Wochen restlos ausverkauftes Haus. Die Musiker haben mit ihren Programmen auch an illustren Orten wie der „Villa Rothschild“ in Nizza oder auf zahlreichen Schiffsreisen konzertiert. Ein Höhepunkt war das Konzert für den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau in Berlin.
Mit „Hereinspaziert“ von Carl Michael Ziehrer bestimmten beschwingte Walzerklänge den Auftakt von „Wien bleibt Wien“ im Rahmen der „Remagener Konzerte“, gefolgt vom „Ungarischen Tanz 6“ von Johannes Brahms. Ursprünglich zwischen 1858 und 1869 als vierhändige Klavierfassung entstanden, wurden die Tänze teilweise zunächst von Brahms, später von anderen Bearbeitern orchestriert. Danach brachte das Ensemble die erste Komposition aus der „Strauss-Familie“ auf die mit Blumen geschmückte Bühne. Die „Jockey Polka“, komponiert von Josef Strauss, dem jüngeren Bruder von Johann Strauss, thematisiert den von ihm geliebten Pferdesport. Bei ihrer Uraufführung im Rahmen eines Benefizkonzerts von Johann, Josef und Eduard Strauß am 13. März 1870 im Goldenen Saal „besiegte“ Josef, das sensibelste und introvertierteste Mitglied der Komponistendynastie, hinsichtlich des Publikumserfolgs klar seine Brüder.
Dabei war Josef Strauß, der Ingenieurwesen studiert hatte, erst wegen einer Erkrankung seines Bruders eher „zufällig“ zum Komponisten geworden. Wenn „Wiener Musik“ gespielt wird, darf natürlich auch ein Werk von Joseph Lanner nicht fehlen, einem der Begründer des Wiener Walzers. Somit passte „Die Schönbrunner“, eine musikalische Hommage an das im 13. Wiener Bezirk gelegene Schloss Schönbrunn, perfekt ins Programm.
Die Schnellpolka „Auf Ferienreisen“ (Josef Strauss) ließ die Zuhörer auf akustische Weise an eine fröhliche Urlaubsfahrt denken. Der Walzer „Morgenblätter“, 1863 im Auftrag der Wiener Zeitungsverleger entstanden, war das erste Stück von „Walzerkönig“ Johann Strauss, später kamen noch „Auf der Jagd“ sowie der berühmte „Kaiserwalzer“ hinzu. Nach „Feuerfest“ (Josef Strauss) und der Zugabe „La Danza“ von Gioachino Rossini ging es in die Pause.
Im zweiten Abschnitt wurden neben „Salut d‘ amour“ von Edward Elgar mit „Trepak“ und dem „Blumenwalzer“ auch zwei Stücke des russischen Komponisten Peter Tschaikowski aus dem 1892 in Sankt Petersburg uraufgeführten Ballett „Der Nussknacker“ präsentiert.
Die Polka „Springinsfeld“ (Josef Strauss) ließ wieder manches Besucherbein im Takt mitwippen und
nach dem Abschlussstück „Can-Can“, einem schnellen Tanz des deutsch-französischen Komponisten Jacques Offenbach, sowie den Zugaben „Petersburger Schlittenfahrt“ (Richard Eilenberg) und „Radetzky-Marsch“ (Johann Strauß Vater) verließen die Musiker unter im Stehen dargebrachten Ovationen die Bühne.
An diesem Konzertabend waren es jedoch nicht „nur“ die hochkarätigen Musiker, die das Publikum regelrecht verzauberten und in die große Zeit der Wiener Musik versetzten, sondern auch die launig-humorvolle Moderation des Pianisten Gerd Winzer.
So wusste er zu berichten, dass die Polka „Feuerfest“ eine Auftragsarbeit für eine Firma war, die damit den Verkauf eines entsprechenden Kochtopfs bewerben wollte und dass sich Gioachino Rossini nach 35 Opern nur noch dem Schreiben von Kochrezepten widmete.
