Eifelverein Remagen unterwegs in Traben-Trarbach
Wo einst ein Erzbischof gekidnappt wurde?
Remagen. Der Wandertag begann leider mit einer ärgerlichen Enttäuschung: schon wieder einmal fiel der zur Anreise geplante Zug ohne jede Begründung einfach aus. So fehlte den Remagener Eifelfreunden eine volle Stunde Wanderzeit für die 13. Etappe des Moselsteiges von Traben-Trarbach nach Reil. Gleich zu Beginn wird man auf dieser Strecke hart gefordert auf nicht enden wollenden, steilen Zick-Zack-Wegen, zunächst hinauf zur Ruine Grevenburg. Deren ausgedehnte Trümmer lassen ihre einstige Größe und Wehrhaftigkeit noch immer erahnen. Und weiter ging es, noch immer bergauf. Nach einer guten Stunde wurde das Hochplateau des Hunsrücks erreicht, fast 300 m über der Mosel. Aber welcher Ort liegt da unten? Noch immer Traben-Trarbach! Der Wanderweg verläuft weit ausholend auf der Außenseite einer großen Moselschleife um diese Stadt. Schon bald danach erreichten die Wanderer Starkenburg. Von der gleichnamigen Ruine in diesem verträumten winzigen Ort ist nicht mehr viel zu sehen, aber die Geschichte der bildhübschen und gescheiten Gräfin Loretta von Sponheim wird jeden Mauerverfall für alle Zeiten überdauern. Im Zuge einer Fehde ließ sie den ahnungslos mit seinem Schiff moselabwärts treibenden Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg von ihren Getreuen einfach festnehmen und auf ihrer als uneinnehmbar geltenden Starkenburg einkerkern. Weder kaiserliche Acht, noch päpstliche Exkommunizierung erweichten ihr Herz. Erst gegen Zahlung eines Lösegeldes von 11.000 Pfund Heller ließ sie den Erzbischof wieder frei und es spricht für ihr diplomatisches Geschick, dass sie sich danach sogar mit ihm anfreundete und Bann und Exkommunizierung wieder aufgehoben wurden.
Im kleinen, verträumten Ort Starkenburg ist direkt am Moselsteig eine Hochwassermarke angebracht, die den Wasserstand am 30.2.1983 kennzeichnet. Wie das? Der Ort liegt hoch über der Mosel oben auf dem Berg! Bei einem solchen Hochwasser müssten 3/4 der Bundesrepublik „Land unter“ melden. Die wenigsten der grübelnden Betrachter dieser Tafel merken, dass ein Scherzbold den Witz schon im Datum versteckt hat. Beim Abstieg nach Reil zeigte der Himmel ein furioses Farbenspiel, das sich in der stillen Wasserfläche der aufgestauten Mosel widerspiegelte, alles umrahmt von prächtig leuchtenden, goldgelben bis dunkelroten Weinblättern. Ein solches Bild lässt sich schwer beschreiben. Man muss es erleben, dann vergisst man es nicht.
