Oberwinterer Rathaus- und der Verschönerungsverein renovierten Freiligrath-Denkmal
Würdigung des „Trompeters der Revolution“
Oberwinter/Rolandwerth. „Wir sind das Volk“, der Dichter und Revolutionär selber hätte wohl niemals gedacht, dass dieser Satz, der auf Ferdinand von Freiligrath zurück zu führen ist, in der deutschen Geschichte einmal Mauern zum Einsturz bringen würde. Dass sein Geburtsdatum der 17. Juni (1810 bis 1876) war, der später zum „Tag der deutschen Einheit“ werden sollte, ist sicherlich ein kurioser geschichtlicher Zufall. Freiligrath sollte als Patriot, Revolutionär, Dichter, Schriftsteller und Kämpfer für Freiheit und Menschlichkeit in die Geschichte eingehen. Im September 1839 begann er gegenüber der Stadt Remagen in Unkel, wo noch heute das Freiligrathhaus an diese Schaffensperiode erinnert, sein Leben als freier Schriftsteller. Remagen ist ihm heute noch zu großem Dank verpflichtet, ist es doch sein Werk, dass der legendäre „Rolandsbogen“ heute noch tausende von Touristen in die Rheinstadt zieht. 1840 sicherte der Dichter mit einen Spendenaufruf in der „Kölnischen Zeitung“ den Wiederaufbau des letzten Bogens der mittelalterlichen Burg, der in der stürmischen Nacht vom 28. auf den 29. Dezember 1839 eingestürzt war. So steht es auch auf der Informationstafel unterhalb des Denkmals. Dass am 17. Juni 1914 ihm zu Ehren errichtet worden war, wenige Wochen vor Beginn des 1. Weltkrieges, zu dem Freiligrath glühende Zeilen geschrieben hatte, die die deutschen Soldaten in den Krieg begleiteten. Die Büste auf halber Höhe zum Rolandsbogen stammt von dem englischen Bildhauer Siegfried M. Wiens, einem Enkel des Dichters. Genau 100 Jahre später ist es der Arbeit des rührigen Vereins „Vereinigung Rathaus Oberwinter und Archiv“ sowie des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Oberwinter zu verdanken, dass das treppenförmige Denkmal und das Ansehen des Dichters in neuem Glanz erstrahlen. Mühsam war der Weg des Dichters und Revolutionärs, bis er seinen Platz in der Geschichte rund um die Paulskirche gefunden hatte, mühsam ist der Weg hinauf zum Freiligrath-Denkmal. Umso verdienstvoller ist es, was Vereine und Remagener Bürger, die in den Vereinen tätig sind, geleistet haben. In einer kleinen Feierstunde am Fuße des Denkmals würdigten Bürger und die beiden tätigen Vereine das Lebenswerk des großen Deutschen. Rathausvereinsvorsitzender Hans Metternich und Verschönerungsvereinsvorsitzender Horst Eckertz hielten die Ansprachen. Metternich begrüßte Professor Kurt Roessler, bekennender Freiligrath-Interpret und Kenner der Rolandsbogen-Geschichte, den Steinmetz Andreas Hartmann, der das Denkmal gepflegt hatte, den Beigeordneten Joachim Titz in Vertretung von Bürgermeister Herbert Georgi, Ortsvorsteher Norbert Mathias und den „Freiligrath von Oberwesel, Jo Schunk, der im zeitgemäßen Outfit das Leben des Dichters in seiner St.-Goars-Zeit interpretierte. Metternichs Dank galt aber auch seinen Mitstreitern Christian Schmiedel, Heinz Wilms, Hans Atzler, und Horst Eckertz, die die sehenswerte Ausstellung im Oberwinterer „Alten Rathaus“ in monatelanger Arbeit zusammengestellt hatten. Metternich würdigte Freiligrath als „Kämpfer für eine Republik vom Volk für das Volk und für die Demokratie“. Der zeitweilige Weggefährte von Marx und Engels hätte sich viel lieber ganz seiner Poesie gewidmet, „aber er konnte die Augen nicht vor der Realität verschließen“, formulierte Metternich. Mit seinen Zeilen gegen Kaiser und Adel traf Freiligrath den Nerv des Volkes und sollte als „Trompeter der Revolution“ in die Geschichte eingehen. Das großartige Werden und Wirken von Ferdinand Freiligrath verdeutlichte dem interessierten Publikum eindringlich Horst Eckertz. Es ist auch in einer Broschüre des Rathausvereins zusammengestellt worden, die im „Alten Rathaus“ erhältlich ist. Die Öffnungszeiten sind an den kommenden Wochenenden samstags von 17 bis 18.30 Uhr und Sonntags von 11 bis 12.30 Uhr und 16.30 bis 18 Uhr.
Info-Tafel am Denkmal.
In einer kleinen Feierstunde am Fuße des Denkmals würdigten Bürger und die beiden tätigen Vereine das Lebenswerk des Poeten Freiligrath.Fotos: AB
