Offener Frauentreff Puderbach
Buchvorstellung „Westerwälder Köpfe“
Puderbach. Mit großer Aufmerksamkeit verfolgten die Frauen die Buchpräsentation von „Westerwälder Köpfe“ im Offenen Frauentreff. Die Autoren Heiner Feldhoff und Carl Gneist sind den Spuren von 33 herausragenden Persönlichkeiten des Westerwaldes gefolgt. In einer PowerPoint-Präsentation haben sie alle 33 Persönlichkeiten in Kurzporträts vorgestellt. In der Sammlung bedeutender Westerwälder kommen auch berühmte Westerwälderinnen vor - der Frauenanteil von 30 Prozent im Buch kann sich durchaus sehen lassen.
Der Gleichstellungsbeauftragten war es wichtig, zwei bedeutende Westerwälderinnen über das Kurzporträt hinaus ausführlicher vorzustellen zu lassen. Daher hat Herr Gneist „Die Rebellion der roten Gräfin - Sophie von Hatzfeldt“ vorgestellt. Sie zeichnet vor allem für den im Juni 1847 ausgebrochenen Aufruhr im Westerwald verantwortlich, der die gesellschaftlichen Konflikte des 19. Jahrhunderts wie in einem Brennglas bündelt. In diesem Drama prallen die Figuren des Großgrundbesitzers Graf Edmund von Hatzfeldt und Sophie von Hatzfeld-Wildenburg-Schönstein als aufbegehrender unterdrückter Ehefrau. Dazwischen steht Ferdinand Lassalle, die Leitfigur der aufkommenden Arbeiterbewegung.
Herr Feldhoff stellte dann die Pionierin der Frauenbewegung, Ika Freudenberg, näher vor. Sie wurde 1858 als fünftes Kind des Unternehmers Johann Philipp Freudenberg und seiner Frau Caroline in Raubach geboren. Schon bald lässt sich der Besitzer der Raubacher Hütte als Privatier in Wiesbaden nieder, um den Söhnen eine qualifizierte Ausbildung zu ermöglichen. Die künstlerisch hochbegabte Ika studiert in Berlin Musik und hätte eine Karriere als Konzertpianistin einschlagen können, doch entscheidet sie sich, die Pflege einer Freundin zu übernehmen, was sie bis Mitte dreißig an ihre Heimatstadt bindet. 1893 verlässt Ika Freudenberg Wiesbaden und geht nach München. Sie mischt in München in Sachen Gleichberechtigung auf Anhieb entscheidend mit. Sie gründet mit Anita Augspurg die Gesellschaft, die die geistigen Interessen der Frau fördern will, und das mündet dann 1897 in den heute noch bestehenden Verein für Fraueninteressen. Er verfolgt Ziele wie das kommunale Frauenwahlrecht, Rechtsschutz und verbesserte Arbeitsbedingungen für Dienstmädchen, Kellnerinnen und Schauspielerinnen, aber auch die wahre Gleichberechtigung der Frauen. 1902 wird der Hauptverband der Bayrischen Frauenvereine gegründet, und Ika Freudenberg wird dessen erste Vorsitzende. 1906 wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert; sie stirbt 1912 und wird im Familiengrab in Wiesbaden beigesetzt. 2004 wird in München eine Straße nach ihr benannt. Auch heute würde eine Ika Freudenberg sich hoch engagiert für Frauenbelange einsetzen, denn auch 100 Jahre nach ihrem Tod sind wir von der tatsächlichen Gleichberechtigung noch ein ganzes Stück entfernt.
