Allgemeine Berichte | 26.02.2013

Hilfe zur Selbsthilfe

Den vierten Abend seiner Themenreihe „Dierdorf früher“ in der Alten Schule am Damm stellte der Kulturverein Dierdorf unter das überregionale Thema „Friedrich Wilhelm Raiffeisen - Sein Lebensweg, sein Werk und seine Visionen“

Die Vorträge des Kulturvereins Dierdorf finden immer großes Interesse.

Dierdorf. Den vierten Abend seiner Themenreihe „Dierdorf früher“ in der Alten Schule am Damm stellte der Kulturverein Dierdorf unter das überregionale Thema „Friedrich Wilhelm Raiffeisen - Sein Lebensweg, sein Werk und seine Visionen“. Wie der Referent des Abends, der ehemalige Dierdorfer Pfarrer Martin Seidler, begründete, war Raiffeisen „kein Dierdorfer, aber für die Dierdorfer ein sehr Wichtiger“. Seit 2006 gibt es den Zusammenschluss „Raiffeisenregion“ der Verbandsgemeinden Flammersfeld, Puderbach, Dierdorf und Rengsdorf im westlichen Westerwald, der Region, in der Raiffeisen im 19. Jahrhundert gewirkt hat.Er wurde am 30.3.1818 in Hamm an der Sieg geboren, in eine Zeit hinein, die von politischen Umwälzungen und beschwerlichem Alltagsleben gekennzeichnet war. Die „Realteilung“ in der Landwirtschaft bewirkte eine zunehmende Zersplitterung des Ackerlandes in eine Vielzahl kleiner Äcker, die zum wirtschaftlichen Überleben bald zu klein waren. Am Ende der Entwicklung standen dann oft Verschuldung und Vertreibung der Bauern. Raiffeisen, der nach einer leidvollen Jugendzeit zunächst als Oberfeuerwerker dem Militär diente, musste wegen eines Augenleidens den Dienst quittieren. Nachdem er von seinem Onkel in die zivile Verwaltung eingeführt worden war, wurde Raiffeisen als 26-Jähriger - zunächst kommissarisch- zum Bürgermeister von Weyerbusch ernannt.Die Not der Westerwälder Bevölkerung war groß: Ernteausfälle, Dauerregen und der Hungerwinter 1846/47 dramatisierten die eh schon ärmlichen Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung. Der junge Bürgermeister erkannte schnell, dass Hilfe her musste. Er streckte die vom preußischen Staat gewährte Mehlzuteilung vor, zurückgezahlt werden konnte später. Mit dieser eigenmächtigen Maßnahme geriet er in Konflikt mit dem Landrat, der erwartete, dass die Menschen für das Mehl sofort bezahlten.

Friedrich Wilhelm Raiffeisen ging noch weiter: Er baute ein Backhaus in Weyerbusch und gründete den Weyerbuscher „Verein für Selbstbeschaffung von Brod und Früchten“, einen vorgenossenschaftlichen Hilfsverein. Durch gemeinsamen Einkauf und Backen konnte Gewinn erzielt werden.Nachdem Raiffeisen als Bürgermeister nach Flammersfeld versetzt worden war, erlebte er dort den gleichen Elendszirkel Verpfändung, Verschuldung, Vertreibung. Er wollte die Besitzenden in die Pflicht nehmen - „Eigentum verpflichtet!“ - und sprach wohlhabende Flammersfelder Bürger an. Tatsächlich gründete er mit 80 Bürgern 1849 den Flammersfelder Hilfsverein zur Unterstützung unbemittelter Landwirte, einen vorgenossenschaftlichen Zusammenschluss auf karitativer Grundlage. Er gewährte eine Haftungsgarantie beim Kauf von Vieh und Ausgaben für den Hof.Nach vier Jahren Tätigkeit in Flammerfeld wurde Friedrich Wilhelm Raiffeisen ohne Angabe von Gründen nach Heddesdorf versetzt an den Rand der Stadt Neuwied, wo der Bürgermeister ganz andere Bedingungen vorfand: Arbeitslosigkeit, soziale Probleme, Verwahrlosung. Deshalb gründete er 1854 den Heddesdorfer Wohltätigkeitsverein, der mit den Beiträgen wohlhabender Bürger soziale Projekte und Schulausbildung finanzierte. Nachlassendes Engagement führte zur Auflösung des Vereins und zur Gründung eines neuen Vereins, in dem die Hilfsbedürftigen selbst zum Träger des Vereins wurden nach dem Motto: „Einer für alle, Alle für einen!“ Das war eine Genossenschaft mit unbeschränkter Solidarität aller Mitglieder nicht nur zur Regelung finanzieller Fragen, sondern auch für die Teilhabe an Bildung, Begleitung und Betreuung von Kindern und Strafentlassenen.

Unter Mitwirkung Raiffeisens entstanden in schneller Folge weitere Genossenschaften mit dem Ziel: Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung. Der Referent betonte, dass Raiffeisen stets aus christlicher Verantwortung gehandelt habe, wie er den Quellentexten entnommen habe.

Zur Einleitung seines Vortrags hatte Seidler bildlich und verbal zwei sehr unterschiedliche Projekte gegenüber gestellt: Mechanische Nähmaschinen in Muku/Kongo und das Backhaus in Weyerbusch. Laut Seidler ist das verbindende Element die gleiche Idee, deren Wirkung jeweils die gleiche ist: Hilfe zur Selbsthilfe. Beide Unternehmungen dienen der Überwindung der Armut und des Hungers in dieser Welt, „eine der größten Herausforderungen“. Die Idee Raiffeisens hat zwischenzeitlich weltweit Verbreitung gefunden.

Die Vorträge des Kulturvereins Dierdorf finden immer großes Interesse.

Die Vorträge des Kulturvereins Dierdorf finden immer großes Interesse.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Mirko Walden: Es ging doch darum, dass nicht gewarnt wurde und die Lage nicht erkannt wurde. Ebenfalls wurden keine Maßnahmen umgesetzt. Was ist hierzu passiert? Was bringen neue Sirenen, wenn nicht evakuiert wird?...
  • Dieter Borrmann: Der landschaftlich großartige Weg unterhalb Brauselay über den Conder Kreuzweg nach Cond ist teils unbefestigt, teils sehr glatt, teils steil. Sehr gutes, rutschfestes Schuhwerk (Profilsohle) wird unbedingt angeraten.
  • Bertram: Das ist mittlerweile der 4. Bus der von dieser Marke vollkommen ausbrennt. Des Weiteren berichte die Rhein Zeitung darüber, dass der VREM 37. Busse der ersten Generation vorsichtshalber außer betrieb...
  • Fabian F: Nichts Neues gefühlt ein Bus pro Woche
Holz Loth-Entsorgung
Wir helfen im Trauerfall
Wohnträume
  WÄRMEPUMPE ÖL/GASHEIZUNG
Wohnträume
Staplerfahrer (m/w/d)
Sonderseite Geschäftsführungswechsel
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26
Empfohlene Artikel
Mitgliederversammlung in der Thalhauser Mühle
7

In der Mitgliederversammlung des Touristik-Verband Wiedtal e.V. in der Thalhauser Mühle warfen die Teilnehmer einen Blick auf die anstehende Saison, in der wieder zahlreiche Aktionen und Marketingmaßnahmen geplant sind. Zu Beginn stellte Katrin Hoffmann vom Naturpark Rhein-Westerwald dessen Aufgaben und Handlungsfelder vor. Über das Handlungsprogramm bestehen vielfältige Fördermöglichkeiten, gerade auch im Bereich Tourismus.

Weiterlesen

Symbolbild.
506

Buchholz. Am Sonntag, dem 22.03.26 wurden im Rahmen eines Schadensfalls mit zwei toten und einem verschwundenen Damwild aus dem Gemeindegebiet Buchholz, Verbandsgemeinde Asbach (Kreis Neuwied) DNA-Abstriche genommen und an das Senckenberg Institut zur Analyse überstellt. Bei der Untersuchung der Proben wurde als Ergebnis „Wolf“ mit dem Haplotyp HW01 - daher zugehörig zur Mitteleuropäischen Flachlandpopulation - nachgewiesen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Uli Hagedorn, Leiter des Bauhofes, (links) und Bürgermeister Sven Schnieber (rechts) stellen den neuen digitalen Stadtmelder vor.Foto: Stadt Meckenheim
4

Meckenheim. Meckenheim wird digitaler: Mit dem neuen online Stadtmelder können Hinweise zu Schäden in der Umgebung jederzeit von unterwegs oder von zu Hause aus gemeldet werden. Ob Schlagloch, Astbruch im Park oder Müll im Stadtgebiet – einfach Standort festlegen, kurze Beschreibung eintippen, Foto machen, senden und fertig – rund um die Uhr, sieben Tage die Woche.

Weiterlesen

Diese prächtige Aussicht bietet sich Besucher des Olivenhains. Foto: ROB
24

Oliven neigen dazu, die Gemüter zu spalten. Irgendwie gibt es kein Zwischending zwischen „Lecker“ und „Bah“. Die Steinfrüchte werden entweder geschätzt oder mit Missgunst gestraft. Dabei wird die Olive an manchen Stellen möglicherweise unterschätzt. Denn die Qualitäten liegen auf der Hand: Sie pimpt jede noch so schnöde Pizza außerordentlich, schmeckt zum Aperetif und ist irgendwie etwas zum Wohlfühlen: fettig, vollmundig, kräftig.

Weiterlesen

Jan Erik-Burkard (Leiter Unternehmenskommunikation & Events der VR Bank RheinAhrEifel) mit den Bewerbern, sowie Gewinnern des bundesweiten Vereinswettbewerbs „Sterne des Sports“ 2025.
14

Der bundesweite Vereinswettbewerb für gesellschaftliches Engagement

Bewerbungsstart für „Sterne des Sports“ 2026

Region. Die Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) rufen Sportvereine zur Teilnahme am bundesweiten Vereinswettbewerb „Sterne des Sports“ auf.

Weiterlesen

Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Imageanzeige
Dauerauftrag 2025
Image Anzeige
Dauerauftrag 2026
Werbeplan 2026
Dauerauftrag 2026
Titelanzeige
Titelanzeige KW 15
Kleinanzeigen
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
Wohnträume
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
Sonderseite 02 -Wohnträume NR
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten- Modernisieren
Anzeige Beratertage Schlafexperte
Titelanzeige
online Anzeige Konekt Wirges