Leserbrief zum Thema „PEGIDA“
Mündige Bürger sollten überlegen, mit wem sie sich solidarisieren
Hanroth. Wenn eine Gruppierung sich unter der Überschrift „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ zusammenfindet, dann stehen hier in meinen Augen klar rassistische Motive im Vordergrund.
Und wenn sich Menschen unter diesem Aufhänger auf die Straße begeben, dann erscheint mir die Behauptung, die Motive der meisten Demonstrationsteilnehmer seien keineswegs in Ausländerfeindlichkeit, sondern in einer „allgemeinen Unzufriedenheit mit der Politik“ zu suchen, doch sehr weit hergeholt. Wenn ich mit der Sozial- oder Wirtschaftspolitik der Bundesregierung nicht einverstanden bin, sollte sich die Überschrift des Protestes auch auf die Sozial- oder Wirtschaftspolitik beziehen. Ich erwarte von mündigen Bürgern, dass sie sich damit auseinandersetzen, mit wem sie sich solidarisieren. Und wer genau hinsieht, kann das durchaus erkennen. Hier wird versucht, in den Köpfen der Bevölkerung Muslime mit Islamisten gleichzusetzen; genauso absurd wäre es, Christen und Anhänger des Ku-Klux-Klan, der ja angeblich auch christliche Werte vertritt, in einen Topf zu werfen.
Die Aufmärsche in Dresden und Leipzig erinnern erschreckend an das deutsche Mitläufertum in der Nazizeit. Menschen, die sich auch noch selbst als Opfer sehen, versammeln sich hinter einer menschenfeindlichen Grundhaltung und behaupten auch noch, sie seien „das“ Volk. Dass es den rechtsnationalen Drahtziehern gerade in Deutschland wieder gelingt, Massen von „besorgten Bürgern“ mit plumper ausländerfeindlicher Polemik auf der Straße zu versammeln, wird im Ausland mit Sicherheit nicht positiv aufgenommen. Welchem Gott auch immer sei jedenfalls gedankt, dass derzeit bundesweit bei zahlreichen Gegenkundgebungen weit mehr Menschen für ein weltoffenes und tolerantes Deutschland eintreten, als PEGIDA, LEGIDA und wie sie alle heißen auf die Straße bringen – und ich hoffe sehr, dass das so bleibt!
Gudrun Winkler,
Hanroth
