Feuchtigkeitsschäden und fehlerhafte Dämmung: Wird der Dernbacher Kindergarten geschlossen?
Sanierung oder Verkauf?
Verbandsgemeinde Puderbach informiert am 4. Mai über den aktuellen Stand
Dernbach. Der Dernbacher Kindergarten wurde neu gebaut und 1995 seiner Bestimmung übergeben. Teile des Kindergartens haben ein Flachdach, abgedichtet mit Folie und Kies. Bereits nach kurzer Zeit kam es immer wieder zu Feuchtigkeitsschäden am Gebäude. Im Herbst 2014 fiel die Entscheidung, dass ständiges Flicken nicht die Dauerlösung sei. Es soll ein Pultdach das Flachdach ersetzten. Die Kindergartenkinder siedelten Anfang des Jahres nach Urbach um, um die Sanierung vollziehen zu können. Die ursprüngliche Planung war, dass die Renovierung bis zu den Sommerferien abgeschlossen ist. Daraus wird jetzt nichts. Mit Beginn der Arbeiten traten mehr und mehr Schäden zutage. Es stellte sich auch heraus, dass die ursprünglich eingebaute Dämmung und die Dampfsperre fehlerhaft ausgeführt wurden. Insofern muss nicht nur die Dämmung im Bereich des Flachdaches, sondern im gesamten Haus komplett erneuert werden. Regress an die seinerzeit ausführende Firma ist nicht mehr möglich, da das Unternehmen nicht mehr existiert. Die ersten Kostenschätzungen für die Sanierung liegen bei rund 138.000 Euro. Dies ist der eine Faktor. Ein anderer Faktor ist die derzeitige nicht volle Auslastung der anderen Kindergärten im Puderbacher Land und die demografische Entwicklung. Dazu Volker Mendel: „In zwei bis drei Jahren hätten wir sowieso auch über den Standort Dernbach diskutieren müssen.“
Verbandsbürgermeister Volker Mendel und Bauamtsleiter Markus Sommer empfingen eine Abordnung der Elternvertreter des Kindergartens im Kindergarten. Mendel gab einen aktuellen Überblick der Situation. Der Verbandsbürgermeister und Bauamtsleiter Sommer zeigten im Detail die noch sichtbaren Schäden und gaben Erläuterungen. Die seinerzeitige Entscheidung, die Kinder in den Kindergarten Urbach gehen zu lassen, stellte sich im Nachhinein als sehr gut heraus. Messungen haben nämlich einen massiven Befall der Dämmmaterialien durch Schimmelpilze ergeben. Der Elternausschuss, mit der Vorsitzenden Jasmin Berg, setzt sich natürlich massiv für die Sanierung und den Erhalt des Kindergartens ein. Dies machte sie bei dem Gespräch ganz deutlich. Die Eltern sammeln derzeit Unterschriften im Dorf, damit „ihr Kindergarten bleibt“. Ortsbürgermeister Rudi Becker will ebenfalls den Kindergarten im Ort halten. Sie sehen das Wohl des Kindes im Vordergrund und keine wirtschaftlichen Überlegungen. Ferner weisen sie darauf hin, dass ein Kindergarten am Ort ein klarer Standortfaktor ist. Volker Mendel informierte auch, dass die Sanierungskosten über die Verbandsgemeindeumlage auf alle Orte der Verbandsgemeinde umgelegt werden. Dies würde aus heutiger Sicht zwei Prozentpunkte Erhöhung ausmachen. Derzeit stehen zwei Optionen zur Diskussion: Dies wäre die Sanierung, die bis Ende des Jahres abgeschlossen sein könnte. Die Alternative wäre, dass alle schadhaften Teile des Bauwerkes ausgebaut werden und das Gebäude dann so veräußert wird. Der Erlös des Grund und Bodens würde an die Ortsgemeinde fließen, da deren Eigentum. Der Erlös der Aufbauten geht an die Verbandsgemeinde. So wurde es seinerzeit geregelt. Bei dieser Variante müsste die Verbandsgemeinde jedoch noch Fördergelder zurückzahlen. Die Gewährung der Förderung von Kreis und Land waren an eine Nutzungsdauer von 25 Jahren geknüpft. Die Rückzahlung für die fehlenden fünf Nutzungsjahre beliefe sich auf 67.000 Euro. Die Zeichen stehen in der Verwaltung in Puderbach derzeit eher auf Schließung der Einrichtung. Wobei Verbandsbürgermeister Volker Mendel betont, dass noch keine Entscheidung gefallen sei.
Verbandsgemeinderat hat das „letzte Wort“
Das letzte Wort hat der Verbandsgemeinderat, der am 7. Mai tagt. Im Vorfeld ist jetzt zu hören, dass an diesem Abend, zu dem Punkt 15 der Tagesordnung „Kindergarten Dernbach“ keine Entscheidung fallen wird. Beginn der öffentlichen Sitzung ist 18 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Daufenbach. Der Finanz- und Hauptausschuss hat bereits getagt und verlangt für eine Empfehlung detaillierte Zahlen und Fakten. So sieht es auch der Ortsgemeinderat Dernbach, der zu einer internen Dringlichkeitssitzung zusammenkam. Der gemeinsame Tenor war: „Wir wollen das Sparen unterstützen. Eine Entscheidung bezüglich des Kindergartens können wir aber nicht treffen, da uns fundierte Zahlen fehlen“ war die einhellige Meinung der anwesenden Ratsmitglieder. Die Ortsgemeinde prüft derzeit die Verträge. Der Grund und Boden gehört der Ortsgemeinde. Über die Aufbauten wurde vor 20 Jahren ein Vertrag mit dem Zweckverband Kirchspiel Urbach getroffen, dessen Rechtsnachfolgerin die Verbandsgemeinde Puderbach ist. Ortsbürgermeister Rudi Becker ist sich nicht sicher, ob die Verbandsgemeinde, ohne ihre Einwilligung überhaupt befugt ist, in Verkaufsverhandlungen für den Kindergarten Dernbach zu treten.
Der Vorsitzende Jürgen Trenck bedankte sich bei den Mitgliedern für die geleistete Arbeit: „Die Verbandsgemeinde ist sehr vielfältig und wir werden uns auch um die kleineren Orte und die Lebensqualität dort kümmern; denn wir geben kein Dorf auf, wie man es jetzt in den Medien hört. Wir werden uns auch für die ortsnahe Kinderbetreuung einsetzen. Wir dürfen keinen der vorhandenen Kindergärten aufgeben.“
Ortsbürgermeister Rudi Becker fragt sich, wo der plötzliche Sinneswandel in großen Teilen der SPD jetzt herkommt, wenn ernsthaft diskutiert wird, den Dernbacher Kindergarten zu schließen, zumal kürzlich ganz andere Beschlüsse im Vorstand gefasst wurden. Weiterhin bemängelt Becker, die schlechte Bauunterhaltung des Kindergartens in der Vergangenheit. „Immer wieder standen Eimer im Kindergarten, um das eindringende Wasser aufzufangen. Hier wurde viel zu langsam reagiert. Nach meiner Meinung hätten die Schäden nicht das jetzige Ausmaß erreichen müssen.“
„Ein Kindergarten im Ort ist ein ganz klarer Standortvorteil“
In Dernbach wird folgende Rechnung aufgemacht: Die Beseitigung der Schäden belaufen sich nach aktuellen Schätzungen auf 138.000 Euro. Bei einer Schließung sind 67.000 Euro an die Fördergeber zurückzuzahlen. „Also reden wir unter dem Strich über 71.000 Euro echten Kosten.“ Ein Kindergarten im Ort ist ein ganz klarer Standortvorteil, zumal wir ein großes Industriegebiet mit vielen Arbeitsplätzen haben. Dernbach sieht auch für die nächsten fünf Jahre keinen Rückgang der Zahlen für den Kindergarten, der derzeit zweizügig ist. Zuletzt wurden 34 Kinder dort betreut. Der Ortsgemeinderat überlegt derzeit ein neues Baugebiet auszuweisen, da es aktuell keine Bauplätze in Dernbach gibt und eine Nachfrage besteht. Ohne Kindergarten am Ort sinken die Chancen der Vermarktung, davon ist der Gemeinderat überzeugt.
Bürger werden informiert
Am 4. Mai informiert die Verbandsgemeinde Puderbach die Dernbacher über den aktuellen Stand. Die Veranstaltung wird um 17 Uhr im Haus der Buchen (derzeitiger Stand) stattfinden. Dann werden die Dernbacher ihre Argumentation für den Erhalt des Standortes Dernbach klar formulieren.
