Allgemeine Berichte | 15.07.2015

Veranstaltung der Projektgruppe Jugend, Kultur und Soziales der VG Puderbach

„Und sie bewegt dich noch“

Das Publikum erlebte „Hüsch“ auf der Bühne, aber auch im Himmel. „Ich möchte ein Clown sein“ sang Irmgard Haub unter anderem (Bildmitte). -WT-

Puderbach. Der Projektgruppe Jugend, Kultur und Soziales der Verbandsgemeinde Puderbach war es gelungen, die Westerwälder Literaturtage und damit das Bühnenstück von Jürgen Kessler für Hanns Dieter Hüsch auf die Bühne nach Puderbach in den Alten Bahnhof zu holen. Jürgen Kessler, Leiter des Deutschen Kabarettarchivs, nahm für die Produktion des Stücks ein Jubiläum zum Anlass. Der berühmteste literarische Kabarettist der Bundesrepublik wäre am 6. Mai 2015 neunzig Jahre alt geworden: Hanns Dieter Hüsch. Tatsächlich wurde er achtzig Jahre alt, am 6. Dezember 2005 starb er. Hüsch war Kabarettist, Schriftsteller, Kinderbuchautor, Schauspieler, Liedermacher, Synchronsprecher und Rundfunkmoderator.

Mit über 53 Jahren auf deutschsprachigen Kabarettbühnen und 70 eigenen Programmen galt er als einer der produktivsten sowie erfolgreichsten Vertreter des literarischen Kabaretts im Deutschland des 20. Jahrhunderts. Mehr als dreißig Jahre lang, bis zum Jahr 2002, war Kessler als Fahrer, Tourneemanager und professioneller Begleiter an der Seite von Hanns Dieter Hüsch. Nun lässt er in seiner szenischen Lesung „Und sie bewegt dich noch“ mit eigenen und mit Hüsch-Texten Leser oder Hörer tief eintauchen in Hüschs Ansichten und Einsichten auf die Welt und die ihn umgebenden Menschen.

Zusammen mit Holk Freytag, Regisseur, Dramaturg und Intendant, ebenso lange, wie Kessler mit Hüsch befreundet, brachte er Dialoge zwischen Hüsch und seinem Agenten auf die Bühne. Freytag mimte den Hüsch und Kessler dessen Agenten. Kessler und Hüsch oder Hüsch und Kessler - Originaltexte und nachempfundene Sätze, Worte, die Hüsch in den Mund gelegt oder von Hüsch dem Agenten vermittelt wurden - die Urheber sind miteinander verwachsen, der Eine des Anderen Alter Ego, denn Kessler ist an Hüschs Gedankengut und Diktion ganz dicht dran.

Musikalische Eröffnung

Irmgard Haub eröffnete mit Keyboard den Abend mit Hüschs „Abendlied“. Sie spielte zudem die Archivarin, die Freytag die zu rezitierenden Skripte vorlegte. „Da preisen sie den Mai mit großen Lettern…Alles neu? Oh nein…Nur die Seele, das uralte Ding, ist nicht zu erneuern…Der Mensch, dressierte Eintagsfliege…Der Mensch braucht Kraft, drum braucht er auch den Mai, der arme Mensch.“ Einen „Poeten der kritischen Phantasie“ hatte Ex-Bundespräsident Johannes Rau den Denker genannt. Dialoge Kesslers mit Hüsch im Jenseits zeigten den Anfang und den Werdegang der Künstlerkarriere. Hanns Dieter Hüsch wuchs in den 1930er Jahren in der niederrheinischen Kreisstadt Moers auf. „Alles, was ich bin, ist niederrheinisch“ und „Niederrhein ist überall“, bekannte er später. Der Klang des Niederrheins, die Melodie seiner Kindheit, war überall, ganz egal, wo er auftrat, es durfte nur nicht so weit weg sein. Hüschs Stationen waren „mein kleines Moers“, Köln und Mainz, das ihn zum Ehrendoktor der Johannes-Gutenberg-Universität ernannte und einen Stern auf dem „Walk of fame“ widmete.

Hüsch war vernarrt in den Dreispitz. Auch in Puderbach setzte Freytag-Hüsch den markanten Hut auf und erinnerte sich mit spitzbübigen Lächeln an seine Auftritte als Napoleon in dem Stück „Von Austerlitz bis Gallenstein“, in dem er das Publikum verunsicherte: „Ich habe mein Waterloo hinter mir, ihr habt es noch vor euch.“ Hüsch ging nach Köln, wo er mit Glanz und Gloria seinen 65. Geburtstag feierte, ein zweites Mal heiratete und „Ein neues Kapitel“ aufschlug. In seinem 51. Bühnenjahr traf ihn eine schlimme Diagnose. In einer Gala nahm er Bühnenabschied von Mainz und Moers. Für 2001 zum Jubiläum 100 Jahre Kabarett war ein Mammutprogramm „Da Capo“ in Berlin geplant. Es ist nichts daraus geworden. Hüsch tröstete: „Wenn wir auch sonst nirgendwo hinkommen, kommen wir wenigstens ins Archiv. Irgendwo zwischen Himmel und Erde sind wir wieder auf Tournee…“

Er machte Kabarett für seine Verse und Gedanken

„Ich möchte ein Clown sein“ sang Irmgard Haub und zeichnete damit ein Bild des Künstlers, der „Synthese aus Charlie Chaplin und Jesus“, der nicht nur Clown war, sondern auch Botschafter, Spekulant, Lyriker, Anti-Kabarettist und Mahner. Er machte Kabarett für seine Verse und Gedanken, nicht umgekehrt. Seine Auftritte waren Zwiesprache eines Dichters mit seinem Text. „Mit den Formen stellen sich die Inhalte ein.“ Unterwegs sein war ein philosophischer Zustand, am besten unterwegs und allein. Radio-Einspielungen von Texten und Original-Tönen seiner selbst wie von Kollegen und Freundinnen lockerten das Programm auf. Neben Hüsch hörte man zum Beispiel die Stimmen von Renate Hildebrandt und Ottfried Fischer. Das Bühnenstück umfasst nur zum geringeren Teil Originaltexte, -lieder, -gedichte von Hüsch. Den Rest hat Jürgen Kessler dazu erdacht, etwa den Blick auf die aktuelle Kabarettszene: „Es läuft nicht gut hier unten, Hanns-Dieter. Unter den Kabarettkollegen gibt es immer mehr Unternehmer. Ihr Angebot wird primär von der Nachfrage bestimmt. Sie sind durchdrungen von Ökonomie. Es geht um Spaß und Kohle, um Kult und Quote.“ „Die Welt kriegt einfach nie genug von Lug und Trug. Zuviel Versager unterm Himmelszelt!“, die Zeile aus dem Lied „Krise“ würden viele Menschen unterschreiben. Das Land hat sich verändert. Das neueste Zauberwort heißt „Inklusion“, erfuhr Hüsch. Bezeichnend der Versprecher eines Politikers: „Wir werden alles dafür tun, die Wahrheit zu erfinden.“ Es ist spät in Europa, es ist spät in der Welt….Was steigt, ist die Schuld. Die beiden Sprecher konstatierten: „Die Zeit ist gefräßig, sie nagt am Leben. Der Krieg geht nie vorbei. Er sieht sich nach Gelände und dann nach neuen Menschen um… Es herrscht Weltuntergangsstimmung… Der arme Mensch- Was tut er sich an?... Frau ist keine Frau mehr, sondern Frauen sind Menschen mit Menstruationshintergrund… Ihr habt euren Nachwuchs im Stich gelassen mit dem, was ihr für Erziehung haltet!... Wer seine Jugend verkommen lässt, lässt sein Land verkommen.“ Hüsch analysiert die Leute und liest seinem Volk die Leviten. Und stellt fest: „Unsereins schreibt nicht mehr, unsereins schweigt. Der Himmel kommt ohne Worte aus.“ Die Reminiszenz „Und sie bewegt dich noch“ ist eine Variation auf Hüschs letztes philosophisches Kleinkunstprogramm von 1984: „Und sie bewegt mich doch!“ Die Zuhörer, die zum Teil den großen Hanns Dieter Hüsch live erlebt hatten, freuten sich, dass der Kabarettist zwar nun im Himmel ist, aber noch sehr lebendig auf Erden. Seine Worte sind immer noch zutreffend. So motivierte anhaltender Applaus im Alten Bahnhof Puderbach die vier Künstler, „eine Zugabe zu versuchen, die ausnahmsweise wirklich nicht geprobt ist.“ Mit kräftigem Alt präsentierte Irmgard Haub: „Im Affenzirkus gehen die Lichter aus.“

Das Publikum erlebte „Hüsch“ auf der Bühne, aber auch im Himmel. „Ich möchte ein Clown sein“ sang Irmgard Haub unter anderem (Bildmitte). Foto: -WT-

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