Ende des Zweiten Weltkriegs in Kobern-Gondorf vor 70 Jahren
„Den Toten zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung“
Broschüre „...bevor es vergessen wird“ enthält historisch wertvolle Berichte
Kobern-Gondorf. Das Kuratorium für Heimatforschung und -pflege möchte mit dem folgenden Beitrag daran erinnern, dass im März vor 70 Jahren für Kobern- Gondorf der Zweite Weltkrieg zu Ende ging.
Diese Zeit ist fast eine Ewigkeit her. Aber es gibt noch Menschen, die selbst hautnah das Kriegsende erlebt haben. Wir können von ihnen Informationen aus erster Hand erhalten. Das Kuratorium für Heimatforschung und -pflege Kobern-Gondorf hat eine Broschüre mit dem Titel „...bevor es vergessen wird“ herausgebracht, um die wertvollen Erinnerungen von Zeitzeugen vor dem unwiederbringlichen Vergessen zu bewahren. Aus dieser Broschüre wird hier ein Auszug wiedergegeben, der besonders die letzten Kriegstage im März 1945 beleuchtet, bis es zu dem ersehnten Frieden für Kobern-Gondorf kam. Weitere Informationen auf www.Kuratorium-Kobern.de.
Auszug aus Zeitzeugenberichten
Mittwoch, 14. März 1945: „Die Amerikaner überqueren die Mosel“.
Oberkommando West: Die Nacht zum 14. März 1945 verläuft sehr unruhig mit starkem Artilleriefeuer auf Straßen und Kreuzungen. Der erwartete Angriff der Amerikaner begann am 14. März. Ab 2 Uhr setzte die 90. US-Infanterie-Division über die Mosel, zunächst zwischen Alken und Burgen und später auch bei Kobern und Gondorf. Sie konnte auf dem Ostufer Fuß fassen und mit 2 Infanterie-Regimentern der 90. US-Infanterie-Division auf dem Ostufer der Mosel in Dieblich und Niederfell Brückenköpfe bilden. Am Abend wurden diese bis auf die Höhen ausgedehnt.
Bruno Woyke, Obersturmführer und Kompaniechef der 2. Kompanie, Aufklärungs-Abteilung (mot) 6 in Dieblich: „Kaum war das brauchbare Kriegsgerät gesprengt, wurde mir gemeldet, dass die „Amis“ in Dieblich eingedrungen wären. Gefechtslärm von leichten Waffen bestätigte dies dann auch. Die Sprengung der Pak hatte die Amerikaner erst auf das Vorhandensein von uns aufmerksam gemacht. Nun war klar, somit konnte davon ausgegangen werden, dass Dieblich von jeglichem Beschuss verschont blieb und keine Opfer bei der Bevölkerung zu befürchten wären. Für uns Soldaten in unserem Gefechtsstand im Keller eines Hauses in Dieblich wurde die Lage immer kritischer. Unsere Hausbesitzerin, Frau Scherhag, stürzte in den Keller und berichtete total aufgeregt, dass die Amerikaner vor ihrer Tür ständen. Nun gab es nicht mehr viel zu überlegen. Der Kompanietrupp und ich beluden uns mit den wichtigsten Dingen, vernichteten Feldfernsprecher mit den dazugehörenden Unterlagen, um dann mit Handfeuerwaffen in den Händen die „Absetzbewegung“ zu beginnen. Einer nach dem anderen, aus dem Keller robbend, verließ auf diese Art unseren Gefechtsstand. Teils kriechend, teils laufend gelang es uns, in der Deckung der Häuser und Gärten, Dieblich Richtung Koblenz zu verlassen. Da wir uns ja hinter den Amerikanern befanden, kamen wir nur sehr langsam und vorsichtig vorwärts. Am späten Abend hatten wir es dann geschafft und ich konnte mich bei der benachbarten Division in Boppard melden.“
Karl-Hans Scheu, Oberleutnant, Kompaniechef der 4. schw. Kompanie, Aufklärungs-Abteilung (mot) 6 in Niederfell: „Am frühen Morgen kam dann die Meldung des Postens zwischen Niederfell und Dieblich, dass der Feind mit Schlauchbooten in großer Zahl übersetze und sich bereits auf der Höhe zwischen Niederfell und Dieblich festgesetzt hätte, unter Feuerschutz seiner Artillerie. Die beiden Pendelposten beschossen die Anfänge, wurden dann aber durch Panzer und Artillerie niedergehalten. Nur mit Mühe seien sie zur Meldung nach Niederfell durchgekommen. Meine Kampfstärke betrug 20 Mann. Unser Entschluss war, die Höhe zu erreichen. Als wir unter stetem Beschuss, sobald wir uns zeigten, nach circa einer halben Stunde die Höhe erreichten, war festzustellen, dass der Gegner den Rand der Höhe zur Mosel hin mit mindestens zwei Kompanien besetzt hatte und sich eingrub. Die Mosel war voll von Booten und Kähnen. Wir versuchten einen Angriff, der aber über freie Fläche nicht voran kam, zudem erhielten wir schweres Artilleriefeuer, sodass ich den Befehl zum Rückzug gab.
90th US-Infantry Division: „The enemy expected a crossing, but nevertheless was unable when it was actually launched at two o’clock in the morning of March 14th. Only sporadic small arms and machine fire greeted the 357th as it moved silently across the river in assault boats on the Division left sector. One crossing was made south of Katennes, the other south of Löf.“
Übersetzung: „Der Feind erwartete eine Überquerung, aber trotzdem war er nicht in der Lage, die Ausführung zu verhindern, als die Boote tatsächlich um 2 Uhr am Morgen des 14. März zu Wasser gelassen wurden. Nur sporadisch begrüßten die 357ste Kleinfeuerwaffen und Maschinengewehre, als sie leise den Fluss mit Schlauchbooten auf dem linken Sektor der Division überquerten. Eine Überquerung erfolgte südlich von Kattenes, eine andere südlich von Löf.“ Insgesamt setzte die 3. amerikanische Armee an diesem Tag 14 Bataillone von Treis bis Kobern über die Mosel. Die Entscheidung an der Mosel war gefallen.
