Privater Hochwasserschutz in Kobern-Gondorf
Eigenverantwortung ist gefragt
Beim zweiten Hochwasser-Workshop wurden Erfahrungen, Bedenken und Vorschläge ausgetauscht
Kobern-Gondorf. Zum Glück gab es in den letzten Jahren kein spektakuläres Hochwasser, das Kobern-Gondorf heimsuchte. Da man Hochwasser aber nicht verhindern kann, ist es wichtig herauszufinden, was jeder tun kann, um den eigenen Schaden so gering wie möglich zu halten. Nach dem ersten Workshop im vergangenen Jahr, bei dem es um Hochwasserschutz im öffentlichen Bereich ging, fand jetzt ein zweiter Workshop statt, um über Hochwasserschutz im privaten Bereich zu informieren und zu diskutieren. So trafen sich Anlieger, Betroffene und interessierte Bürger des Ortes im Café-Restaurant „Moselterrassen“. Eingeladen hatte die Bürgerinitiative Hochwasserschutz e.V. Kobern-Gondorf, die sich einen hochwasserfreien Heimatort wünscht. Unter Mitwirkung von Dr. Roland Böttcher, beratender Ingenieur für Wasserbau- und Wasserwirtschaft, Ralf Schernikau vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Weinbau und Forsten, Joachim Arenz und Wilfried Geil von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD) wurde über Erfahrungen und Bedenken diskutiert und Vorschläge gemacht. Auch Verbandsbürgermeister Bruno Seibeld und Ortsbürgermeister Michael Dötsch nahmen teil. Bruno Seibeld übernahm die Begrüßung. Er machte darauf aufmerksam, wie wichtig Hochwasserschutz auch im privaten Bereich ist. Weil Hochwasser nur selten und nicht regelmäßig auftritt, sinkt das Gefahrenbewusstsein bald wieder. Die Betroffenen haben aber die Pflicht, sich selbst um ihre Hochwasservorsorge zu kümmern, denn Hochwasserschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Betroffenen, Kommunen und Staat. Kapitel 1, § 5, Absatz 2 des Wasserhaushaltsgesetzes besagt: Jede Person, die durch Hochwasser betroffen sein kann, ist im Rahmen des ihr Möglichen und Zumutbaren verpflichtet, geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz von nachteiligen Hochwasserfolgen und zur Schadensminderung zu treffen, insbesondere die Nutzung von Grundstücken den möglichen nachteiligen Folgen für Mensch, Umwelt oder Sachwerte durch Hochwasser anzupassen. Wie hoch das Hochwasserrisiko an der Mosel ist, erläuterte Ralf Schernikau anhand von statistisch berechneten Ständen am Pegel Cochem: alle zehn Jahre 902 Zentimeter, alle 100 Jahre 1073 Zentimeter, und sehr selten muss mit einem Extremhochwasser von 1256 Zentimetern gerechnet werden. Einig waren sich die Betroffenen, dass eine Wasserstandsangabe des Pegel Cochem nicht ausreicht. Für Hochwassermaßnahmen in Kobern-Gondorf wäre der Pegel Trier besser geeignet, da mehr Zeit gewonnen würde. In einer interessanten Grafik, zeigte Dr. Roland Böttcher die Überflutungsgebiete des Ortes. Diese Hochwasserkarte macht deutlich, wo sich das Wasser, in 25-Zentimeter-Schritten steigend, ausbreitet. Es wurde deutlich, wie wichtig eine rechtzeitige Warnung ist. Der Bürger hat verschiedene Möglichkeiten, sich über kommende Fluten zu informieren. Zuständig ist der Hochwassermeldedienst in Rheinland-Pfalz, für die Mosel das Meldezentrum in Trier. Dort werden die Messungen der Moseldaten vorgenommen. Die Vorhersagen sind auf dem neuesten Stand der Technik. Hochwassermeldungen starten, wenn der maßgebende Wasserstand an einem der Meldepegel überschritten wird. Für die Mosel bedeutet das, bei Überschreitung der Meldehöhe am Pegel Trier von 500, 600 cm und 700 Zentimetern wird stündlich von 7 bis 21 Uhr und ab 800 Zentimetern rund um die Uhr über die Wasserstände informiert. Es gibt verschiedene Informationswege: Videotext, Rundfunk, Internet und Mobilfunk (SMS, APP). Aktuelles über Hochwasser im Internet ist zu finden unter www.hochwasser-rlp.de. Ralf Schernikau machte den Vorschlag, dass auch über die Website der Gemeinde Kobern-Gondorf Hochwasserdaten weitergegeben werden könnten. Ortsbürgermeister Michael Dötsch nahm die Anregung auf. Nach dem schweren Hochwasser von 1993 hat die Verbandsgemeinde Richtlinien für einen Alarm- und Einsatzplan erstellt, von Verbandsbürgermeister Bruno Seibeld auszugsweise vorgestellt. Er machte klar, dass die Feuerwehr nicht verpflichtet ist, Keller auszupumpen, und die Bürger mit geeigneten Maßnahmen, zum Beispiel Rückstauventilen, Vorsorge treffen müssen. In der Diskussion gab Seibeld zu, dass die Pläne ohne Mitwirkung der Bürger erstellt wurden, aber Anregungen durchaus darin einfließen könnten. Das Konzept der Verbandsgemeinde beinhaltet die Selbsthilfe der Bevölkerung als eine Voraussetzung für die Gefahrenabwehr. Wichtige öffentliche Aufgaben werden von der Feuerwehr, ab Alarmstufe 4 bei einem Pegelstand von 1075 Zentimetern in Trier, auch mit Unterstützung von THW und Nachbarwehren, übernommen. In diesem Fall wird eine Checkliste abgearbeitet, aus der unter anderem hervorgeht, welche Gebiete und Einrichtungen betroffen sind, wo und ob evakuiert werden muss, wo Infrastruktur geschützt werden muss, ob es Erdrutsche gibt, Gebäude einsturzgefährdet sind, wie Einsätze und Helfer koordiniert werden und wie die Versorgung der Bürger gewährleistet ist. Informationen bei Hochwasser soll es auch über Lautsprecher und Telefon geben.
Dr. Ing. Manuela Gretzschel von der TU Kaiserlautern, zuständig für Hochwassermanagement und Bauvorsorge, möchte dazu mit der Verbandsgemeinde Untermosel ein Konzept erstellen, für das sie die Fragen und Anregungen der betroffenen Bürger benötigt. In einer abschließenden Fragerunde wurde gemeinsam über Erfahrungen, Probleme und Maßnahmen diskutiert. Bei diesem Erfahrungsaustausch wurde die Weiterentwicklung des Alarm- und Einsatzplans beschlossen und ein Hochwasser-Notfallplan für Kobern-Gondorf, in den die Erfahrungen und die Wünsche der Betroffenen mit einfließen. Außerdem soll es einen Flyer mit Informationen zur Hochwassergefahr und einer Checkliste zur Selbsthilfe geben. Der nächste Workshop zum Thema „Hochwasserschutz im öffentlichen Bereich“ findet im April dieses Jahres statt. In Vorbereitung dieses Workshops wird in den kommenden Wochen eine Fragebogenaktion durchgeführt, deren Ergebnis in den Workshop einfließt. Die wichtigste Erkenntnis des Workshops ist, nicht zu warten, bis das Ereignis Hochwasser eintritt, sich nicht nur auf Andere zu verlassen, sondern sich im Vorfeld Gedanken zu machen, mit dieser Situation am besten umzugehen. Es gibt viele Möglichkeiten, an zusätzliche fundierte Informationen über Hochwasserschutz im privaten Bereich zu gelangen, nicht zuletzt über das Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz. Auch wenn sich alle wünschen, vom Hochwasser verschont zu bleiben, wird es für einige Moselaner unvermeidlich sein, ab und zu „nasse Füße“ zu bekommen. Gut zu wissen, dass Betroffene und öffentliche Stellen gemeinsam daran arbeiten, dass ihre Zahl so gering wie möglich sein wird.
Verbandsbürgermeister Bruno Seibeld erläutert den Alarm- und Einsatzplan.
