Allgemeine Berichte | 22.07.2015

Lehmer Razejunge freuen sich über gutes Ergebnis

Erste Lavendelernte an der Terrassenmosel

Eine kleine Verschnaufpause haben sich die fleißigen Helfer verdient.privat

Rhein-Mosel. Am Samstag, den 18.Juni, ernteten die Lehmer Razejunge zum ersten Mal ihren Lavendel in der Lehmener Würzlay. Die Razjungen wurden dabei unterstützt von Dipl. Geograph Ralph Arens aus Konz und dem Geschäftsführer des WeinbauverbandesMosel, Gerd Knebel aus Winningen, die sich sehr für die Aktivitäten der Razejunge interessieren. Der Verein der Lehmer Razejunge startete im Sommer 2014 mit dem für die Terrassenmosel einzigartigem Projekt „Lavendel- und Naturkräuterfelsterrassen“. Ein Anteil von ca. 2.500 m² der Razejunge Weinbergterrassen und gepachteten Flächen wurde für das Projekt „Lavendel- und Naturkräuterfelsterrassen“ in Abschnitten von Mitte des Jahres 2014 bis zum Frühsommer 2015 bearbeitet und mit über 3.200 Lavendelsetzlingen bepflanzt. 20 beteiligte Mitglieder des Vereins leisteten in den letzten zwölf Monaten ehrenamtlich insgesamt rund 650 Stunden im Laufe des Projekts, unabhängig von den sonstigen routinemäßigen Arbeitsstunden im Razejungewingert.

Die Ziele

Die Zielsetzung für das Projekt umfassen mehrere Schwerpunkte: - Entgegenwirkung der zunehmenden Verbuschung schwer zu bewirtschaftender, teilweise stillgelegter Weinbergsteillagen,

- Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt an der Terrassenmosel,

- Berücksichtigung der Aspekte des Klimawandels bei der Neubepflanzung der Weinbergterrassen mit Lavendel, Naturkräutern und Weinbergpfirsichbäumen,

- Winzern mögliche wirtschaftliche Alternativen zum konventionellen Weinbau aufzeigen,

- Innovative, regionaltypische Produkte aus den Pflanzungen entwickeln nach Möglichkeit,

- Attraktivität für den Wander- und Gesundheitstourismus der Region mit zu gestalten,

- Günstige Beeinflussung des DLR Projektes „Lebendige Mosel-Weinberge“

Gefördert wird das Projekt durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) im Rahmen des rheinland-pfälzischen Entwicklungsprogramms „Agrarwirtschaft, Umweltmaßnahmen, Landentwicklung (PAUL), Ministerium für Umwelt, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz.

Die erste Ernte

Nun konnte die erste Ernte von den erntefähigen Lavendelpflanzen eingefahren werden. Sie wurden im Sommer und Herbst 2014 von den Razejungen gesetzt. Gut ein Zentner wurde eingebracht. Die Setzlinge, die im letzten Winter und in diesem Frühjahr in die Erde gebracht wurden, werden für eine größere Erntemenge im kommenden Jahr sorgen. „Wir sind sehr zufrieden. Unsere Erwartungen wurden sogar übertroffen“, so der Projektleiter Dieter Möhring und der erste Vorsitzende Ralf Menden ergänzt, „Wer hätte je gedacht, dass wir einmal im Razejungewingert Lavendel ernten?“ Doch nicht nur die 15 Erntehelfer am vergangenen Samstag legten sich bei hochsommerlichen Temperaturen mächtig ins Zeug, auch unzählige kleine Helfer waren in den letzten Wochen aktiv. In der Vorwoche konnte schon der erste Lavendelhonig geschleudert werden.

Auch die Bienen waren fleißig

Razejung Willi Unschuld war begeistert wie emsig das im Razejungewingert positionierte Bienenvolk war. Eine erste Probe brachte er bereits zur Untersuchung nach Mayen in das Fachzentrum Bienen und Imkerei des DLR für Rheinland-Pfalz. Er ist überzeugt, das ist eine tolle Delikatesse. Die Nachfrage ist bereits so groß, dass nicht alle Interessenten zum Zuge kommen werden. Wo gibt es das auch schon „Honig vom Lavendel“ aus der Terrassenmoselregion? Die Geschwister, Alena und Julian, die beiden jüngsten Erntehelfer, ließen sich eine Kostprobe aus einem kleinen Probierglas sichtlich schmecken, einfach lecker.

Öl und andere Produkte

Ein Teil der Lavendelernte wird destilliert zur Lavendelölgewinnung, ein weitere Teil wird sorgfältig getrocknet und die Blüten werden in Eigenregie versuchsweise zu verschiedenen Produkten weiterverarbeitet. „Wir befinden uns noch in der Lern- und Versuchsphase. Dipl. Geograph Ralph Arens lässt in Zusammenarbeit mit Dr. Christian Ziedorn von unseren geernteten Lavendel Proben zu unabhängigen Untersuchungen am Institut für Pharmazie, Fachbereich Pharmakognosie, der Universität Innsbruck, durchführen. Es wird die Qualität der Inhaltsstoffe der geernteten Lavendelpflanzen in der Lehmener Würzlay ermittelt.“ Ralph Arens, der sich seit Jahren mit dem Klimawandel beschäftigt, ist begeistert vom Engagement der Vereinsmitglieder der Razejunge und führte aus, „man kann die Lehmer Razejunge ruhig als Vorreiter für Lavendelpflanzungen an der Terrassenmosel bezeichnen“. Der Geschäftsführer des Weinbauverbandes Mosel, Gerd Knebel, der im wahrsten Sinne des Wortes im „Schweiße seines Angesichtes“ sein Mittagsbrot bei der Ernte verdiente ergänzte: „Die Lavendelpflanzungen der Razejunge sind ein beachtenswerter, interessanter Beitrag zur Förderung der Biodiversität in den Steillagen der Terrassenmosel.“

Positives Resümee

Nach knapp einem Jahr kann ein erstes positives Resümee von den Razejungen gezogen werden:

Die Pflanzungen sind prächtig gediehen. Die erste Ernte erfüllte bei Weitem die Erwartungen. Flora und Fauna profitierten merklich von den Lavendel- und Naturkräuterpflanzungen der Lehmer Razejunge. Es konnte eine deutliche Zunahme der Schmetterlingspopulationen, u.a. Apollofalter, Kaisermantel, Schwarzer Bär, Segelfalter und Aurorafalter, verzeichnet werden. Der Bestand von Eidechsen, Nattern und Insekten hat augenscheinlich zugenommen. Durch die Bodenbearbeitungs- und Entbuschungsmaßnahmen im Rahmen des Projektes profitierten auch natürliche Wildkräuter, sie können sich nach den Maßnahmen wieder frei entfalten. Das Projekt wirkte sich bisher positiv auf den Erhalt und die Förderung der Artenvielfalt aus. Mehrere hundert Meter wieder freigelegte Trockenmauern wurden von Insekten, Eidechsen, Nattern neu belebt, Kleinbiotope wurden gefördert bzw. entstanden neu. Für den regionalen Tourismus sind die blühenden Lavendelterrassen ein Highlight. Kinder- und Jugendliche, u.a. von Grundschule und KITA Lehmen, wurden im Rahmen des Projekts „Lavendel- und Naturkräuterfelsterrassen“ aktiv mit einbezogen und konnten für den Natur- und Umweltschutz sensibilisiert werden.

Eine kleine Verschnaufpause haben sich die fleißigen Helfer verdient.Foto: privat

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