Allgemeine Berichte | 01.04.2016

Informations- und Diskussionsveranstaltung des Landkreises Mayen-Koblenz in Waldesch

Impulse und Ideen für die wohnortnahe medizinische Versorgung der Zukunft

Nicht immer einig waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion, doch auf dem Weg, eine Allianz für Gesundheit zu schmieden .

Waldesch. Auf die Frage, wie die zukünftige medizinische Versorgung wohnortnah im Landkreis Mayen-Koblenz aussieht, gibt es zurzeit noch keine konkrete Antwort. Für Landrat Dr. Alexander Saftig ist klar: „Es ist ein Thema, das für uns und unsere Zukunft von Bedeutung ist!“ Es ist sinnvoll, über die Strukturen von morgen zu sprechen. „Myk“ macht sich auf den Weg, zu einer Allianz für Gesundheit. Um für diesen Weg die richtigen Partner und Lösungen zu finden, lud der Landkreis ins Bürgerhaus nach Waldesch zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung ein. Dass dieses Thema von großem Interesse ist, zeigte die große Beteiligung von Interessierten an diesem Abend. 110 Einladungen waren verschickt, vollzählig erschienen war der Kreisvorstand sowie Vertreter der Gemeinden, der Senioren, von medizinischen Einrichtungen, Verbandsbürgermeister Bruno Seibeld und viele andere mehr. Der Podiumsdiskussion stellten sich neben Landrat Dr. Alexander Saftig, Dr. Sigrid Ultes-Kaiser – Vorsitzende des Vorstandes Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz, Bernhard Mauel – Geschäftsführer Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, Dr. Wolfram Johannes – stellvertretender Vorsitzender Bezirksärztekammer Koblenz und Susanne Müller – Geschäftsführerin Medizinische Versorgungszentren - Gesundheitszentren - Integrierte Versorgung e. V. Berlin (BMVZ). Der Landrat begrüßte die Gäste und zeigte sich erfreut über das große Interesse. Er informierte über die derzeitige Situation im Landkreis: „Derzeit wird vielfach über den „Hausärztemangel“ gesprochen. Viele haben Angst um den Bestand der Hausarztpraxen im ländlichen Raum. Fakt ist: im Landkreis Mayen-Koblenz werden bis 2020 voraussichtlich 54 Prozent der Hausärzte aus Altersgründen ausscheiden. Das bereitet uns Sorgen, aber wir kennen diese Zahlen und müssen frühzeitig reagieren.“

„Ort sucht Arzt“

Er zeigte auf, was bereits getan wird, um dem entgegenzusteuern. Kreisverwaltung und Wirtschaftsförderungsgesellschaft werben aktiv bei Medizinstudenten in Form von Flyern und Anwerbung auf Webportalen. Auf einer gemeinsamen Homepage, explizit für Medizinstudenten aufgebaut, wird gezielt geworben, auch unter Nutzung der Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung „Ort sucht Arzt“. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie es für die Ärzte gut gemacht werden kann und in der Kommune und miteinander darüber diskutieren, was sinnvoll ist. Die Kommunalpolitik muss jetzt in die Zukunft schauen, nicht wenn es zu spät ist“, so Dr. Saftig. Der Landkreis Mayen-Koblenz möchte aktiv auf seine Attraktivität als Wirtschafts- und Lebensstandort hinweisen, für den Arzt und seine Familie. Ein Reagieren ist auch wichtig, weil der Wettbewerb der Regionen um Fachärzte in naher Zukunft stattfinden wird. Der Landkreis legt den Focus nicht nur auf Hausarztpraxen. Mit dieser Veranstaltung soll der Blick für verschiedene Versorgungsstrukturen bei den Kommunalpolitikern, den vielfältigen sozialen Einrichtungen, Pflegediensten, Pflegestützpunkten, sowie dem Kreisseniorenbeirat und den örtlichen Seniorenbeiräten weiter geöffnet werden. Dr. Saftig ist überzeugt: „Dass es wichtig ist, dass wir mit den verschiedenen Akteuren im Landkreis von Politik über Ärzteschaft, Krankenhäuser und Altenheimeinrichtungen sowie im Pflegebereich gemeinsam Wege beschreiten müssen. Ich bin überzeugt, dass Insellösungen in einzelnen Regionen unseres Landkreises nicht zum Erfolg führen werden. Denn auch hier belegen Zahlen ganz konkret, dass beispielsweise Patienten schon lange nicht mehr den nächstgelegenen Arzt in Anspruch nehmen. Wir müssen gemeinschaftlich eine flächendeckende Versorgung anstreben und die pflegerische Versorgung mit einbeziehen.“ Eine Allianz für Gesundheit, in der gemeinschaftlich für eine langfristige, ausreichende, gesundheitliche Versorgung im Landkreis Myk gearbeitet wird, steht am Ende aller Bemühungen. Weitere Impulse für diese Allianz, soll eine Veranstaltung über IT-Vernetzung und Telemedizin im Juni 2016 geben. Wie sich die zukünftige ärztliche Versorgung gestalten könnte, darüber referierte Susanne Müller vom BMVZ. Sie informierte in ihrem Vortrag anschaulich und detailliert über „Vielfältige Strukturen der ambulanten Versorgungslandschaft sowie kooperative Versorgungsformen“. Der Bundesverband ist ein gemeinnütziger Verein, in dem sich medizinische Einrichtungen und interessierte Unternehmen, mit dem Ziel Kooperationen in der ambulanten Gesundheitsversorgung zu fördern, zusammengeschlossen haben. Dabei gibt er Orientierungshilfe, ermöglicht Wissenstransfer und praxisnahen Austausch von Erfahrungen und wirbt für kooperativ ausgeübte Medizin. Kooperation bedeutet in erster Linie Arbeits- und Verantwortungsteilung. Aber auch die Chance für Ärzte, den Versorgungsansprüchen von Patienten und Gesellschaft nachzukommen und gleichzeitig den persönlichen Ansprüchen an Leben und Arbeit gerecht zu werden. Denn die Arbeitszeit in einer Hausarztpraxis ist nicht nach acht Stunden getan, so bleibt ein ausgefülltes Leben außerhalb oft nicht realisierbar. 66 Prozent der jungen Ärzte würden, wählten sie die Form der Niederlassung, das in Gemeinschaftspraxen tun. Träfen sie eine Entscheidung für die Zukunft, wären nur noch 27 Prozent bereit zu einer Niederlassung, 49 Prozent würden eine Anstellung in einer Klinik und 22 Prozent in einer Praxis oder einem Medizinischen Versorgungszentrum bevorzugen. Es zeichnet sich also ab, dass eine Hausarztpraxis nicht die erste Wahl ist.

Ist ein Medizinisches Versorgungszentrum zukünftig die erste Wahl?

Dafür spricht, dass die Verantwortung im Zentrum dreigeteilt ist in Leistungsbringer, Trägergesellschaft und Gesellschafter-Ebene (Träger/Gründer). In der klassischen Hausarztpraxis und Gemeinschaftspraxis erbringt der Arzt alle Leistungen allein. Bundesweit erhöhte sich die Zahl von MVZ seit dem Jahr 2004 von 70 auf 2073 im Jahr 2014, davon 81 in Rheinland-Pfalz. Susanne Müller sieht die Zukunft der Medizin „weiblich und kooperativ“, weil Ärztinnen flexibler seien. Dazu passt auch die zunehmende Feminisierung in der Ärzteschaft, die 2014 bei 39 Prozent lag. „Das Versorgungssystem kann mit dem klassischen Landarzt als einzige zentrale Figur – auch mit viel Geld – nicht gerettet werden“ ist das Fazit am Ende des Vortrages von Susanne Müller. Anders als diese sieht Dr. Sigrid Ultes-Kaiser, Vorsitzende des Vorstandes der KV RLP, in MVZ nicht die Lösung. Sie forderte in der anschließenden Podiumsdiskussion, das Problem multifaktoriell an zu gehen. Die Kommunen sollten die Finger davon lassen, wenn nötig aber Räumlichkeiten zur Verfügung stellen „Ich sehe die Entwicklung nicht so dramatisch. Wir werden damit leben müssen, längere Wege in Kauf nehmen zu müssen“, sagte sie und stellte den Numerus clausus infrage: „Wir brauchen keine Nobelpreisträger, wir brauchen pragmatische, bodenständige Ärzte mit Empathievermögen.“ Für Dr. Wolfram Johannes von der Koblenzer Bezirksärztekammer begründet sich der Ärztemangel auch in der Kürzung der Studienplätze nach der Wiedervereinigung von 16.000 auf 10.000. „Das Problem der Versorgung im ländlichen Raum brennt allen auf den Nägeln.“ Davon ist auch er überzeugt. Positiv sieht er, dass die Zahl der Prüflinge im ersten Quartal 2016 höher ist, als in den vergangenen Jahren und dass sich viele ältere Ärzte wieder medizinisch engagieren. Bernhard Mauel, als Vertreter des Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, betonte, dass die beiden MVZ in Mayen und Koblenz weiter entwickelt werden, aber räumlich in der Nähe der Kliniken bleiben. „Kein Aktionismus“, fordert Landrat Dr. Alexander Saftig. Der Podiumsdiskussion schloss sich ein Austausch aller Beteiligten an, in der eine Forderung aus dem Publikum lautete, zu propagieren, dass mehr ältere Ärzte in Teilzeit beschäftigt werden. Auch wenn eine Lösung noch in der fernen Zukunft liegt, ist für den Landrat klar: „Der Kreis Mayen-Koblenz ist seiner Zeit voraus, wir reden miteinander!“ Und das ist ein wichtiger Schritt zur Allianz für Gesundheit.

Für Landrat Dr. Alexander Saftig ist klar, dass der Kreis Mayen-Koblenz seiner Zeit voraus ist, weil schon jetzt über die Sicherstellung der medizinischen Versorgung diskutiert wird.

Für Landrat Dr. Alexander Saftig ist klar, dass der Kreis Mayen-Koblenz seiner Zeit voraus ist, weil schon jetzt über die Sicherstellung der medizinischen Versorgung diskutiert wird.

Nicht immer einig waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion, doch auf dem Weg, eine Allianz für Gesundheit zu schmieden .

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Kommentare
01.04.201617:12 Uhr
Madison Sydney

Sehr interessanter Bericht! Schnelle und wie immer präzise Information für die Bürger!
Weiter so!

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