Allgemeine Berichte | 27.03.2013

Ein FSJ im Herz-Jesu-Haus Kühr

Keiner fühlt sich hier alleine

Hannah Spitzlei betreut Menschen mit geistiger Behinderung

Hannah Spitzlei.  Privat

Niederfell. Ein Jahr Zeit, sich über die Berufs- und Studienwahl klar zu werden und sich gleichzeitig sozial zu engagieren: Für junge Leute wie Hannah Spitzlei bietet ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) genau das. Die 19-Jährige aus der Nähe von Mayen-Koblenz arbeitet seit August 2012 im Herz-Jesu-Haus Kühr in Niederfell, einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung. „Mir gefällt besonders gut, dass kein Tag wie der andere ist. Jeden Tag stehe ich vor neuen Herausforderungen und Problemen, die es zu bewältigen gilt“, sagt Hannah Spitzlei. Begonnen hat sie ihr FSJ in einer heilpädagogischen Wohngruppe. Dort habe die Pflege der Bewohner im Vordergrund gestanden, also Waschen, Wickeln und Anziehen, erzählt sie. Inzwischen ist Hannah in eine Kinder- und Jugendwohngruppe gewechselt. Acht Kindern und Jugendlichen hilft sie hier dabei, den Alltag zu bewältigen. „Sie lernen zum Beispiel, bei der täglichen Hausarbeit mitzuhelfen, aber es stehen auch Hygieneerziehung und Verkehrserziehung auf dem Plan“, sagt Hannah. Damit es den jungen Bewohnern nicht langweilig werde, plane die Einrichtung auch immer wieder größere und kleinere Ausflüge. Für Hannah bedeutet das FSJ eine Orientierungsphase, sagt sie. „Ich wollte nach 13 Jahren Schulen endlich einmal weg von der Schulbank und in das richtige Berufsleben reinschnuppern.“ Besonders Spaß mache ihr die Arbeit mit den Jugendlichen. Denn wegen des geringen Altersunterschiedes fühle sie sich mit ihnen besonders verbunden. „Mein schönstes Erlebnis war nach einem Konflikt mit einem Bewohner. Ein anderer Bewohner kam hinzu und tröstete mich.“ Erfahrungen wie diese zeigen ihr, wie wichtig es sei, nicht zu schnell über Menschen zu urteilen. Die Bewohner in den Wohngruppen seien alle „wundervolle Individuen“, die ihre Macken aber auch ihre Vorzüge haben. „Aber sie nehmen sich gegenseitig in der Gruppe so an, wie sie sind. Keiner wird ausgegrenzt, keiner fühlt sich jemals alleine gelassen.“ Alleine sind auch die FSJler nicht während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres: Bei den regelmäßigen Seminarwochen könne sie sich mit anderen FSJlern in der Gruppe auch mal über Probleme und Ärgernisse austauschen, sagt Hannah. „Ich würde das FSJ allen Unentschlossenen empfehlen, die etwas für andere und für die Gesellschaft tun möchten. Oft haben FSJler auch bessere Einstiegschancen in den Job.“ Die Arbeitsstelle „Soziale Lerndienste im Bistum Trier“ bietet neben dem FSJ seit 2011 auch den neuen Bundesfreiwilligendienst (BFD) an. Wer sich für ein FSJ oder BFD entscheidet, wird je nach Interesse und Bedarf für sechs bis max. 18 Monate in Kindertagesstätten, Krankenhäusern, Einrichtungen der Behindertenhilfe, Seniorenwohnheimen, Schulen, in der Jugendarbeit oder Gemeinwesenprojekten eingesetzt. Die Freiwilligen erhalten ein Taschengeld, die Sozialversicherungsbeiträge werden übernommen, der Kindergeldanspruch bleibt bestehen. Am Ende gibt es ein Zeugnis. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.soziale-lerndienste.de, unter www.facebook.com/soziale.lerndienste oder unter Tel. (06 51) 99 37 96 -3 02. Bewerbungen für ein FSJ oder einen BFD sollten unbedingt frühzeitig erfolgen an: Soziale Lerndienste, Dietrichstraße 30a, 54290 Trier oder direkt an die gewünschte Einsatzstelle. Eine Übersicht über mögliche Einsatzstellen findet sich unter www.soziale-lerndienste.de.

Hannah Spitzlei. Foto: Privat

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