Politik | 27.01.2015

Gedenkstunde der Stadt Rheinbach im Stadtpark

Nazis ermordeten vor 70 Jahren drei junge Ukrainer

Bürgermeister Stefan Raetz, Peter Mohr und zahlreiche Rheinbacher gedachten in einer Gedenkstunde der drei vor 70 Jahren im Stadtpark ermordeten ukrainischen Zwangsarbeiter. JOST

Rheinbach. Es war bitterkalt an jenem Freitagmorgen Anfang 1945, als 150 polnische und ukrainische Zwangsarbeiter aus Rheinbach und den umliegenden Ortschaften unter einem Baum im Rheinbacher Stadtpark zusammengetrieben worden waren.

Knapp zehn Grad unter Null zeigte das Thermometer am 26. Januar 1945 an, doch noch weitaus mehr ließ das Geschehen vor Ort den jungen Männern und Frauen das Blut in den Adern gefrieren.

Sie, die zuvor in ihrer von Nazideutschland besetzten ukrainischen Heimat einfach von der Straße weggefangen und als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt worden waren, mussten nämlich mit ansehen, wie drei junge ukrainische Zwangsarbeiter aus nichtigem Grunde von Schergen des nationalsozialistischen Unrechtsregimes erhängt wurden.

Peter Spaak, Wladislaus Talzschaview und Wladislaw Dedjarew hatten beim Trümmerräumen eine Damenstrickjacke, eine Hose und einige Flaschen Wein mitgenommen, deshalb mussten die Jugendlichen sterben – vor allem, um ein Exempel zu statuieren.

Zwei Monate später war der Krieg vorbei und Nazideutschland besiegt, doch die Täter von damals seien bis heute nicht für ihre Taten belangt worden, hatte Peter Mohr akribisch recherchiert.

Der damalige Rheinbacher NS-Bürgermeisters Joseph Wiertz und sein Polizeichef Schmitz hätten diese „Sonderbehandlung“ eigenmächtig und ohne Gerichtsverhandlung beschlossen und mithilfe einiger städtischer Bediensteter und überzeugter Nazis auch in die Tat umgesetzt.

Rüstzeug für das Morgen finden

Rund drei Dutzend Bürgern fanden nun, genau 70 Jahre später, unter eben dieser mittlerweile aus Sicherheitsgründen arg zugeschnittenen „Ukrainer-Esche“ ein, um jener Opfer zu gedenken.

Niemand habe Schuld auf sich geladen, betonte Mohr in seiner kurzen Ansprache. Doch auch diese

Tat gehöre zur Historie der Stadt, man müsse sie kennen, um über die Geschichte nachdenken und das Rüstzeug für das Morgen finden zu können. Es gebe die Verantwortung, sich der Ortsgeschichte von Rheinbach zu stellen und sie an die folgende Generation weiterzugeben.

Deshalb freute er sich besonders, dass sechs Viertklässler von der katholischen Grundschule St. Martin gemeinsam mit Schulleiterin Maria Orth an der Gedenkfeier teilnahmen und den Erklärungen Mohrs aufmerksam lauschten.

Trauer und Entsetzen

Bürgermeister Stefan Raetz war der Ansicht, es handle sich um einen ganz besonderen Gedenktag für Rheinbach, weil in diesem Fall Einheimische die Täter gewesen seien. Über die Trauer und das Entsetzen darüber, dass es in Rheinbach zahlreiche Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gegeben habe, dürfe man nicht die Augen davor verschließen, dass es auch Täter in der Stadt gegeben hat. „Wir gedenken, aber wir mahnen auch, weil wir wissen, wozu Menschen - leider auch heute noch - fähig sind.

So etwas darf nie, nie wieder geschehen!“ Entscheidend sei, dass auch heute niemand wegsehen und sich wegducken dürfe, sondern dass man gemeinsam gegen alle Formen des Rechtsextremismus und der Fremdenfeindlichkeit vorgehe, so der Bürgermeister.

Ein Holzkreuz mahnt

Vor einem Jahr hatte es erstmals eine Gedenkfeier an der Stätte des Verbrechens gegeben. Seither erinnert ein schlichtes Holzkreuz an die schlimmen Geschehnisse, aufgestellt vom kürzlich verstorbenen Hubert Pfahl.

Der ehemalige Bestattungsunternehmer war als zehnjähriger Junge Zeitzeuge des Mordes gewesen, was ihm bis zuletzt unvergessen geblieben war. Bürgermeister Stefan Raetz freute sich sichtlich, dass das Holzkreuz ein Jahr unbeschädigt an dieser Stelle „gehalten und die Menschen wach gehalten“ habe, es sei nicht beschädigt und nicht zerstört worden, „das ist ein gutes Zeichen!“ Jetzt sollte es auch gemeinsam gelingen, rund um diesen Baum zur Mahnung nach 70 Jahren eine würdige Gestaltung mit einem dauernden Zeichen des Gedenkens zu erreichen, wünschte er sich

.

Bürgermeister Stefan Raetz, Peter Mohr und zahlreiche Rheinbacher gedachten in einer Gedenkstunde der drei vor 70 Jahren im Stadtpark ermordeten ukrainischen Zwangsarbeiter. Foto: JOST

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