Zur Debatte um die Sinziger Innenstadt
Attraktive Innenstadt ja, Fußgängerzone nicht zwingend
aus Sinzig
Sinzig. Mit Interesse habe ich den Leserbrief „Die Sinziger Innenstadt verödet – Hauptsache, das Auto kommt durch“ gelesen.
Unstrittig ist, dass unsere Innenstadt vor Herausforderungen steht. Ebenso unstrittig ist, dass die Aufenthaltsqualität verbessert werden sollte. Genau deshalb stoßen die von der GEWI und dem beauftragten Planungsbüro vorgestellten Konzepte zur Neugestaltung von Markt- und Kirchplatz grundsätzlich auf große Zustimmung. Mehr Begrünung, Wasserelemente, attraktive Aufenthaltsbereiche und eine insgesamt ansprechendere Gestaltung können dazu beitragen, die Innenstadt für Bürger und Besucher deutlich lebenswerter zu machen.
Die Frage ist jedoch, ob dafür zwangsläufig eine Fußgängerzone erforderlich ist.
Die Diskussion wird derzeit häufig so geführt, als gäbe es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man sei für eine Fußgängerzone und damit für eine attraktive Innenstadt oder man wolle alles beim Alten belassen. Diese Sichtweise greift zu kurz. Viele Bürgerinnen und Bürger, Gewerbetreibende sowie die Aktivgemeinschaft Sinzig haben sich klar für eine Aufwertung der Innenstadt ausgesprochen und gleichzeitig erhebliche Bedenken gegenüber einer Fußgängerzone geäußert. Dies wurde zuletzt auch durch zahlreiche Unterschriften deutlich.
Dabei geht es nicht um die Ablehnung von Veränderungen. Vielmehr geht es um die Frage, wie die Innenstadt gleichzeitig attraktiver gestaltet und für Kunden, ältere Menschen, mobilitätseingeschränkte Personen sowie für Arztpraxen, Apotheke, Einzelhandel und Dienstleister gut erreichbar bleiben kann.
Auch die Erfahrungen aus früheren Versuchen mit einer temporären Fußgängerzone in Sinzig sollten nicht einfach ausgeblendet werden. Sie haben gezeigt, dass die Auswirkungen auf Handel und Gastronomie differenziert betrachtet werden müssen. Deshalb erscheint es vernünftig, zunächst die Maßnahmen umzusetzen, über die weitgehend Einigkeit besteht.
Niemand ist gegen mehr Aufenthaltsqualität in der Sinziger Innenstadt. Die Frage ist lediglich, ob eine Fußgängerzone dafür Voraussetzung oder vielmehr ein Risiko für Handel, Dienstleistungen und Erreichbarkeit ist. Bevor wir über Verkehrssperrungen diskutieren, sollten wir zunächst die Maßnahmen umsetzen, die breite Zustimmung finden: einen attraktiveren Marktplatz, einen aufgewerteten Kirchplatz und mehr Aufenthaltsqualität für alle. Dann können wir auf Grundlage realer Erfahrungen und nicht aufgrund von Vermutungen oder kostenintensiven Tests entscheiden.
Pressemitteilung Reiner Friedsam, Ortsvorsteher der Kernstadt Sinzig, ehemaliger Vorsitzender der Aktivgemeinschaft Sinzig
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Die Zukunft der Sinziger Innenstadt ist keine Entweder-oder-Frage Foto: Reiner Friedsam