Aufbruchstimmung in der Sinziger Innenstadt
Sinzig. Bei der gut besuchten öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung war das Hauptthema „Verkehrskonzept und Ideen zur Ausgestaltung von Markt- und Kirchplatz“.
Nach der Begrüßung konnte Bürgermeister Andreas Geron verkünden, dass die finanzielle Städtebauförderung des Landes für Sinzig bis zum Jahr 2031 verlängert wurde.
Bei der Themeneinführung legte Geron Wert darauf, dass nun eine ergebnisoffene und unvoreingenommene Diskussion starten solle. Zu Beginn werden Ideen und Gedanken zu den Planungen gesammelt. „Es ist noch nichts entschieden und es gibt bisher keine Favorisierung“ betonte Geron.
Die Interessenabwägung stelle sicherlich eine große Herausforderung dar. Neben der Bürgerbeteiligung seien auch die Interessen der Gewerbebetriebe und der innerstädtischen Arbeitsplätze zu berücksichtigen.
„Nichts ist in Stein gemeißelt“
„Es müssen alle Ideen und Gedanken auf den Tisch“ so Geron weiter. Danach stellte Frau Häuser vom beauftragten Ingenieurbüro „Planwerk Häuser“ aus Boppard das Konzept vor.
Schnell war klar, dass die Neugestaltung von Markt- und Kirchplatz nicht ohne Berücksichtigung der Erkenntnisse aus dem Verkehrskonzept von 2005 möglich ist. Zur Aufwertung der Aufenthaltsqualität im Zentrum müssen die Verkehrsbelastung reduziert und alternativer Parkraum geschaffen werden.
Dazu wurde die Auswertung der in 2025 an mehreren Tagen durchgeführten Verkehrszählung und die Analyse der Parkraum-Auslastung präsentiert. Ersichtlich wurde daraus, dass zur Steigerung der Wohlfühl-Qualität weiterer Parkraum außerhalb der Innenstadt angeboten werden muss. Nicht nur die Anwohner, sondern auch die Beschäftigten der innerstädtischen Unternehmen brauchen dazu (bezahlbare) Alternativen rund um die Uhr.
Schade ist, dass eine Verdoppelung der Parkfläche entlang der Harbachstraße mittels 2-stöckiger Parkpalette durch Einschränkungen des Denkmalschutzes (Sicht auf die alte Stadtmauer) ad acta zu legen sind.
Noch nicht berücksichtigt ist ebenso die Frage, wie und wo zukünftig die steigende Anzahl von E-Autos der Anwohner und Beschäftigten geladen werden können.
Auch die Haltepunkte des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) sind zu überprüfen und evtl. zu verlegen.
Herausfordernd wird es sein, wie Lösungen für Kunden, Gäste, Bewohner, Anlieferverkehr und Gewerbetreibende bei der Verkehrsführung unter einen Hut gebracht werden können. Hier wurden mehrere Varianten von unterschiedlicher Fließrichtung des stadtein- und stadtauswärts fahrenden Verkehrs durchgespielt. Dabei stehen Änderungen der Einbahnstraßen-Richtung, evtl. Wendemöglichkeiten, zeitliche Befristung und Zufahrtsbeschränkungen zur Diskussion.
Herauskristallisiert hat sich, dass ein „Parkleit-System“ sowie eine Parkraum-Bewirtschaftung erforderlich sein werden, um die Innenstadt zu einer „Wohlfühl-Zone“ zu entwickeln.
Sachliche Diskussion
Bei den anschließenden sachlichen Wortmeldungen aus allen Fraktionen zeigte sich, dass in den Gremien die Dringlichkeit erkannt wurde, nun zu handeln und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.
Eine der Fragen war: „Wieviel Fußgängerzone braucht Sinzig?“. Lange diskutiert wurde über „Problemzone Schloßstraße“. Gibt es eine Wendemöglichkeit bei Umkehrung der Fließrichtung, wie kann die Physiopraxis eingebunden werden, kann sie auch gegenläufig befahren werden, entfallen Parkflächen? Auch die Apotheke, die Arztpraxen im Zentrum, Bequemlichkeit der Kunden und Gäste, „Parkplatz-Such-Verkehr“ waren angesprochene Themen.
Die zentralen Plätze
Höchste Priorität bei der Neugestaltung wird der zentrale Marktplatz haben. Hier liegt großes Potenzial bei der Steigerung der Wohlfühlqualität. Am und um den Marktplatz (einschließlich oberer Mühlenbach-, Bachovenstraße und „Geißenmarkt“ konzentriert sich die höchste Dichte an Gewerbebetrieben mit Einzelhandel, Gastronomie und Arztpraxen.
Mit dem „Europabrunnen“ als zentralem Blickfang soll das Umfeld begrünt werden und zum Aufenthalt im Freien einladen. Möglicher Wasserlauf und schattige Ruhebänke sind dabei die Optionen zur Aufwertung des Platzes. Inwieweit dort zukünftig noch größere Events stattfinden können, ist offen, aber sicher ein starkes Anliegen der Gewerbebetriebe im Stadtzentrum.
Lange diskutiert wurde über die Frage, wie der Verkehr über oder am Markt vorbei oder überhaupt dort weiter möglich sein wird.
Schwieriger wird die Optimierung des Kirchplatzes werden. Wie von Bürgermeister Geron eingangs erwähnt, sind der Stadt durch die neue Denkmalzone die Hände gebunden. Sicher kann dort auch zukünftig die Sinziger Kirmes stattfinden. Aber selbst „kleinste Veränderungen“ müssen mit Mainz abgestimmt und von dort genehmigt werden.
Verständlich sind die großen Bauchschmerzen der Verwaltungsspitze über die aus Mainz auferlegte großflächige Denkmalschutzzone um den Kirchplatz, einschließlich einer Trafostation. Entsteht dort der nächste „denkmalgeschützte“ Schandfleck im Stadtbild? Was passiert, wenn nichts mehr geht, weil diese Auflagen kein Investor finanzieren kann – siehe Haus Walterscheid?
Wie geht’s weiter?
Wer an dieser öffentlichen Ausschuss-Sitzung teilgenommen hat, hat die 2 ½ Stunden am Abend gut investiert. Es war eine sehr informative Präsentation mit anschließendem sachlichem Gedankenaustausch der Gremienmitglieder. Das zeigt, dass die Verantwortlichen verstanden haben, dass die Zeit drängt und gehandelt werden muss, damit Sinzig nicht den Anschluss verpasst.
Eine weitere wichtige Erkenntnis: Nicht eine „große“ Variante ist schnell umsetzbar, sondern mit kleinen Schritten und dem ein oder anderen Versuch einer Veränderung finden sich Lösungen zur Verbesserung der Wohlfühlqualität in der Innenstadt.
Nun gilt es, jetzt breiten Konsens zu suchen und an dieser Herkulesaufgabe nicht zu scheitern. Diese Sitzung war ein erfolgversprechender Startschuss.
Einbindung derAktivgemeinschaft
Als Vorsitzender der Sinziger Aktivgemeinschaft freue ich mich über den Beschluss, dass neben den Anwohnern auch wir als anerkanntes Sprachrohr der Gewerbetreibenden in die Suche nach Lösungen aktiv eingebunden werden.
Am Montag, 9. Februar, 19 Uhr, lädt die Aktivgemeinschaft ins neue „Sakura Fusion“, Bachovenstraße 16, zum nächsten „Aktivtisch“ alle Gewerbetreibenden ein. Neben Infos zu den diesjährigen Stadtfesten kann über die anstehende Stadtentwicklung diskutiert werden.
Peter Krupp
