Allgemeine Berichte | 11.11.2013

25 Jahre Kirchbauverein St. Peter Sinzig e.V.

Ausweis für lebendigen Glauben

Geistliches Konzert mit dem „Ensemble Stellaris“ am 16. November, 19 Uhr

Der Kirchbauverein St. Peter feiert silbernes Jubiläum.Archiv

Sinzig. Seit einem Vierteljahrhundert setzt sich der Kirchbauverein für Sinzigs Wahrzeichen Sankt Peter ein. Gut 100.000 Euro sind bisher aus den Eigenmitteln des Vereins geflossen. Und die Arbeit des kleinen „Dombauvereins“, wie man sich selbst sieht, wird wohl niemals beendet sein.

Zur Geschichte

Am 28. September 1988 gründeten sieben engagierte Angehörige der Pfarrei St. Peter den Kirchbauverein St. Peter Sinzig e.V., um bei der Finanzierung der seinerzeitig tief greifenden und sehr umfänglichen Renovierung der romanischen Basilika aus der späten Stauferzeit zu helfen. Bereits nach der Abrechnung des ersten Bauabschnitts im Jahr 1988 hatte sich gezeigt, dass alleine die im Jahr 1987 begonnene Instandsetzung des Vierungsturmes mit über 750.000 Mark zu Buche schlug. Da die Pfarrei St. Peter einen erheblichen finanziellen Eigenanteil an der Gesamtmaßnahme zu erbringen hatte, wurde den damals Verantwortlichen der Pfarrei sehr schnell klar, dass angesichts des gewaltigen Bauvorhabens die eigenen finanziellen Ressourcen rasch erschöpft und schlicht überfordert sein würden. Laut dem im November 1989 von Verwaltungs- und Pfarrgemeinderat vorgelegten „1. Zwischenbericht“ zur Renovierung waren erhebliche Mehrkosten durch die zunächst nicht erwartete Notwendigkeit der Neueindeckung des Turmdachs entstanden. Des Weiteren zeichneten sich damals geschätzte Kosten für die Bauabschnitte zwei bis vier in Höhe von rund zwei Millionen Mark ab, in denen - wie der Zwischenbericht ungewollt lakonisch abschließend feststellt - „eventuelle denkmalschützende Maßnahmen nicht enthalten [sind]; sie kommen hinzu.“ Die damalige Finanzsituation der Pfarrei ließ die von der Bistumsleitung in Trier vorgesehene und erwartete Eigenbeteiligung der Pfarrgemeinde St. Peter als kaum realistisch erscheinen. Seitens des Pfarrverwaltungsrates wurde damals nicht nur hinter vorgehaltener Hand gemutmaßt, dass gerade die ursprünglich nicht kalkulierten denkmalpflegerischen Maßnahmen zusätzliche finanzielle Aufwendungen erforderlich machen und die zu erwartenden Mehrkosten deutlich höher ausfallen würden. Mit Blick auf die Abschlussrechnung des Jahres 1993 sollten die damaligen Skeptiker recht behalten: Am Ende mussten zwischen 1987 und 1992 mehr als vier Millionen Mark in die Erhaltung der 1241 fertiggestellten dreischiffigen Pfeilerbasilika investiert werden. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass neben den denkmalpflegerischen, vor allem und in erster Linie, bauliche Arbeiten zur Sicherung und Erhaltung der Pfarrkirche zu bewerkstelligen waren. Spenden in größerem Umfang waren hierzu ohne eine Möglichkeit der steuerlichen Berücksichtigung kaum zu erwarten.

Die Pfarrei konnte zum damaligen Zeitpunkt Zuwendungen allein für sozial-karitative Zwecke bescheinigen - nicht jedoch für bauliche Maßnahmen. So besannen sich sieben Angehörige der Pfarrei auf die Gründung des Kirchbauvereins, um durch die staatliche Privilegierung der Gemeinnützigkeit, den potenziellen Spendern und Förderern eine steuerunschädliche Unterstützungsmöglichkeit zu eröffnen. Und dieses Konzept sollte rasch aufgehen: Bereits nach Eintrag des Vereins beim damaligen Vereinsregistergericht in Andernach am 28. September 1988, begannen die Spendenquellen zu sprudeln. So hat der Kirchbauverein bis zum Abschluss der Gesamtrestaurierung im Dezember 1992 ganz erheblich mit dazu beigetragen, dass die von der Gemeinde über Jahre noch zu finanzierende Erhaltungsmaßnahme doch realisiert werden konnte. Zu den sieben weitsichtigen Frauen und Männern gehörten im Herbst des Jahres 1988: Lorenz Wasem (Gründungsvorsitzender); Heinrich Graf von Spee (stellvertr. Vorsitzender); Ernst-Wilhelm Schweikert (Schatzmeister), Gisela Drenk (Schriftführerin), Annemarie Arnoldt (damals Vorsitzende des Pfarrgemeinderats) sowie die Herren Dr. Schmitt und Clemens Römer als Beisitzer. Clemens Römer war in ganz erheblichem Maße die Rolle als Triebfeder und Motor für den eigentlichen Gründungsakt zugefallen. In den vergangenen 25 Jahren hat der Kirchbauverein aber auch bei anderen Projekten, wie zum Beispiel der Restaurierung und Bewahrung der innerhalb der Pfarrkirche aufbewahrten und gezeigten Kunstschätze mitgeholfen. Stellvertretend für die vielen Einzelmaßnahmen seien hier die umfangreiche Renovierung des dreiflügeligen Altarbildes (1994), die erneute Zusammenführung und Restaurierung der künstlerisch hochstehenden Kreuzigungsgruppe im nördlichen Querhaus (2002), die vollumfängliche Sicherung, Konservierung und abschließende Erhaltung des umfangreichen Freskenzyklus´ in der Taufkapelle (2006) genannt.

Aber auch kunsthandwerkliche Erhaltungsmaßnahmen wie Goldschmiedearbeiten an den liturgischen Geräten, den sogenannten „Vasa sacrae“, wurden vielfach gefördert; so zuletzt die Restaurierung eines Weihrauchfasses aus dem 19. Jahrhundert durch eine eigens hierfür beauftragte Fachwerkstatt (2013). Nicht zuletzt gehörte auch die Abgeltung der finanziellen Schäden im Zuge der Beseitigung von Graffitischmierereien an den Außenwänden von St. Peter zum unfreiwilligen Aufgabenbereich des Kirchbauvereins (2012). Nachdem sich herausgestellt hatte, das den jugendlichen Übeltätern hierfür nichts „abzunehmen“ war, hatte sich die Jahreshauptversammlung 2011 ohne zu zögern einstimmig mit der Schadensabgeltung einverstanden erklärt.

Viele Projekte warten noch

Weitere Projekte stehen in den kommenden Jahren auf dem Programm des mittlerweile 130 Mitglieder starken Vereins: Neben einer würdigen und endgültigen Grablege für den sog. „Hl. Vogt“, der Renovierung der hölzernen Türflügel des Südportals, einer denkmalgerechten Beleuchtung der Taufkapelle, einem künstlerischen ansprechenden Unterbau für den aus der Mitte des 13. Jahrhunderts stammenden Taufbrunnen, warten noch zahlreiche andere kostenträchtige Projekte auf ihre Realisierung. Alle hier aufgezeigten Maßnahmen dienen dabei ausschließlich konservatorischen Zwecken und sollen dabei mithelfen, das Wahrzeichen Sinzigs, die katholische Pfarrkirche St. Peter konfessions- und glaubensübergreifend für alle Bürger und Gäste Sinzigs zu erhalten. „Wir, die Mitglieder des Kirchbauvereins, wollen dazu beitragen, dass auch zukünftige Generationen dieses beeindruckende Glaubenszeugnis mittelalterlicher Frömmigkeit in Sinzig erleben können: Nicht museal, sondern gleichsam als Ausweis für die Tradierung eines lebendig erhaltenen Glaubens an die Verheißungen unseres Herrn Jesus Christus“, so fasst der Chef des Kirchbauvereins Stephan Pauly die Motivation des Vereins zusammen. Um das Jubeljahr würdig zu begehen, schenkt der Kirchbauverein seinen Mitgliedern, den Angehörigen der Pfarrei St. Peter sowie der Pfarreiengemeinschaft Sinzig und allen Bürgern und Gästen der Stadt ein ganz außergewöhnliches Konzert, das so wohl noch nie in der Sinziger Pfarrkirche St. Peter stattgefunden hat: Am Samstag, 16. November sind alle Freunde, Förderer, Gönner der Basilika St. Peter sowie alle Bürger und Gäste Sinzigs ab 19 Uhr sehr herzlich zu einem geistlichen Konzert des „Ensembles Stellaris“ in der Pfarrkirche St. Peter eingeladen. Das elfköpfige auf gregorianische Gesänge und mittelalterliche Musik spezialisierte Ensemble führt neben musikalischen Werken aus dem 13. Jahrhundert - der Erbauungszeit von St. Peter - unter anderem auch einen eigens für den Vorabend von Totensonntag einstudierten Totentanz des Mittalters auf. Der Eintritt ist frei. Um Spenden für die Arbeit des Kirchbauvereins wird am Ende des Konzerts gebeten.

Der Kirchbauverein St. Peter feiert silbernes Jubiläum.Foto: Archiv

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