Politik | 01.06.2015, 14:41 Uhr

Nahversorgungszentrum auf dem Rickgelände

Bauleitplanung auf den Weg geschickt

Auf dem Rickgelände sind fast alle Bauwerke des Betonwerks bereits abgerissen worden. BL
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Sinzig.In seiner jüngsten Sitzung hat der Sinziger Stadtrat mit einem Mehrheitsbeschluss die Einleitung eines Bauleitverfahrens für das Rickgelände eingeleitet. Bei der Abstimmung gab es sieben Gegenstimmen, wobei die Grünen sich komplett gegen das Projekt aussprachen. Wie bereits mehrfach berichtet soll auf dem 20.000 Quadratmeter großen Areal des einstigen Betonwerks ein Nahversorgungszentrum mit der Umsiedlung von Aldi, Edeka und Rossmann sowie eines Getränkefachmarkts entstehen. Damit soll die gute Nahversorgungslage der Kernstadt Sinzig auf absehbare Zeit abgesichert werden. Der Einzelhandel gerade in Hinblick auf den gültigen Landesentwicklungsplan (LEP IV) näher an den Stadtkern heranrücken.

Nur noch Stehplätze im Ratssaal

Im Ratssaal gab es vor allen Dingen vor Beginn der Sitzung eigentlich nur noch Stehplätze. Denn rund 70 Zuschauer aus den Reihen der neuen Bürgerinitiative „Wir lieben Sinzig“, die das Nahversorgungszentrum verhindern will, waren gekommen. Hinzu kamen die Eltern der bestreikten Kindertagesstätte Max & Moritz, die ihrem Unmut über die Entwicklungen in Bad Bodendorf Luft machen wollten. Sinzigs Bürgermeister Wolfgang Kroeger fasste den Stand der Dinge noch einmal zusammen: „Mit der Einleitung des Bauleitverfahrens wird der erste einer ganzen Reihe an notwendigen Schritten gemacht. Neben den Trägern der öffentlichen Belange, von den rund 85 Stellungnahmen erwartet werden, haben auch die Bürger die Möglichkeit ihrer Einwände Bedenken vorzubringen“, so der Stadtchef.

Prüfung des Areals

Um Missverständnissen vorzugreifen: Mit der Einleitung der Bauleitplanung sind in Sachen Nahversorgungszentrum keinerlei Nägel mit Köpfen gemacht worden. Im Gegenteil: Beim mehrstufigen Verfahren, bei dem es mindestens zwei Offenlagen geben wird, geht es darum zu untersuchen, ob das Areal überhaupt geeignet ist.

Dies wurde auch bei den Stellungnahmen der Fraktionen deutlich. CDU-Fraktionsvorsitzender René Zerwas und SPD-Chef Hartmut Tann waren sich einig: „Wir sind bis zur finalen Entscheidung ergebnisoffen“. In der Politik ist angekommen, dass vor allen Dingen die Verkehrserschließung des neuen Nahversorgungszentrums und auch die Verkehrssituation im Dreifaltigskeitsweg große Probleme sind, die einer vernünftigen Lösung bedürfen.

Gerade in der Einleitung des Bauleitverfahrens sah die Mehrheit des Sinziger Rates aber auch die Möglichkeit in Sachen Nahversorgungszentrum schlauer zu werden. Denn im Zuge der Planungen werden eben jene Gutachten und Untersuchungen zu Verkehr Naturschutz und Lärmbelästigung zu erstellen sein, die es bisher noch gar nicht gibt.

Die Ablehnung der Grünen hatten Ingo Binnewerg und Harm Sönksen dargelegt. „Die Verkehrsanbindung wird sich wohl nur in der Form eines kleineren Übels machen lassen“, hieß es von den Grünen. Gutachter Dr. Thomas Schwarze hatte noch einmal die Eckdaten für die Fortschreibung des Zentrenkonzeptes und des zentralen Versorgungsbereiches für die Kernstadt dargelegt.

1503 Unterschriften gegen eine Bebauung gesammelt

Klare Worte fand auch Andreas Geron von der Bürgerinitiative „Wir lieben Sinzig“: „Geschätzte 9000 Fahrzeugbewegungen am Tag sind einfach zu viel. Nur drei Prozent der Gewerbesteuereinnahmen entfallen auf die vermeintlich so wichtigen großen Nahversorger“, so Geron, dem der Rat auf Antrag von CDU-Fraktionschef René Zerwas das Rederecht eingeräumt hatte. Und Geron verwies darauf, dass die Bürgerinitiative im Verlauf ganz kurzer Zeit 1503 Unterschriften gegen eine Bebauung des Areals mit einem Nahversorgungszentrum gesammelt hatte. Mit Blick auf die Namensgebung der Bürgerinitiative meinte FWG Fraktionschef Friedhelm Münch: „Wir lieben Sinzig auch und wollen die Stadt zukunftsfähig halten.“ Zumindest in Sachen Namensgebung gab es Aufklärung: „Wir wollten niemanden auf die Füße treten. Der Name der Bürgerinitiative ist ein kleiner Seitenhieb auf den Edeka-Slogan „Wir lieben Lebensmittel“, meinte Geron. Obwohl die Diskussion um die Sicherstellung der Nahversorgung in Sinzig bisher teilweise sehr emotional belastet war, ging es während der Ratssitzung sehr ruhig und sehr sachlich zu. Die Einleitung der Bauleitplanung bringt nun möglicherweise die Antworten auf viele offene Fragen. Die Parteien im Stadtrat werden sich auf jeden Fall die weiteren Entwicklungen ganz genau anschauen. Dies kann sich die neue Bürgerinitiative bereits jetzt als kleinen Erfolg auf die Fahnen schreiben. In Sachen Rickgelände sind in Sinzig wohl auch weiterhin heftige Diskussionen zu erwarten.

Auf dem Rickgelände sind fast alle Bauwerke des Betonwerks bereits abgerissen worden. Foto: BL

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